Hessen

Coronavirus in Offenbach: Der Wochenmarkt war fast schon normal

coronavirus-sars-cov2-offenbach-wochenmarkt-sanaklinikum
+
Insel der Normalität: Trotz der Ausbreitung des Coronavirus und abgesagter Veranstaltungen ist der Verkauf auf dem Offenbacher Wochenmarkt normal gelaufen – allenfalls zeitlich etwas versetzt. 

Die Krise um das Coronavirus spitzt sich beinahe stündlich zu. Auch in Offenbach. Hessens Landesregierung hat in einer Sonder-Kabinettsitzung getagt.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 weitet sich in Offenbach und Hessen aus
  • Die Stadt sagt Veranstaltungen ab
  • Nur der Wochenmarkt am Wilhelmsplatz ist „eine Insel der Normalität“

Offenbach – Das erste Wochenende hat - so der persönliche Eindruck - in Offenbach gezeigt, dass viele nicht so recht wissen, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen sollen. Ein Drahtseilakt zwischen Panik und Normalität wegen des Coronavirus zeichnet sich. Derweil werden immer mehr Veranstaltungen abgesagt. Das öffentliche Leben schaltet auf Sparflamme.

Zunächst die Ausnahme: Der Betrieb auf dem Wochenmarkt in Offenbach läuft eigentlich wie gewohnt. „Allerdings sind viele Kunden heute sehr früh auf den Beinen“, beobachtet das Team am Obststand der Familie Heininger. Offensichtlich möchte viele zwar nicht auf frisches Obst und Gemüse verzichten, auf das Gedränge, das gewöhnlich gegen 10 Uhr einsetzt, schon. Und an den beiden Kaffeeständen fließt reichlich Cappuccino und Co. „Eine Insel der Normalität“, heißt es in so mancher samstäglichen Runden. Bei der Begrüßung setzt man allerdings auf die Ghettofaust...

Coronavirus in Offenbach: Konserven und Nudeln ausverkauft am Wochenmarkt

Angesichts der Krise um das Coronavirus rät zwar Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von Hamsterkäufen ab, der Kunde indes ignoriert die beruhigenden Botschaften: Konserven und Nudeln (nebst dazu gehörenden fertigen Tomaten-Variationen) sind ausverkauft, Mehl und Hefe (sowohl frisch als auch in der Trocken-Variante) ebenfalls. Tenor: Wohl dem, der einen Backautomaten hat. 

Derweil verzeichnet der Quartiersbäcker eine - sagen wir mal - außergewöhnlich hohe Nachfrage. Kunden lassen sich gleich zwei, drei Brote einpacken. An diesem Samstag ist der Absatz von Teigwaren nicht das Problem, eher der Nachschub.

Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Offenbach und der Region gibt es im Ticker. 

Und wie sieht’s auf der Seite aus, die sich rund um die Uhr um Kranke und Verletzte kümmern müssen? Wie andere Kliniken bundesweit bittet das Sana-Klinikum in Offenbach die Bevölkerung, Besuche bei stationären Patienten „grundsätzlich auf ein Minimum zu reduzieren“. Grundsätzliche Empfehlung: pro Patient, ein Besuch pro Tag, am besten nicht länger als eine Stunde. Kinder unter 12 Jahren sollten nach Möglichkeit ganz auf einen nicht notwendigen Besuch im Klinikum verzichten. 

Fahrgäste der städtischen Buslinien können nur noch durch die hinteren Türen einsteigen. Auch der Verkauf von RMV-Tickets im Bus entfällt. Der Kontakt zu den Fahrern wird mit Absperrband verhindert. Allerdings fehlen noch an den Haltestellen entsprechende Hinweise auf den untersagten Ticket-Verkauf. 

Wochenmarkt in Offenbach: Klinik-Sprecherin zu Coronavirus

„Im besonderen Einzelfall und je nach Bereich kann von diesen Empfehlungen in Absprache mit dem medizinischen oder pflegerischen Personal abgewichen werden. Wir bauen auf das Verständnis der Bürger. Mit diesen Maßnahmen wollen wir nicht nur die Besucher selbst, sondern auch unsere Patienten und Krankenhausmitarbeiter schützen“, so Klinik-Sprecherin Anne Stach.

Am Starkenburgring 66 in Offenbach sind die erforderlichen Schutzausrüstungen (Mundschutz, Schutzkleidung sowie geeignete Desinfektionsmittel) in der Standardbevorratung. „Wir verfügen generell über zwei Sicherheitsvorkehrungen: Zum einen haben wir eine ausgewogene Lagerstrategie entwickelt, und zum anderen profitieren wir als Teil unseres Klinikverbundes, und dessen Netzwerk im Sana-Einkaufsverbund, über ein entsprechendes zentrales Lieferausfallmanagement“, so Stach. Die exakte Anzahl von Intensiv- beziehungsweise Isolationsbetten werde von der jeweils aktuellen Entwicklung abhängen und in Rücksprache mit den zuständigen Behörden bei Bedarf entschieden.

Grundsätzlich gelte: Die Isolierung von Corona-Patienten oder Verdachtsfällen diene derzeit der Eindämmung der Ausbreitung des Virus, nicht der Behandlung der Kranken. Die Klinik-Sprecherin listet auf: „Ein Isolierzimmer kann beinahe jedes Krankenzimmer mit eigener Nasszelle sein. Wichtig ist, dass sich eine eventuell vorhandene geschlossene Lüftung deaktivieren lässt. 

Sanaklinikum in Offenbach: Hygienevorschriften wegen Coronavirus wichtig

Im Vordergrund stehen die Einhaltung der Hygienevorschriften, die Behandlung von Nebenerkrankungen und die Eindämmung weiterer Infektionen, zum Beispiel durch die Verringerung der Kontakte auf ein Minimum.“

Der Virus macht auch vor der Kirche nicht halt: In den elf katholischen Gemeinden Offenbachs werden ab sofort keine öffentlichen Gottesdienste gefeiert. Dekan Andreas Puckel. „Es sei verständlich in dieser Situation auf größere Zusammenkünfte zu verzichten, da in jedem unserer Gottesdienste sich sonntags mindestens hundert, vor allem Ältere, regelmäßig begegnen“. 

Um von den Gläubigen niemanden alleine zu lassen, stehen alle Offenbacher Seelsorger bereit, um Menschen zu Hause zu besuchen und mit ihnen zu beten oder die Kommunion zu bringen.

Von Martin Kuhn

Rubrikenbild: Meidel


Auch in Hessen gibt es Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Im „Irish Pub“ Wiesbaden gab es einen Covid- 19 infizierten Gast.

Die Behörden in Stadt und Landkreis Offenbach sind wegen des Coronavirus überlastet. Selbst das vorerkrankte Kind einer Familie aus Dreieich kann keinen Coronavirus-Test machen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare