Tim Schwerdter ist Offenbacher

Gitarrist von Cro: Mit Panda im Rampenlicht

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Früher haute Tim Schwerdter zu Punkmusik in die Saiten. Heute spielt der Offenbacher Gitarre und Keyboard in der Band des Pop-Rappers Cro.

Offenbach - Wenn am Sonntag das EM-Trikot der Fußballnationalmannschaft in Berlin vorgestellt wird, steht neben Jogi, Schweini und Co. auch der berühmteste Rapper Deutschlands auf der Bühne: Cro. Und mit ihm ein Offenbacher im Rampenlicht. Von Sarah Neder

Tim Schwerdter ist einer der musikalischen Köpfe der Panda-Band. Das wird er nie vergessen. Rock im Park vor drei Jahren, sein erster Auftritt mit der neuen Band. Ein bisschen Bühnenerfahrung hatte Tim Schwerdter damals zwar schon. Aber das war etwas ganz anderes.

Kurzes Einschwören im Kreis, Ohrhörer rein – und raus in den Lärm der 20.000 Fans. Oder waren es 22.000? So genau kann sich Tim nicht erinnern. Doch er weiß noch: „Es war irre, die Leute sind ausgerastet!“ Inzwischen hat Tim Dutzende Konzerte in der Band von Musikphänomen Cro hinter sich. Blonde Haare fallen in kurzen Strähnen kreuz und quer. Darunter tiefblaue Augen, glattrasiertes Gesicht. Tim sieht jung aus, eher wie Anfang als Ende 20. Doch er hat bereits einen langen Weg durch die Musikwelt zurückgelegt.

Mit 14 Jahren haut Tim in einer Punkband aus seinem Heimatort Obertshausen in die Saiten. Danach folgt die Gruppe White Nights, die eingängigen Pop-Rock spielte. „Wir hatten schon einen Vertrag mit Universal“, erzählt Tim – den Durchbruch schaffen sie nie.

Neben dem Musikstudium in Mannheim feilte er in der Band seines alten Schulfreunds Rockstah (Henny Nachtsheims Sohn Max) solo am Werdegang. Auf einer gemeinsamen Tour 2012 lernte der 29-Jährige dann den damals meist gefeierten Pop-Rapper der Nation kennen: Cro. Dessen Karriere hatte ein Jahr zuvor in seinem Kinderzimmer in der Nähe von Stuttgart begonnen. Carlo Waibel alias Cro bastelte dort den Beat zum Hit, der sein Leben verändern sollte. „Easy“ explodierte, Cro explodierte.

Der Mann mit der Panda-Maske tourt bis zum zufälligen Treffen mit Tim nur in DJ-Begleitung durch Deutschland. Aber das reicht nicht mehr. Nicht für große Festivals und Arena-Konzerte. Cro, praktisch über Nacht berühmt geworden, braucht eine Band. „Carlo – Tim, Tim – Carlo“. Rapper und Instrumentalist werden sich vorgestellt: die Zündung für Tims Raketenkarriere.

Mittlerweile ist der studierte Musiker aus Offenbach viel mehr als nur ein Bandmitglied. Nämlich Kumpel, Produzent und selbst berühmt. Im Gegensatz zum Frontmann trägt Tim auf der Bühne keine Maske, Fans erkennen ihn auf der Straße wieder. Zum Beispiel auf der Frankfurter Zeil. Sie schauen, schauen länger, überlegen. Trauen sie sich? Nur ein Foto, eine krakelige Unterschrift. Das sei ihm manchmal schon unangenehm. Denn er findet: „Ich arbeite für einen Star, ich bin keiner.“

Besuch in seinem reduziert eingerichteten Zwei-Zimmer-Apartment am Mathildenplatz. Über dem Klavier im Wohnzimmer hängt eine riesige Leinwand: Abstrakte Kunst, plakativ, bunt. Ein Geschenk seines Kumpels Cro. „Carlo ist einer der kreativsten Menschen, die ich kenne“, sagt Tim, als er auf das Bild schaut. Auf dem Fußboden lehnt ein weißer Kasten an der Heizung. Darin die Platin-Platte des ersten Cro-Albums „Raop“. Auch Tim hat eine bekommen.

Aus dem Fenster blickt Tim direkt auf den Mathildenplatz, über die Mathil-denstraße, auf den großen Wohnblock mit gelber Fassade. Offenbach, sagt Tim, sei Heimat. „Es hat mich nie woanders hingezogen.“ Berlin mag er zwar auch, aber dort würde er sich verloren fühlen, davon ist er überzeugt. Hier sind seine Mutter, seine alten Freunde, sein eigenes kleines Studio im ehemaligen Zollamt.

Offenbach ist aber auch ein Stück Unabhängigkeit für den Selbstständigen. Dort feilt er an Projekten, produziert Musik für Film und Werbung und baut sich einen Plan B auf. Denn: Tim hat zwar momentan mehr als 25  000 „Follower“ in den Sozialen Netzwerken, bekommt im Monat stapelweise Kleidung von Modefirmen zu Werbezwecken gestellt. Aber finanziell ausgesorgt hat er mit der Musik nicht.

Mit Cro tauschen will Tim aber nicht: „Ich bin oft froh, dass ich nicht in seiner Position bin.“ Manchmal denkt Tim darüber nach, wieder bei Null anzufangen, eine eigene Band zu gründen. Wie damals. Wieder Verstärker tragen. „Das klingt blöd, ich weiß, aber das ist noch in mir“, sagt er. Aber auch dann will er nicht in der ersten Reihe stehen. Das ist nichts für ihn. Denn wenn es nach Tim geht, ist er kein Star.

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