Crowdfounding-Aktion brachte ein kleines Grundkapital

Digitaler Retro-Park sucht eine Bleibe

+
Georg Klein hat viele Ideen für den Digitalen Retro-Park.

Offenbach - Von der Gründung eines digitalen Kulturzentrums erhofft sich der Offenbacher Georg Klein einen Ort zu schaffen, an dem verschiedene Strömungen der digitalen Kultur zusammenkommen.

Jetzt fehlen nur noch Räume. Dazu befragte ihn Rebecca Röhrich.

Vor einem Jahr wurde die Idee, ein digitales Kulturzentrum zu schaffen, angekündigt. Was hat sich seitdem getan? 

Eine Menge: Vor allem gelang es, Ende 2014 mit der Crowdfounding-Aktion der Aventis-Stiftung ein kleines Grundkapital auf die Beine zu stellen. Gleich danach, Anfang 2015 fand unsere erste größere Ausstellung in Offenbach statt: Die Atari-Geschichte zum Ausprobieren und zum Spielen im alten Zollamt war einen Monat lang ein großer Erfolg. Das hat uns viele neue Kontakte gebracht, ebenso wie die parallelen Veranstaltungen. Der „Stummspiel-Abend“ (Alte Game-Klassiker auf Leinwand, live von einem Musiker begleitet) etwa hat derart Wellen geschlagen, dass wir ihn am Samstag, 29. August, im Frankfurter Filmmuseum zur „Filme und Games“ -Ausstellung um 19 und um 21 Uhr wiederholen.

Was ist darunter genau zu verstehen?

Das Soziodigitale Kulturzentrum (SDK) Digital Retro Park soll Standort für eine der größten Sammlungen alter Rechner in Deutschland werden: Ein Ort an dem unterschiedliche Strömungen der Digitalkultur zusammen kommen und Wissen, Fertigkeiten und Spaß für jeden zugänglich sind. Für viele Nerds und IT-ler gehört der kreative Umgang mit Elektronik zu ihrer Kultur. Dort sollen selbstbestimmte Wege durch die digitale Gegenwart und Zukunft gefunden werden. Das Verständnis für die Herkunft unserer heutigen völlig Rechner-gestützten Lebenswelt ist wichtig.

Wo soll das Digitale Kulturzentrum seinen Platz finden?

Natürlich ist es nicht leicht, einen sowohl möglichst zentral erreichbaren als auch möglichst kostengünstigen Standort zu finden. Besonders Letzteres ist aber wichtig, wenn wir uns selbst realistische zwei Jahre Aufbauzeit geben wollen. Wir haben unserem künftigen Vermieter auch viel zu bieten: Nachhaltige soziale Aufwertung, weil wir uns bewusst als einen Ort der Bildung für alle sehen. Das beinhaltet dann Anschlussmöglichkeiten für verschiedene Sparten der Digitalwirtschaft. Wir sind nach wie vor offen für weitere Vorschläge und Kooperationen.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein digitales Kulturzentrum in Offenbach zu gründen?

Die Begeisterung für alte Rechner und Konsolen ebenso wie fürs selber bauen, machen und reparieren zieht sich wie ein roter Faden durch alle Szenen. Es lag nahe, das zusammen zu bringen. Ich glaube, dass es eine Chance für die Stadt ist, Vergangenheit und Zukunft der technischen Entwicklung hier zu verankern. Deswegen setze ich mich dafür ein, den Digital Retro Park nach Offenbach zu holen.

Auf welche Höhe belaufen sich die Kosten für das Projekt?

Das hängt stark davon ab, wie viel wir umsetzen können. Es gibt sozusagen die Minimal-Version mit reinen Wochenendöffnungszeiten. Etwas, dass wir auf jeden Fall mit mühsam abgesparter Freizeit und bestehenden Finanzen garantieren können. Ziel ist aber ein laufender Betrieb mit offenen Werkstätten, Workshops, Cafébetrieb und Führungen für Schulklassen. Das kriegt man nicht mehr mit freiwilliger Arbeit allein hin.

Wie soll das digitale Kulturzentrum finanziert werden?

Wir haben unser Konzept so ausgerichtet, dass es gut zu Stiftungen und Förderprogrammen auf Bundes- und sogar EU-Ebene passt. Sponsorengelder und laufende Einnahmen machen den anderen Teil aus. Um realistisch zu kalkulieren, gehen wir von der Minimalvariante aus und erweitern jeweils soviel wie machbar ist.

Wen soll das digitale Kulturzentrum ansprechen?

Kinder und Erwachsene aller Schichten sollen das Computerzeitalter erfahren, anfassen und auch selbst kreativ entwickeln können. Gleichzeitig soll es ein Ort sein an dem fortschrittliche Ideen und Konzepte aus den digitalen Szenen an der Realität getestet werden können.

Was erhoffen Sie sich von dieser Idee?

Im Endeffekt: selbstbewusster und kreativer Umgang mit der neuen Zeit für möglichst viele. Und viel Spaß, tolle Ideen und Projekte natürlich!

Wann ist mit der Eröffnung zu rechnen?

Wir hoffen, dass wir spätestens im Winter Räume beziehen können. Auch mit einer Zwischenlösung wären wir zufrieden. Damit kennen wir uns nach der Ausstellung im Zollamt ja aus...

Kommentare