Crowdfunding

Direktester Weg zum Endkunden

Offenbach - Firmengründer gehen heutzutage nicht mehr unbedingt zur Bank, wenn sie Geld brauchen. Crowdfunding nennt sich das Zauberwort. Von Marc Kuhn 

Auf Knopfdruck schnell der Schlüssel aus dem Carbon-Gehäuse. Mit einer speziellen Technik ist er dort befestigt worden. Keeo heißt die Erfindung von Firmengründer Halil Ege. Der moderne Schlüsselbund erinnert an einen Autoschlüssel, nur etwas größer. Dieser hat auch als Vorbild gedient, wie Ege berichtet. Er will „Keeo in alle Taschen bringen“. Dafür hat der Diplomingenieur im vergangenen Jahr das Unternehmen Neuland Innovation Ltd. ins Leben gerufen. Im Internet sucht er Investoren - Crowdfunding nennt sich diese Methode.

Ege wollte dem Schlüsselbund nicht nur ein anspruchsvolles Design geben. Er sucht selbst ständig nach seinen Schlüsseln und kommt deshalb zu spät, wie der gebürtige Frankfurter berichtet. Deshalb ließ er eine App entwickeln. Den Chip für Keeo gab es schon. So findet das Smartphone Keeo und Keeo das Handy. Das Gehäuse des Prototyps hat Ege selbst gebaut. Das Innenleben sei in einer Garage in Heusenstamm entstanden, erläutert der Ingenieur, der ein Bauunternehmen leitet. Mitgründer Drazen Jagust, der gebürtige Kroate ist Feinmechaniker, hat die Technik entwickelt, die die Schlüssel wie bei einem Klappmesser aus Keeo springen lässt und fixiert. Beide sind auf der Suche nach deutschen Herstellern, die die Komponenten produzieren. Die hessische Spezialfederfabrik in Mühlheim soll die Federn liefern. Der Chip stammt aus Finnland.

Mehr Geld als erwartet

Zusammenbauen wollen Ege und Jagust die einzelnen Teile zunächst selbst. Die Firma U9 Visuelle Allianz aus Offenbach hat den Namen Keeo, der an das englische Wort Key erinnern soll, entwickelt. Es sollte ein wohlklingender Produktname sein, sagt Geschäftsführer Andreas Gnass. Ebenfalls in der Lederstadt ist das Designbüro Taschide beheimatet, das die Form von Keeo erdacht hat. Viele Freunde haben an dem Projekt Keeo mitgewirkt, wie Ege und Gnass, der in diesem Zusammenhang an die Kreativstadt Offenbach erinnert, berichten.

Sie waren auch an dem Film beteiligt, mit dem für Keeo auf www.kickstarter.com auf der ganzen Welt geworben wird. Anfang Mai startete das Crowdfunding, am 10. Juni endet es. „Man stellt eine Kampagne rein“, sagt Ege. Kickstarter wirbt für Ideen aus Australien, Kanada, Neuseeland, den USA, den Niederlanden und Großbritannien. Deshalb hat Ege seine Firma auch als Ltd. in England gegründet.

15.000 Pfund (18.500 Euro) wollte er einsammeln. Mittlerweile sind mehr als 19.000 Pfund eingezahlt. Die Interessenten - sogenannte Backer - bestellen Keeo vor. Wird die angepeilte Summe erreicht, stellen sie das Geld zur Verfügung. „Das Prinzip ist alles oder nichts“, erläutert Eger. Crowdfunding sei der direkteste Weg zum Endkunden. Bisher gibt es ungefähr 320 Vorbestellungen. 20 Prozent der Backer kommen aus Deutschland, 40 Prozent aus den USA und der Rest der Interessenten verteilt sich über die Welt, wie Eger erklärt. Für 60 Pfund soll Keeo produziert und ausgeliefert werden. Im Oktober soll der moderne Schlüsselbund beim Kunden sein.

„Das schaffen wir“, sagt Eger. Er versteht Crowdfunding als erste Hilfe für den Start. Mit dem Geld solle eine Kleinserie hergestellt werden. Danach wollen die Firmengründer mit ihrem Produkt Geld verdienen. Anfragen gebe es schon von Online-Shops aus den USA, Singapur und Großbritannien.

So machen Sie Ihr Passwort sicher

So machen Sie Ihr Passwort sicher

Eger hat zunächst Lehrgeld gezahlt. Im vergangenen Jahr hatte er die Finanzierung mit Crowdfunding schon mal probiert. An technischen Zwängen sei das Projekt gescheitert, erklärt Eger. Er wollte das Gehäuse von Keeo aus einem Kunststoffgemisch spritzen lassen. Doch die dafür benötigten Formen sind zu teuer. Deshalb setzt er jetzt auf das Carbongehäuse.

Etwa 30.000 Euro hat Eger bisher ausgegeben, um sein Produkt beim Patentamt anzumelden. Er spricht von einem langen Weg. Das deutsche Patentamt sei ein „lahmer, müder Haufen“. Zweieinhalb Jahre nach der Anmeldung des Patents erhielt Eger eine Absage. Es sei immer die Rede von der Gründernation Deutschland, erklärt Gnass. Er findet solche Vorgänge absurd. Man habe Eger „eher Steine in den Weg gelegt“. Erfolgreich ist er schließlich beim europäischen Patentamt gewesen. Dessen Entscheidung stehe über dem Votum des deutschen Amts.

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema

Kommentare