Cyber-Piraten nehmen Computer als Geisel

Offenbach (mic) - Lösegelderpresser brauchen nicht mehr unbedingt ein entführtes Kind und einen einsamen Keller, um Geld zu verdienen. Seit März 2011 arbeiten einige von ihnen über das Internet: Sie nehmen Computer als Geiseln und verlangen Lösegeld.

Allein 2011 erwischte es 167 Computernutzer im Bereich des Polizeipräsidiums. Hessenweit waren es 1014. Bundesweit geht Rainer Lechtenböhmer, Chef des Internet-Kommissariats, wegen einer hohen Dunkelziffer von fast einer Million Betroffener aus.

Speziell auf den Internetseiten von Erotik-Anbietern, aber auch auf Film- und Musik-Portalen lauert ein tückisches Schadprogramm. Unmittelbar nachdem sich der Trojaner eingenistet hat, erscheint auf dem Bildschirm mit „offiziellem Briefkopf“ eine Mitteilung des Bundeskriminalamtes oder der Bundespolizei: Der User wird beschuldigt, kinderpornografisches Material, gewaltverherrlichende Inhalte oder Ähnliches aufgerufen zu haben, weshalb man ihm jetzt den Rechner sperre, was dann auch der Fall ist. Das folgende Versprechen wird allerdings nie gehalten: Nach Zahlung einer Strafe - üblich sind bis zu 500 Euro - werde der Rechner freigeschaltet.

Es gibt alle möglichen Variationen des Virus. Manchmal meldet sich auch die Musikrechte-Behörde GEMA oder Microsoft („Lizenzverstoß“). Überwiesen wird das Geld über Zahlungssysteme wie Ukash oder Paysafecard. „Nicht zahlen, Anzeige erstatten und sich von der Polizei beraten lassen“, rät Lechtenböhmer. Gefährdet ist derzeit nur das Betriebssystem Microsoft. Bei sachgemäßer Entfernung der Schadsoftware gehen keine Daten verloren. Anti-Virenprogramme helfen nicht zuverlässig. Bei den Polizeiwachen ist ein Merkblatt erhältlich. Der Internetberater des Polizeipräsidiums hilft unter der Nummer 069/8098-1299.

Rubriklistenbild: © dpa

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