Ist die Dame mit Muff eine junge Sophie?

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Museumschef Eichenauer vergleicht und prüft: Die auf Stich und Ölgemälde dargestellte Person ist wohl die gleiche.

Offenbach ‐ Offenbach erinnert sich gern an die Schriftstellerin Sophie von La Roche (1730-1807), die die letzten 21 Jahre ihres Lebens in einem Haus an der Domstraße verbrachte. Von Lothar R. Braun

Ihren 200. Todestag hat die Stadt respektvoll gewürdigt. Straßenschilder nennen ihren Namen. Das Haus der Stadtgeschichte ist stolz darauf, in etlichen Grafiken ihr Abbild zeigen zu können.

Sie stellen die La Roche in ihren späteren Jahren dar. Gestern aber stellte Hausherr Dr. Jürgen Eichenauer auch ein Ölbild vor, auf dem mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schriftstellerin in einem jüngeren Alter zu sehen ist.  Mit Hilfe des Rotary-Clubs konnte Eichenauer es im Frankfurter Auktionshaus Arnold für 1.100 Euro ersteigern. Das Halbporträt auf Leinwand im Format 58x44 cm zeigt eine Dame mit Muff, zweifelsfrei gemalt im 18. Jahrhundert.

Ein Ansatz von einem Lächeln 

Vor dunklem Hintergrund blickt sie den Betrachter aus wachsamen Augen an, in den Mundwinkeln einen Ansatz von Lächeln, auf dem Haupt die charakteristische Haube, um den Hals ein Band mit Steinen. „Ein Bild, das hier hinpasst“, sagt Eichenauer. Der Maler ist unbekannt. Eichenauer konnte auch nicht ermitteln, woher das Bild stammt. Darüber erteilen Auktionshäuser keine Auskunft. Er vermutet die Herkunft bei Nachkommen der Familie La Roche, von denen etliche in Frankfurt leben sollen.

Dass es sich um Deutschlands erste Romanautorin handelt, sei in der Familie des Anbieters altüberliefert. So vorsichtig äußert sich das Auktionshaus zu seiner Katalognummer 529 vom September 2009. Darauf allein mochte sich Dr. Eichenauer natürlich nicht verlassen. Er nahm sich die ihm zugänglichen gesicherten Abbildungen vor und erkannte Übereinstimmungen in den Gesichtszügen. Dabei hat er sich sorgsam auch mit anderen Kundigen beraten, bevor er die Hilfsbereitschaft des Rotary-Clubs in Anspruch nahm.

Goethes Mutters Tasse?

Hohe Wahrscheinlichkeit und nur noch eine Spur von Zweifel - es hat Charme, wie die Dame mit Muff aus einem geheimnisvollen Dunkel ins Licht der Offenbacher Öffentlichkeit getreten ist. Unsicherheit gehört zum Kult um Bettina Brentanos Großmutter Sophie. Das Haus der Stadtgeschichte präsentiert ja auch eine Kaffeetasse aus dem Haushalt der La Roche, aus der Goethes Mutter „Frau Aja“ in der Domstraße getrunken haben soll.

Dass Mutter Goethe da war, weiß man. Ob sie aber gerade diese oder eine andere Tasse aus dem Service an die Lippen führte, wer kann das wissen? Es reicht aus, dass das in Offenbach seit Jahrzehnten so überliefert wird.

So mag es denn auch mit Eichenauers Neuerwerbung zugehen. Das Bild zeigt die La Roche, weil vieles dafür spricht und weil wir es so wollen. „Es ist was dran“, sagt man hierzulande in solchen Fällen.

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