Fit mit Dame und Springer

Offenbach - Angefangen hat alles mit einem Schachbrett und zwei spielwütigen Jungen. Mittlerweile ist ein Großteil der noch relativ jungen Erasmusschule im Schachfieber. 36 Prozent der Kinder ab vier Jahren besuchen eine Schach-AG. Von Jenny Bieniek

„Und noch viel mehr können zwar Schach spielen, schaffen’s zeitlich aber nicht in die AGs“, so Geschäftsführer Rolf Schmidt. Egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi - die in Kooperation mit der Vereinigten Schachgesellschaft Offenbach (VSG) angebotenen Kurse finden regen Zuspruch, nicht zuletzt, weil dort der 14-fache Stadtmeister Horst Müller sein Wissen weitergibt. Fachbegriffe wie „Gambit“ oder „Turmendspiele“ schrecken hier niemanden ab.

Emilia, Vincent und Anna Carlotta sitzen konzentriert am schwarz-weiß-karierten Brett. „Ich spiele schon lange“, erzählt der siebenjährige Vincent. „Mein Papa hat’s mir beigebracht.“ Ob sie bestimmte Strategien haben? „Die Rochade ist ein guter Spielzug“, verrät Anna Carlotta und outet sich damit als echter Profi. „Dabei wird der König von einem Turm und den Bauern geschützt.“

Schachspiel als pädagogische Ergänzung

Die beiden kleinen Schachpioniere von damals steckten ihre Mitschüler mit ihrer Begeisterung schnell an, auf dem Flohmarkt wurden zusätzliche Spielbretter für die größer werdende Gemeinschaft besorgt. Inzwischen scharen sich die Schüler um 17 Bretter, das „Spiel der Könige“ ist Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit an der Schule.

Vergangene Woche bekam die Erasmusschule dafür vom Deutschen Schachbund das Qualitätssiegel „Deutsche Schachschule“ verliehen und ist damit eine von hessenweit nur zwei Schulen mit dieser Auszeichnung. „Es ist also schon etwas Besonderes“, betont Simon Martin Claus, Schulschachreferent in der Hessischen Schachjugend und zeigt sich beeindruckt davon, in welch atemberaubender Geschwindigkeit der Schachsport Einzug in die Erasmusschule gehalten habe.

Qualitätssiegel vom Deutschen Schachbund

„Die Auszeichnung ist natürlich auch eine Verpflichtung, den Schachsport hier weiterhin hoch zu halten“, betont Geschäftsführer Schmidt und sieht durchaus Parallelen zum Alltag: „Beim Schach muss man sehr genau nachdenken, welchen Schritt man als nächstes macht – genau wie im Leben.“

Doch nicht nur er sieht die Auszeichnung als Anerkennung. Auch Bürgermeisterin Birgit Simon, die gleichzeitig Schirmherrin des Erasmus Bildungshauses ist, freut sich: „Wir sind alle stolz auf euch. Ihr seid immerhin die einzige Schule im ganzen Rhein-Main-Gebiet, die sich Deutsche Schachschule nennen darf.“

Initiiert und vorangetrieben wurde die Bewerbung dafür von Eltern- und Fördervereinsmitglied Sabine Grasmück-Werner. „Als das Schachfieber hier vor zwei Jahren um sich griff, holten wir die VSG mit ins Boot“, erinnert sie sich. Doch auch unter den Eltern und Lehrern sei die Bereitschaft groß gewesen, die Begeisterung der Kinder zu fördern.

Eltern spielen mit

Beim ersten internen Schachturnier lief parallel auch ein Elternturnier. „Aber wir waren einfach zu langsam und eiferten den Kindern nur hinterher“, lacht Grasmück-Werner.

Das anvisierte Ziel ist ambitioniert: „Wir wollen den Schachsport in ganz Offenbach vorantreiben. Verschiedene Studien haben nachgewiesen, dass sich Schachspielen ähnlich positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirkt wie das Spielen eines Musikinstruments. Selbst der größte Zappelphilipp sitzt plötzlich ruhig und konzentriert am Brett“, hat sie beobachtet. Die Schüler profitierten sprachlich und seien zudem auch in Mathe besser. Deshalb seien derartige Programme insbesondere in Offenbach sinnvoll, wo viele Schüler mit Migrationshintergrund lebten.

Im Anschluss an die Verleihung gibt es noch eine kleine Theorie-Einheit für die wissbegierigen Pennäler. „Im Regelfall gehört der Turm hinter die Bauern, der Angriff erfolgt also von hinten“, erklärt VSG-Schachlehrer Udo Lanz. „Stimmt“, nickt einer der Knirpse zustimmend. Ein bisschen voraus ist Lanz den Dreikäsehochs dann aber doch, und so zeigt er ihnen, wie solche Grundsätze mit einer guten Strategie ausgehebelt werden werden können. Da hilft nur eins: An die Bretter und ausprobieren...

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