Damit die Ampel Grün zeigt

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Erst Hände waschen – dann dürfen die Mädchen Derya und Besjana unter Anleitung von Claudia Rieth die Bananen klein schnippeln.

Offenbach - „Was muss man erst machen beim Kochen?“, fragt Claudia Rieth die Kinder. Die Ernährungswissenschaftlerin arbeitet für die Verbraucherzentrale Hessen. Der offene Familientreff hat Ernährungsberatung für Familien als Thema. „Hände waschen!“, ist die Antwort. Von David Heisig

Mit sauberen Händen fangen sie an, Obst klein zu schneiden.

Bananenmilch steht neben Obstspießen auf dem Plan. „Viele Kinder sind hungrig. Wenn wir zu Ausflügen gehen, haben sie nichts dabei“, erzählt Regine Deiß, Sozialpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit. „Es ist wichtig, über die Eltern bestimmte Informationen weiterzugeben, damit sie die Kinder hochwertiger ernähren.“

Das unter der Woche angebotene Mittagessen ist nur ein Baustein – Beratung eine andere Aufgabe. „Die Eltern stehen wirklich so vor dem Regal: Was sollen wir denn nehmen?“, berichtet Rieth. Die Werbung suggeriere viel, viele Eltern seien damit überfordert. Was steckt wirklich drin? Wie lassen sich Produkte beurteilen? Dies zu erklären ist ihr Anliegen.

Die Ernährungsberaterin hat Verpackungen und Produkte aufgebaut. Erstaunt wird festgestellt, dass der Zuckeranteil im Joghurtgetränk für Kinder ähnlich hoch ist wie in einer bekannten braunen Brause. Eine kleine Besucherin deutet auf einen blauen Energy-Saft. „Das ist gesund“, meint sie.

„Meinem Sohn muss ich den hinteren Teil vom Tisch beibringen“, erzählt eine Mitarbeiterin des Familientreffs lachend. Dort hat Rieth gesunde Säfte, Milch und Obst aufgebaut. Dinge, die die so genannte Ernährungsampel empfiehlt. Grün für hohen Nährwert, wenig Zucker. Gelb für Produkte, die dem weniger entsprechen. Rot für als ungesund eingestufte.

Dazu gehören fette Sachen. Eltern sollten aber mit den Kindern die Regeln festlegen. „Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger“, mahnt die Beraterin. Gerade auf den roten Teil der Ampel sei die Werbung fokussiert. Mit Verboten komme man den Verlockungen nicht bei. Vereinzelter Genuss von Pommes, Burgern und Eis sei völlig in Ordnung. „Und was ist ein Geburtstag ohne Kuchen?“, fragt Rieth schmunzelnd.

Die jungen Köche fangen an, Bananen klein zu schneiden. Bei dem einen geht das langsamer als bei der älteren Schwester. Die lästert: „Baby, Baby.“ Der kleine Küchenkollege lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Scheibe um Scheibe wandert die Banane in den Mixbecher.

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Rieth ist wichtig, dass Kinder die Zutaten erleben. „Wie riecht die Zitrone?“ „Sauer!“ Gesichter werden verzogen. Ein Schuss davon muss aber in die Bananenmilch. Dann wird der Mixer angeworfen. „Die Bananen werden kleiner“, ruft einer erstaunt. Abschmecken, Eiswürfel ins Glas, portionieren – fertig ist die Bananenmilch.

Ein wenig traurig ist Deiß über die Resonanz. „Die letzten Wochen hatten wir die Bude voll“, erzählt sie. Diesmal sind nicht viele gekommen. Schönes Wetter, kranke Kinder und Flohmarkt am Ringcenter machen einen Strich durch die Rechnung. Aber nach und nach trudeln einige ein. Kinder schlürfen Bananensaft, vertilgen Obstspieße, Eltern warten auf das Mittagessen. Wie jeden Sonntag gibt es etwas Leckeres, diesmal Linsensuppe.

Gegessen wird mit der Erkenntnis, dass man auf seine Ernährung achten muss. Und dass die hausgemachte Suppe weit besser schmeckt als die aus der Tüte.

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