Daniel Brettschneider

Der Kinomacher

+
Ein Foto mit Seltenheitswert: Leere Sitzreihen sind die Ausnahme, wenn Daniel Brettschneider in Offenbach Kino anbietet.

Offenbach - Im Hafen fing es an: Daniel Brettschneider serviert den Offenbachern cineastische Leckerbissen. Die Ideen zur Bereicherung des Kulturlebens in der Stadt sind ihm noch lange nicht ausgegangen. Von Matthias Dahmer 

Daniel Brettschneider hat einen Lauf. Und manchmal, sagt er, ist es ihm geradezu unheimlich, wie sich die Dinge entwickelt haben: Erst „Hafenkino“, jetzt „Lederpalast“ mit der Reihe „Kino kulinarisch“ und das „Ladenkino“ – Brettschneider bringt den Offenbachern Kino abseits von Multiplex näher.

Bislang sind die Projekte des 34-Jährigen immer ein Volltreffer. Waren die von ihm ausgesuchten und zusammengestellten Freiluft-Streifen im alten Hafen 2 noch eine Art Geheimtipp, so erreicht der „Lederpalast“, das von Stadt und Ledermuseum unterstützte Kino im Hugo-Eberhardt-Saal, ein breites Publikum. Insbesondere die regelmäßig ausverkaufte Reihe „Kino Kulinarisch“, bei der es zum Film vorab die passenden Speisen gibt, erweist sich als Renner. Weil das Ganze so erfolgreich ist, konnte das kulinarische Lichtspiel jüngst in Form einer Gala mühelos die neue große EVO-Halle füllen. Insgesamt sind sechs Veranstaltungen dieser Art – zwei pro Jahr – geplant. „Frankfurt beneidet uns mittlerweile darum ebenso wie um die Reihe ,Stummfilm und Ton’, die ebenfalls im Ledepalast gezeigt wird“, sagt Brettschneider. Abwerbe-Versuchen des großen Nachbarn hat der gebürtige und bekennende Offenbacher bislang standgehalten.

„Ich finde meine Stadt toll“

Und es sieht auch nicht danach aus, als ob der umtriebige Kinomacher schwach würde. „Ich bin halt Offenbacher und finde meine Stadt toll“, sagt Brettschneider fast ein bisschen verlegen und nippt an seinem Cappuccino. Er sitzt am großen Tisch im Fahrrad- und Taschenladen Artefakt im Starkenburging, wo einst eine Schlecker-Filiale war, und macht eine ausladende Handbewegung: „Faszinierend zu sehen, wie hier in wenigen Stunden die Räder nach hinten geschoben und 100 Stühle gestellt sind.“

„Ladenkino“ heißt Brettschneiders jüngstes cineastisches Baby. Zusammen mit den Artefakt-Besitzern Anja Bamberger und Jürgen Blümmel hat er sich das Projekt ausgedacht. Im Januar dieses Jahres ist es gestartet, die ersten drei Filme, jeweils mit Bezug zum Thema Fahrrad, waren ausverkauft. Die Mission, das Viertel kulturell zu beleben, darf also bisher als geglückt bezeichnet werden. Dabei wollte Brettschneider eigentlich im Artefakt nur ein Fahrrad kaufen...

Sein Faible für Filme hat Daniel Brettschneider nur wenige hundert Meter vom „Ladenkino“ entfernt entdeckt: Auf der Albert-Schweitzer-Schule konnte ihn ein Kunstlehrer fürs Metier begeistern. Da war es nur folgerichtig, dass (Film)-Kunst Abifach war und ein Studium der Film- und Erziehungswissenschaft folgte. Doch habe er damals nie daran gedacht, in Sachen Film beruflich einzusteigen, sagt der diplomierte Pädagoge.

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Film-Zitate

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Filmzitate

Mittlerweile kann Brettschneider Skeptikern, die bezweifeln, dass es ein Publikum für anspruchsvolles Kino in Offenbach gibt, aus der Erfahrung entgegenhalten: „Hier gibt es das Publikum.“ Und weil das offenbar so ist, wird sich nicht auf den Erfolgen ausgeruht: Unter dem Titel „Freiluft-Kino Offenbach“ zeigt der Verein „Kino im DLM“, dessen Vorsitzender Brettschneider ist, am Wochenende 21. bis 23. August Filme im Hof des Büsingpalais.

Man mag es kaum glauben, aber eine Idee, die der Kulturschaffende schon Ende April umsetzen will, hat nichts mit Filmen, nichts mit Kino zu tun. Obwohl – beim Titel geht’s dann doch nicht ohne: Auf „Hotel Chevalier“, einen gleichnamigen Kurzfilm aus 2007, hat Brettschneider getauft, was er sein „Trink-Projekt“ nennt. Grundgedanke: Angestammte Kneipen werden für einen Abend in eine Bar inklusive Cocktails und entsprechender Musik verwandelt. Auch dabei geht es Brettschneider um kulturelle Bereicherung, darum, dass ein Publikum angelockt wird, das sonst eher weniger dort zu finden ist.

Das Konzept „Hotel Chevalier“, unterstützt von Stadt und EVO, soll wandern, mit dem „Chamäleon“ in der Mittelseestraße geht es am Freitag, 24. April, los.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare