Gut zu Fuß dank bester Behandlung

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Gut betreut beim Blutzuckermessen: Betroffene und Angehörige informierten sich beim dritten Diabetikertag über Forschungsfortschritte und Behandlungsmethoden.

Offenbach ‐ „… so lange die Füße noch tragen!“ – unter diesem Motto kamen am Samstag Betroffene, Ärzte und Vertreter der Industrie zum 3. Diabetiker-Tag im Rathaus zusammen. Vorträge, Informationen und Beratung bildeten die Schwerpunkte. Von David Heisig

Wo sonst Bürger um behördliches Gehör bitten, Verwaltungsakte erlassen werden und Politiker um ihre Forderungen streiten, fanden sich Menschen mit einem weit verbreiteten medizinischen Problemen zusammen. Der Bezirksverband Offenbach des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) hatte zum 3. Diabetiker-Tag geladen. Im Mittelpunkt standen Information und Begegnung. Das Motto hat für den Bezirksvorsitzenden des DDB, Heinz Ball eine besondere Bedeutung: „Kümmern Sie sich einfach um ihre Füße. Wir kümmern uns meistens mehr um unsere Reifen am Auto.“ Und gerade Erkrankungen des Bewegungsapparates, allem voran der Füße sind unerwünschte Nebenerscheinungen des Diabetes, verursacht durch Gefäßprobleme und Nervenleiden. Ein roter Faden, der sich durch viele Vorträge zog. Auch durch die Abhandlung des Offenbacher Diabetologen Dr. Gerd Nitzsche, der mit „Diabetis nervt“ den Dialog des Tages eröffnete.

Nitzsche sprach darin über die Polyneuropathie, eine Erkrankung des Nervensystems, die mit dem Diabetes einhergeht. 30 Prozent der Diabetiker leiden daran. „Hier finden wir viele Menschen mit Nervenschäden und Diabetes, die zusätzlich wegen dieser Grunderkrankungen dann auch noch in eine depressive Stimmung geraten“, erklärte Nitzsche. Wichtig ist, dass neben der optimalen Therapie auch die Lebensqualität der Patienten gesteigert wird. Prof. Dr. Hermann von Lilienfeld-Toal, Landesvorsitzender des DDB in Hessen formulierte in seinen Grußworten daher auch seine größte Sorge. Nämlich dass optimale Therapien, beispielsweise durch neue, wirksamere Insulinpräparate aus Kostengründen in der Gesundheitspolitik des Bundesgesundheitsministeriums nicht anerkannt werden. Vor allem im Bereich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen soll hier der Rotstift angesetzt werden. Der DDB sieht sich hier als Sprachrohr für Betroffene. „Eine gute Versorgung mit den Insulinen für Erwachsene und für Kinder (…) soll wirksam sein. Denn ein gut eingestellter Diabetiker kriegt weniger Folgeerkrankungen“, erklärt Heinz Ball. Für die eigentliche Behandlung des Diabetes werde nur zehn Prozent der Kosten benötigt, derer es oftmals bedarf, wenn aufgrund falscher Einstellung des Diabetes Folgeerkrankungen zu behandeln sind.

Was sich in der Entwicklung der Therapien getan hat, konnten die Besucher an Ständen der Industrie bestaunen. Beim Team der Diabetes-Fußambulanz des Klinikums konnten Interessierte ihre Füße untersuchen lassen.

Informationen gibt es auf der Internetseite des Diabetiker Bunds.

Parallel gab es den Diabetiker-Tag für Kinder und Jugendliche. Rund 25.000 junge Menschen sind deutschlandweit an Diabetes Typ I erkrankt. Sie müssen täglich mehrmals Insulin spritzen, Blutzucker messen und den Alltag völlig umstellen. Toben auf dem Spielplatz muss gut überlegt sein. Im Mittelpunkt standen daher vor allem Informationen für Patienten und deren Familien. „Für die Eltern ist es wichtig, dass sie ein Forum haben, wo sie sich zusammenfinden können“, so Christina Breitenbach, Jugendleiterin für Offenbach bei DDB. Vorgestellt wurden auch hier neue Entwicklungen. Etwa eine Insulinpumpe, die die Verabreichung von Insulin vereinfachen soll. Auch der 17-jährige Florian Bunk war im ersten Moment geschockt, als er von der Diagnose Diabetes erfuhr. Er hat aber gelernt, damit umzugehen. „Erstmal haben meine Klassenkameraden mich blöd gefragt, was Diabetes ist.“ Erklären, dass Insulingabe lebensnotwendig ist, ein Leben lang. Denn die Krankheit ist nicht heilbar. Irgendwann ein Heilmittel zu finden, bleibt daher eine Hoffnung, die alle Patienten teilen.

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