Dank Eierhändler ein Bistro

Offenbach - Nach insgesamt sechs Jahren Ideenfindung, kontroversen Diskussionen, einer intensiver Bürgerbeteiligung, einer Planung und deren Umsetzung ist der neue Ostendplatz jetzt offiziell eröffnet. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Rund 60 Bieberer trotzen am Montagmorgen Nieselregen und kühlen Temperaturen, um bei der Einweihung dabei zu sein. Ein Getränkewagen, überdachte Bierzeltgarnituren und zünftige Musik sorgen für den gewünschten festlichen Rahmen. Die nordöstlichen Ecke an der Seligenstädter- und Obermühlstraße trennt zwar noch ein Bauzaun vom Areal. Der große Schotterrasenbereich mit tiefem Unterbau - extra strapazierfähig für den Festbetrieb - darf aber ab sofort betreten werden. Damit steht der Platz rechtzeitig zum Fest der Bieberer Vereine im Juli und der Kerb im August zur freien Verfügung.

„Es war ein hartes Stück Arbeit, fast 600 000 Euro in Bieber zu investieren“, resümiert Oberbürgermeister Schneider, „aber mit dem großem Spielplatz und dem Erhalt des alten Baumbestands ist es ein Riesenqualitätssprung geworden.“

Es sei immer schon eine städtebauliche Idee gewesen, den Platz zur Straße hin zu öffnen, das Verschwinden der Büsche verspreche außerdem soziale Kontrolle.

Interessant ist der Bericht des nicht immer ganz einfachen Werdegangs bis zum heutigen Ergebnis: Hans Winter , Vorsitzender des Heimatvereins, erzählt von der damaligen Empörung, als entlang der Wikinger Straße auf dem EVO-eigenen Gelände Wohnungen entstehen sollten. Gegen die Bebauung und für die Erhaltung des Platzes traf sich im Oktober 2007 eine Sondierungsgruppe aus Mitgliedern von Gewerbe- und Heimatverein zu ihrer ersten Sitzung. Es sollte zwei Jahre dauern, bis die Bieberer nach langem hin und her zwischen Stadt und Interessengemeinschaft Licht am Ende des Tunnels sahen: In einem ersten Gespräch mit OB Schneider zeichnete sich Kompromissbereitschaft ab. Die vorgestellten Pläne im April 2010 ernteten Zustimmung, am 1. Juli beschloss das Stadtparlament den Umbau nach dem Entwurf einer Biebertaler Planungsgruppe.

Das I-Tüpfelchen setzte Heinz-Josef Lorz von der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine oben drauf. Das Zugpferd des „Ostendprojekts“ stöberte bei der Beschaffung von Eierkartons für die eigenen Hühnerprodukte einen Investor für das neue Bistro auf, welches an der Stelle des alten Kiosks auf der noch eingezäunten Fläche entstehen soll: Eiergroßhändler Willi Burkart und Sohn Thomas, die über langjährige Erfahrung im Vermieten von Immobilien verfügen, ließen sich überzeugen.

Der Bieberer Architekt Karl-Horst Sattler hat die Zeichnungen für den kreisrunden Bau schon in der Schublade. Ein begehbarer Kiosk mit Lottoannahmestelle zur Straße hin, Öffentliche Toiletten – eine Auflage der Stadt – und ein Bistro, das zum Platz hin geöffnet ist, so stellen sich die Bieberer ihren neuen Treffpunkt vor. Sobald im August das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist und sämtliche Zahlen feststehen, will Thomas Burkart mit dem Bau beginnen und nach einem Pächter Ausschau halten.

Im Februar diesen Jahres wurde mit dem Umbau der 4 400 Quadratmeter-Fläche begonnen. 3 300 Quadratmeter Wegeflächen, 480 Quadratmeter Spielplatz und 620 Quadratmeter Pflanzbeete wurden neu angelegt. Zusätzlich zu den erhaltenen Platanen wurde zwölf neue Bäume gepflanzt, Bänke und Spielgeräte aufgestellt. Das Spielmodell eines Atomiums auf Hackschnitzel-Fallschutz, Schaukel, Holzgeräte und Sandkiste wurden sofort und ohne Hemmungen von den vier- und fünfjährigen des Kindergartens Zwergenland in Beschlag genommen.

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