Der Traum vom Ausland: Ich bin dann mal weg!

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Die Offenbacher Schülerin Laura Leitschuh zog es für vier Monate nach Torquay, einem kleinen Küstenstädtchen im Südwesten Englands.

Den Weg zur Schule oder zur Uni kennt man im Schlaf, Freunde seit dem Kindergarten und das Leben vor der Haustür zur Genüge. Von Katharina Platt

Kaum lassen junge Menschen die Pubertät hinter sich, entwickeln sie den Wunsch nach mehr: Der eigene Horizont soll erweitert, spannende Erfahrungen gemacht und das Gefühl Heimweh in neue Dimensionen getrieben werden. Angebote, wie, wohin und warum man die Heimat verlässt, gibt es genug. Unzählige Agenturen locken mit der Übernahme komplizierter Reiseorganisationen. Ob als Austauschschüler, Gaststudent oder Au-Pair, die Möglichkeiten, für einige Zeit Ausländer zu sein sind vielfältig.

Mehr als nur Englisch lernen

Die Offenbacher Schülerin Laura Leitschuh zog es für vier Monate nach Torquay, einem kleinen Küstenstädtchen im Südwesten Englands. „Ich habe bei einer Gastfamilie gelebt und bin dort zur Schule gegangen“, erzählt sie. Bessere Noten in Englisch sind nur ein Souvenier, das sie sich mitgebracht hat. Auf die vielen neuen Kontakte und Freundschaften möchte sie nicht mehr verzichten. Etwa 9000 Euro zahlten ihre Eltern für das Komplettpaket.

In Brasilien das Studium beendet

Julia Plehnert aus Darmstadt packte gleich nach dem Abitur ihren Rucksack und flog für sechs Monate nach Australien.„Work & Travel“ heißt das Programm, das viele junge Menschen in ferne Länder lockt. Während ihres Mathematikstudiums wollte sie ein zweites Mal ins Ausland. „Ich dachte, dass ich mir meinen Traum, durch Südamerika zu reisen, am ehesten während des Studiums erfüllen kann“, erzählt sie. Zehn Monate verbrachte sie in Campinas (Brasilien) und brachte dort ihr Bachelorstudium zu Ende. „Den Flug habe ich mit meinem Ersparten finanziert. Die Lebenshaltungskosten waren dort so günstig, dass ich von der normalen Unterstützung meiner Eltern gut leben konnte.“ 500 Euro bekam sie monatlich.

Ähnlich weit weg zog es Johanna Mauermann. Die Studentin der Film- und Medienwissenschaft und der Japanologie verbrachte den Sommer 2006 in Tokio, um während eines Praktikums ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Davor reiste sie zwei Wochen mit einem Japan Rail Pass durchs Land. Johanna musste ein wenig tiefer in die Tasche greifen, um zwei Monate in Tokio leben zu können. Für fünf Quadratmeter bezahlte sie monatlich 500 Euro. Noch etwa 400 Euro kamen für den Lebensunterhalt hinzu. Alles was Johanna nur aus Büchern kannte, konnte sie innerhalb der zwei Monate hautnah erleben. Sie rät, sich rechtzeitig um ein Stipendium zu bemühen.

Mit Stipendium studiert es sich leichter

Clemens Heikaus hatte das Glück, ein Stipendium zu ergattern. Dank der Finanzspritze konnte er Deutschland für ganze viereinhalb Jahre hinter sich lassen und in den USA leben.

Clemens Heikaus hatte das Glück, ein Stipendium zu ergattern. Dank der Finanzspritze konnte er Deutschland für ganze viereinhalb Jahre hinter sich lassen und in den USA leben. An der University of Washington in Seattle beendete er sein Studium mit einem Doktortitel. Vor allem die guten Forschungsmöglichkeiten lockten den Biochemiker in die nordamerikanische Stadt. „Ich habe mich persönlich und wissenschaftlich weiterentwickeln können“, erzählt er. In diesem Jahr ist er nach Deutschland zurückgekehrt – zusammen mit seiner amerikanischen Freundin Erika. Das Konzept: Als Single und Student hin, verliebt und mit Doktortitel zurück, geht nicht bei jedem Fernwehgeplagten auf.

Mit jeder Menge Freundschaften im Gepäck ging es heim

Das Glück, ein Stipendium zu erhalten, hatte Offenbach-Post-Mitarbeiterin Verena Bongartz nicht. „Ich hatte mich für ein DAAD-Stipendium beworben, ging aber leer aus“, berichtet die Studentin. Doch ihr Freiheitsdrang war größer. Für sieben Monate kehrte sie Deutschland den Rücken und ging nach Australien. „An der University of Sydney habe ich ein Auslandssemester absolviert. Danach bin ich zwei Monate durchs Land gereist.“ Weil es mit einem Job nicht klappte, lebte sie von ihren Ersparnissen und einem Zuschuss ihrer Eltern. Die Zeit in Downunder war „sehr teuer“, erinnert sich Verena. Etwa 1300 Euro kostete der Flug, 6000 Euro die Studiengebühren für ein Semester. Hinzu kamen die Kosten für das Visa, die Arbeitserlaubnis und die hohen Lebenshaltungskosten. Verena hatte jede Menge Freundschaften im Gepäck, als sie nach sieben Monaten in Frankfurt landete. Vor allem mit anderen Ausländern hat sie Kontakte geknüpft. „Ich habe festgestellt, dass Menschen, die bereit sind ihre Heimat zu verlassen, fast immer gut zusammen passen.“

In New York mit Obdachlosen arbeiten

Mit dem Abschied nehmen hat auch Rebecca Männche ihre Erfahrungen gemacht. Vor ihrem Jura-Abschluss ging sie für drei Monate nach New York, um für die Obdachlosenorganisation Citychrest tätig zu sein. Auch sie konnte ihren Aufenthalt nur durch die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern finanzieren. Ihre Eindrücke möchte die 27-Jährige nicht mehr missen. „New York ist eine großartige Stadt.“ Auch Philip Tachas zog es in das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Für zehn Monate tauschte er seine Studentenbude in Nürnberg gegen einen Platz am Bebson College in Brighton. Seine Eintrittskarte ins Studentenleben Nordamerika hieß Bafög, Auslandsbafög und großzügige Eltern. Etwa 20.000 Euro kostete ihn der Wechsel des Blickwinkels. Glücklicherweise blieben ihm die teuren Studiengebühren erspart (etwa 33000 $). Noch heute kommt er beim Gedanken an seine Zeit in den USA ins Schwärmen: „Mein Auslandsaufenthalt war eine der besten Erfahrungen in meinem Leben.“ Wer keine wohlhabenden Eltern hat und dennoch von einer Zeit im Ausland träumt, kann Auslandsbafög beantragen (auslandsbafög.de) oder sich für ein Stipendium bewerben. Voraussetzungen sind herausragende Studienleistungen oder soziales Engagement. Infos unter: wege-ins-ausland.de.

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