„Das bekommen wir hin!“

Offenbach - Wer hart arbeitet, darf auch feiern, heißt es so schön. Und weil Andrea Weiß seit Wochen genug mit Statistiken, Planung und vor allem Buchführung zu tun hat, durfte sie am Sonntagabend auch ordentlich mitfeiern im Hafen 2. Von Fabian El Cheikh

Einen besonderen Grund für die Sause im Kulturzentrum gab es freilich auch: den offiziellen Abschluss der Privatspendenkampagne „Bürger an Bord“. Da nach der Arbeit bekanntlich vor der Arbeit ist, war Andrea Weiß gestern schon wieder schwer damit beschäftigt, sich einen Überblick über das Spendenaufkommen zu machen. Und über die vorläufige Zwischenbilanz kann sich die Vorsitzende des Hafen 2-Betreibers suesswasser e. V. so richtig freuen: „Uns fehlen nur noch 51 322,62 Euro.“ Zu dem großen Glück, das sich in dem anvisierten Neubau manifestieren soll, der aller Voraussicht nach bald starten kann.

Dass der Verein die restlichen Euros für den geplanten Umzug in die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Diskotheken MTW und Robert Johnson am Kaiserlei auch noch auftreiben wird, daran zweifelt inzwischen kaum noch jemand. Schließlich ist die noch ausstehende Summe im Vergleich zu den anfänglichen 330 000 Euro, die der Hafen 2 aus eigener Tasche, besser gesagt, aus den Taschen großzügiger Spender, für sein neues Domizil zusammenwürfeln muss, vergleichsweise ein Klacks. „Wir sind zuversichtlich, das restliche Geld auch noch in Form von Spenden zu erhalten“, gibt sich Andrea Weiß hoffnungsvoll und bittet die Bürger weiter um finanzielles Engagement.

Von einer sonst nötigen Kreditaufnahme wollen die Hafen 2-Betreiber bislang nicht sprechen, gleichwohl dies als letztes Mittel auch in Frage käme, „jetzt, da die Summe so gering geworden ist“. Doch noch immer handelt es sich um jede Menge Geld, weshalb der Projektentwickler mit dem Baubeginn lieber noch ein Weilchen abwartet: „Zwei bis vier Wochen Luft haben wir noch, bis wir eine Entscheidung treffen müssen“, teilte Daniela Matha von der Hafenviertel GmbH gestern mit. Noch werde die Baugenehmigung bearbeitet, laufe die Submission, also das Verfahren zur Vergabe des Bauvorhabens. „Der Zeitplan steht, zum 31. März muss der Hafen 2 ausziehen.“

Überwältigt vom Engagement der Bürger

Nur ein paar Monate sind vergangen, seit der Beschluss im Juni fiel, dass der Hafen 2 aus dem jetzigen alten Lokschuppen weichen muss, sich gleichzeitig aber dank einer bislang beispiellosen städtischen Unterstützung ein neues Heim schaffen kann. 830.000 Euro kostet der Neubau auf dem Gelände Nordring 129.

Die Mainviertel GmbH – eine hundertprozentige Tochter der SOH und damit eine hundertprozentige Enkelin der Stadt – finanziert eine halbe Million Euro, die der Verein suesswasser 20 Jahre lang über die Miete zurückbezahlt. Die Eigenbeteiligung des Vereins in Höhe von 330.000 Euro ermöglicht eine Miete, die ansonsten erheblich höher liegen müsste.

„Ursprünglich hatten wir erwartet, einen Großsponsor zu finden“, erinnert sich Andrea Weiß. Dass es jetzt mehr als 600 Bürger seien, die sich beteiligten, sei überwältigend: „Dadurch sind wir nicht abhängig von einem Sponsor und können uns zusätzlich freuen, dass unsere Besucher nicht nur konsumieren, sondern auch in uns investieren und uns mitgestalten.“ Das zeige, dass „wir etwas Tolles schaffen können in den nächsten Jahren“.

Andrea Weiß hofft, dass bald alles überstanden ist: „Es wird Zeit, dass wir uns wieder aufs Wesentliche, auf die Kultur konzentrieren können.“ Wie recht sie hat, denn für seine qualitativen Angebote bekommt der Verein die gegenwärtige Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Bürgertum. Nicht für Buchführung und Statistiken.

Rubriklistenbild: © Jörg Siebauer/pixelio.de

Kommentare