Wilhelmsplatz

Das Ende des Flanierens: So wirkt sich der Lockdown auf den Wochenmarkt aus

Mit vorbildlichem Abstand: Das Geschehen auf dem Wochenmarkt in Offenbach ist in Coronazeiten äußerst diszipliniert.
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Mit vorbildlichem Abstand: Das Geschehen auf dem Wochenmarkt in Offenbach ist in Coronazeiten äußerst diszipliniert.

Der Wochenmarkt in Offenbach findet trotz Corona-Lockdown statt. Aber auch hier hat Corona etwas geändert. So ist die Stimmung auf dem Wilhelmsplatz.

Offenbach – Es ist 9.30 Uhr, ein nasskalter Januarfreitag auf dem Wilhelmsplatz. Es herrscht guter Betrieb auf dem Wochenmarkt – und doch ist es nicht das übliche Markttreiben. Das Bummeln, das angenehme Flanieren, um sich von der Ware inspirieren zu lassen und hier und da ein Schwätzchen zu halten, ist einer gewissen Disziplin und Nüchternheit gewichen. Schilder weisen auf die Maskenpflicht und weitere Hygieneregeln hin, Pfeile und Markierungen zeigen, wo und wie man sich anzustellen hat. Wo doch gelegentlich mal eine Warteschlange entsteht, dann mit ordentlichem Abstand. Es fallen auch nette Worte, wird nach dem Befinden gefragt und Grüße ausgesprochen – doch irgendwie ist alles ein bisschen knapper als sonst.

Wochenmarkt in Offenbach: Weniger Besucher durch den Corona-Lockdown und damit weniger Einnahmen

Knapper sind auch die Einnahmen, mit denen die Marktbeschicker seit dem zweiten Lockdown auskommen müssen. „Es ist auf jeden Fall weniger los, besonders samstags“, sagt Holger Wotke, Inhaber von „Holgers Grillhähnchen“ und Beisitzer im Verein der Offenbacher Marktbeschicker. Dadurch, dass auf dem Markt nicht mehr gegessen und verweilt werden darf, falle viel von dem Flair weg, das ihn ausmache – und Kunden anziehe. „Viele verbinden den Einkauf auf dem Markt mit dem Besuch der Geschäfte in der Innenstadt oder der Gastronomie.“ Er betont dabei, noch gut dran zu sein im Vergleich zu vielen, die seit Monaten auf Einnahmen verzichten müssen. „Für die Innenstädte sehe ich schwarz. Selbst die Zeil stirbt gerade.“

Die größeren Wochenmärkte wie Offenbach und Hanau hätten an Kunden verloren, während die kleineren wie in Mühlheim oder Dietzenbach dazugewonnen hätten. „Die Leute suchen jetzt eher die kleinen Märkte auf, wollen Massen vermeiden“, beobachtet Wotke.

Vor allem Stammkunden besuchen den Markt in Offenbach während des Corona-Lockdowns noch

Dabei kann von Massen auf dem Wilhelmplatz nicht die Rede sein. „Wo kann man besser und sicherer einkaufen als hier auf dem großen Platz, wo man sich leicht aus dem Weg gehen kann und an der frischen Luft ist?“, findet Obst- und Gemüsehändler Bernd Benner. Die Kunden seien, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr diszipliniert bei der Einhaltung der Regeln. Gleichwohl verzeichnet er ebenfalls weniger Umsatz. „Es kommen fast nur Stammkunden, die Laufkundschaft hat nachgelassen.“ Doch auch er unterstreicht: „Das ist Jammern auf hohem Niveau. Uns geht es noch gut, wir dürfen unserer Arbeit ohne Unterbrechung nachgehen.“

Seit 46 Jahren verkauft Antonio Palumbo Blumen auf dem Wilhelmsplatz. „Das ist in all den Jahren, die schwerste Zeit, die wir gerade durchmachen.“ So fehlten auch die Einnahmen durch die umliegenden Gastronomen, die sonst ihre Tische gern mit frischen Blumen verschönern. „Wir profitieren alle voneinander, Gastronomen, Händler, Marktbeschicker, es ist ein Geben und Nehmen.“ Zum Glück seien Blumen aber auch im Lockdown begehrt: „Die Menschen wünschen sich etwas Buntes, das die Stimmung aufhellt.“ Gerade seien Tulpen, die Hoffnung aufs Frühjahr und auf eine Besserung der Lage machen, gut nachgefragt.

Wochenmarkt Kundin aus Offenbach: Flanieren und gemütliches Kaffeetrinken fällt durch Corona weg

Treue Wochenmarkt-Kundin seit vielen Jahren ist Barbara Groll. „Ich komme dreimal die Woche hierher, daran hat der Lockdown nichts geändert“, sagt die Offenbacherin. Es sei eine willkommene Abwechslung im Alltag, wobei das Gefühl anders sei als zuvor. „Man kommt, kauft ein, geht wieder. Kein Flanieren, kein gemütliches Kaffeetrinken.“ Sie sieht es wie die Marktbeschicker: „Wir müssen durchhalten!“ (Von Veronika Schade)

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