Castingsendung in Offenbach

„Das Supertalent“: Der Traum vom Ruhm

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Wenn man das Lampenfieber fast mit Händen greifen kann: Das offene Casting für die Show „Das Supertalent“ lockte mit der Hoffnung auf Erfolg ins Offenbacher Cinemaxx.

Offenbach - Die RTL-Castingsendung „Das Supertalent“ musste sich in der Vergangenheit auch vorwerfen lassen, statt den eigentlichen Einlagen eher die Schicksalsgeschichten seiner Teilnehmer zu zeigen. Emotionale Zusammenschnitte, beißende Interviews, seichte Unterhaltung. Von Eva-Maria Lill

Momente, wie sie das Leben oder ein kritischer Blick hinter die Mattscheibe schreibt. Dennoch ist das Interesse an dem abwechslungsreichen Format noch immer groß, das Finale der vergangenen siebten Staffel sahen immerhin 2,12 Millionen Zuschauer. Damals mit dabei: Viviana Grisafi, Schülerin aus Offenbach. Zwar hat es am Ende nicht ganz für den Sieg gereicht, der regionale Talentmarkt ist damit aber längst nicht erschöpft. Als letzte von 24 Stationen war am vergangenen Sonntag das Cinemaxx-Kino Ziel des offenen Castings. Die bekannte Jury aus Pop-Titan Dieter Bohlen, Modell Lena Gercke, Kultstar Bruce Darnell und Designer Guido Maria Kretschmer ist zwar nicht mitgereist, trotzdem gibt es viel Aufregendes für die Talente. Immerhin winken ein Preisgeld von 100.000 Euro und ein Auftritt im Glitzerparadies Las Vegas.

Trommler, Sänger und Artisten

Die Bandbreite der Aufführungen ist groß: Die Mehrzahl möchte mit der Stimme beeindrucken, doch auch Instrumente, Haustiere und Akrobatik sind vertreten. In zwei Kinosälen des Cinemaxx werden die Talente von Redakteuren und Produzenten bewertet, die Nervosität steht dabei vielen Teilnehmern ins Gesicht geschrieben. Nicht so Stella Betas. Die Achtjährige aus Lämmerspiel ist die Ruhe selbst. Ihre Mutter schüttelt verwundert den Kopf: „Stella hat sich heute beim Frühstück spontan entschlossen, herzukommen.“ Stella musiziert, seit sie vier ist. „Ich singe über Liebe, weil man damit die Jury beeindrucken kann“, sagt sie selbstbewusst. Auch nach ihrem Auftritt ist Stella mit sich zufrieden: „Die waren alle ganz nett und haben mich gelobt.“ Ob sie weiter ist, erfährt sie allerdings erst in ein paar Wochen.

Genauso wie Radomir Cukic, der Lieder von Adel Tawil vortragen will. Der Offenbacher ist furchtbar aufgeregt, es ist sein erstes Casting: „Falls ich das Geld gewinne, gebe ich meiner Familie einen Teil und kaufe uns eine Villa in Serbien, damit es uns besser geht“, berichtet er. Ein Talent mit einer außergewöhnlichen Geschichte ist Abdoulaye M’Bengue, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Pablo. Der 57-Jährige aus dem Senegal ist leidenschaftlicher Trommler: „Die Musik hält mich jung“, lacht er. Pablo engagiert sich für Kinder und ältere Menschen, arbeitet eng mit der Caritas zusammen und organisiert Trommel-Events in Schulen und Kindergärten. Er lebt seit 1988 in Deutschland, seit kurzem im Rodgau.

Das Besondere an seiner Kunst: Er baut afrikanische Djembe-Trommeln selbst. „Ich brauche für ein Instrument etwa eine Woche. In Deutschland ist das Arbeiten schwieriger, weil die Ziegenhaut viel länger zum Trocknen braucht als in Afrika.“ Dieses Handwerk war es auch, das ihn in die Bundesrepublik brachte: „Ich habe in einer Fabrik im Senegal gearbeitet. Eines Tages kam ein Vertreter einer Frankfurter Firma zu mir. Er hat gesagt: Keiner der 80 Millionen Deutsche kann diese Trommeln so bauen wie du. Daraufhin hat er mich mit nach Europa genommen.“ Was Pablo mit der Siegerprämie machen würde, weiß er schon ganz genau: „Ich würde in Afrika eine Musikschule bauen. Das Trommeln hat mir sehr geholfen, und ich möchte das gleiche für die Kinder tun.“ Ab Herbst wird die achte Staffel von „Das Supertalent“ ausgestrahlt. Erst dann können die Zuschauer wissen, ob auch einige Offenbacher Talente die Hürden auf dem Weg zum Ruhm genommen haben. Und ob ihre Geschichten in Zukunft Millionen begeistern werden.

Das Supertalent: Casting in Offenbach

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