„Das Vertrauen kehrt zurück“

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Franziska Mecke-Bilz, Geschäftsführerin des Klinikums Offenbach, will vermehrt auf niedergelassene Ärzte zugehen.

Offenbach - Im hochdefizitären Offenbacher Klinikum will die neue Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz das Ruder herumreißen. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey beschreibt sie , wie sie Kurs halten will.

Ist das Klinikum wirtschaftlich auf einem guten Weg?

Ja, das sehe ich so. Seitdem ich hier bin, habe ich intensiv an der Optimierung gearbeitet. Drei Tage nach meinem Arbeitsbeginn haben wir unter anderem den Einstellungs- und Investitionsstopp verkündet, das Logistikzentrum wurde auf Eis gelegt. 50 Stellen wurden in meinen ersten Wochen am Klinikum nicht wieder besetzt, das macht sich aber erst in diesem Jahr finanziell bemerkbar. Und dann haben wir am 1. Januar offiziell das Sanierungsjahr begonnen. Die Summe der eingeleiteten Maßnahmen wird jetzt spürbar. Es zeigt sich, dass wir das erste Quartal erfolgreich abgeschlossen haben. Und es geht weiter. Wir müssen in diesem Jahr die Kosten um 9,4 Millionen Euro minimieren - also das Defizit von 25,8 Millionen Euro auf 16,4 Millionen Euro verringern. Im ersten Quartal haben wir schon 2,4 Millionen Euro geschafft - wir sind im Sanierungsplan. Zugleich konnten Leistungssteigerungen erreicht werden.

In welchen Bereichen setzen Sie als nächstes den Hebel an?

Wir arbeiten an Veränderungen in der Notaufnahme. Die Abläufe in der Zentralsterilisation sind optimiert und laufen inzwischen reibungslos. Auch durch eine bessere Planung, durch Veränderungen im Aufnahme-, Belegungs- und Entlassungsmanagement können wir schon einiges erreichen. Vor allem macht sich bemerkbar, dass wir die Stelle fürs Projekt- und Sanierungscontrolling besetzt haben. Christian Blossey bringt viele gute Voraussetzungen für diese Tätigkeit mit - er ist Betriebswirt, Controller und er hat den Beruf des Krankenpflegers erlernt, war lange Jahre als OP-Pfleger in Hanau. Wenn er in den OP-Bereich kommt, dann wird seine Erfahrung spürbar. Durch seinen Praxisbezug wird sein Rat geschätzt.

Was ist für Sie die wichtigste Veränderung am Klinikum?

Es ist eine Summe von vielen. Das Gefühl, wirtschaftlich auf einem guten Weg zu sein. Vertrauen ins Konzept und auch in jene, die es umsetzen. Das nehme ich wahr, zunehmend wahr. Wichtig ist, dass wir Transparenz schaffen. Auch der Betriebsrat ist maximal eingebunden und kooperiert. Veränderungsbereitschaft und das Vertrauen der Mitarbeiter in unser Klinikum kehren zurück. Dabei wird die Motivation noch dadurch gestärkt, dass wir im kommunalen Sinne alle an einem Strang ziehen. Wir wollen den Verkauf nicht.

Sie merken also den Umschwung?

Ja, ja atmosphärisch, eine deutlich bessere Stimmung und Zutrauen. Das Motto heißt: Wir schaffen das! Dass uns die Menschen in Stadt und Kreis vertrauen, zeigt sich aktuell am Anstieg der Patientenzahlen. Vor allem über die Notfallaufnahme kommen mehr Patienten ins Klinikum. Auch bei den niedergelassen Ärzten in der Region hat sich herumgesprochen, dass das Klinikum unter einer neuen Leitung steht und die dorthin überwiesenen Patienten mit einer medizinisch optimalen Versorgung rechnen können. Wir werden uns verstärkt mit den niedergelassen Ärzten in mehreren Gesprächsrunden zusammensetzen. Der erste Termin einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit Klinikärzten, niedergelassenen Ärzten und weiteren wichtigen medizinischen Kooperationspartnern steht bereits fest.

Und Sie strecken auch zu Kliniken in der Nachbarschaft die Hand aus ...?

Auf jeden Fall! Wie Sie wissen, komme ich aus dem erfolgreichen kommunalen Verbund Vivantes. Resultierend aus dieser Erfahrung ist netzwerken für mich selbstverständlich. Ich habe ja schon vor dem Markterkundungsverfahren mit Verantwortlichen naheliegender Kliniken gesprochen. Viele Kliniken sind ja durch den drohenden Verkauf des Klinikums Offenbach wachgerüttelt worden. Man kann verstärkt kooperieren - zum Beispiel in der Apothekenversorgung, Essensversorgung und anderen Tertiärbereichen. Die Qualität der Patientenversorgung wird dadurch in keiner Weise negativ berührt. Auch verbindliche Kooperationen in der stationären Leistungserbringung liegen nahe.

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