Stadtteil Bieber

Brand in Offenbach zerstört Haus eines Ehepaares - Nachbarn starten Spendenaufruf

Peter O`Callaghan vor seinem abgebrannten Haus in Offenbach-Bieber.
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Wo zwölf Jahre lang sein gemütliches Zuhause war, klaffen nun schwarze Löcher: Peter O`Callaghan vor seinem abgebrannten Haus im Herzen Biebers.

Bei einem Brand in Bieber bei Offenbach wird ein Wohnhaus komplett zerstört. Doch damit auch Besitz, Erinnerungen und Perspektiven der Eigentümer.

Offenbach - Meldungen der Feuerwehr lesen sich nüchtern. Etwa so: „Wohnhausbrand im ersten Stock und Dachgeschoss. Das Gebäude ist unbewohnbar. Eine Schadenshöhe steht noch nicht fest. Keine Personenschäden.“ Doch für die betroffenen Menschen bricht mit dem Feuer oft ihre ganze Welt zusammen. So auch im Fall des Ehepaars O‘Callaghan aus Bieber: Am 16. Juni zerstörte ein Brand nicht nur ihr Zuhause. All ihr Besitz, ihre Zukunftspläne und Hoffnungen fielen dem Feuer zum Opfer.

Das kleine Klinkerhaus im Herzen des Stadtteils, an der Langener Straße 36 beziehungsweise Rathausgasse, gehört dem Ehepaar seit zwölf Jahren. „Es ist ein Hochzeitsgeschenk von meinem Schwiegervater“, berichtet Peter O‘Callaghan, gebürtiger Bieberer und OFC-Fan, der den Nachnamen seiner irischen Frau angenommen hat. Das Haus erhielt um 1900 seine heutige Form und beherbergte einst, so berichten alte Bieberer, eine Pferdespedition. Der Torbogen, der zum Hof führte, ist mittlerweile eingebaut, aber noch zu erkennen.

Das ehemalige Arbeitszimmer ist völlig zerstört.

Offenbach: Wohnhaus nach Feuer unbewohnbar - Ursache nicht festgestellt

Viel Holz und eine Dämmung mit Stroh: Wenn dort ein Feuer ausbricht, hat es leichtes Spiel. Wie genau es zu dem Brand gekommen ist, weiß niemand. „Kripo und Brandermittlung können es nicht mehr feststellen“, sagt O‘Callaghan. Im ersten Stock, wo es besonders wütete, war das Arbeitszimmer des IT-Experten mit drei Computern. „Einer davon ist wohl abgeraucht.“ Er schluckt. „Ich war früher Tontechniker, habe für viele Bands gearbeitet. Unterm Dach hatte ich eine Sammlung von Schallplatten. Bei 5000 habe ich aufgehört zu zählen.“ Der 65-Jährige hatte sich ein Tonstudio mit Mischpult eingerichtet, wollte die Platten digitalisieren. „Einige enthielten persönliche Widmungen. Das war mein ganzes Leben“, erzählt er mit Tränen in den Augen.

Er war gerade arbeiten, als um die Mittagszeit der Anruf kam. Sofort fuhr er nach Hause, wo die Löscharbeiten noch andauerten. „Ich war sprachlos. Bin es immer noch.“ Seine Frau, die an schwerer Osteoporose erkrankt ist, konnten die Nachbarn rechtzeitig rausholen. Ebenso ihre 15-jährige Husky-Hündin. „Sie hat seitdem drei Kilo abgenommen.“

Wohnhausbrand in Offenbach: Nachbarn helfen dem Ehepaar „wieder auf die Beine zu kommen“

Zunächst zogen sie ins Hotel, mussten dafür rund 600 Euro bezahlen. Mittlerweile sind sie in einer möblierten, nur zeitweise genutzten Wohnung untergekommen. „Die haben einige Bieberer Jungs für uns gefunden“, ist O‘Callaghan dankbar. Völlig zerstört ist der obere Teil seines Hauses, der Anblick ist erschütternd. Noch immer riecht es nach Rauch. Als sofortige Schutzmaßnahme sperrte die Stadt die Straße ab. Der Rest vom Dach musste abgedeckt und die Giebelwände abgestützt werden.

Nachbarn starten Spendenaktion

Um dem Ehepaar O´Callaghan nach dem schweren Schicksalsschlag wieder etwas „auf die Beine zu helfen“, haben Nachbarn einen Spendenaufruf gestartet, dazu Zettel in Bieber verteilt sowie online verbreitet. „Sachspenden wären toll, sind aber momentan logistisch nicht möglich, da es noch keine neue Bleibe gibt“, heißt es darin. „Daher dachten wir uns, es könnte jeder, der helfen möchte, der Familie eine Geldspende (und sei sie noch so klein) zukommen lassen. Wir haben mit der katholischen Kirche gegenüber gesprochen, diese stellt ihr Spendenkonto zur Verfügung. Leider können aber keine Spendenquittungen ausgestellt werden, dies wäre nur bei direkten Spenden an/für die Kirche möglich. In diesem Fall geht die Spende direkt an Familie O‘Callaghan. Wir bedanken uns im Voraus bei allen, die unseren Nachbarn helfen.“

» Spenden an: Katholische Kirche St. Nikolaus Verwendungszweck: Brand Familie O‘Callaghan Langener Straße IBAN: DE34505601020000071129 Raiffeisenbank Offenbach-Bieber

Wohnhausbrand in Offenbach: Brandopfer finanziell gebeutelt - „Nachts kann ich nicht schlafen“

„Da kam gleich ein Brief mit einer Strafandrohung bis zu 20. 000 Euro bei Nicht-Einhaltung der Fristen“, berichtet er. Er wisse, dass das Schreiben standardisiert sei und die Mitarbeiterin vom Bauamt sei am Telefon sehr nett gewesen, trotzdem ist so etwas ein weiterer Stich. Denn die finanzielle Situation der Brandopfer ist prekär: Sie haben keine Versicherung. „Nach der Pleite meines Unternehmens war ich hoch verschuldet. Das ist alles zurückgezahlt, aber ich stand wohl irgendwie auf der schwarzen Liste.“ Denn keine Versicherung habe ihn nehmen wollen, als er das Haus bekam. „Danach habe ich mich, ehrlich gesagt, nicht weiter darum bemüht.“

Blick ins Badezimmer.

Schon fünf Container Schutt hat O‘Callaghan rausgeholt, als Nächstes steht die Reinigung an, irgendwann der Wiederaufbau – nach Auflagen des Denkmalschutzes. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Nachts kann ich nicht schlafen, muss grübeln, Oder habe Albträume.“ Eigentlich wollte der 65-Jährige noch zwei Jahre arbeiten und dann mit seiner Frau nach Irland ziehen, das Häuschen in Bieber vermieten. „Das können wir jetzt vergessen.“ Er habe das Gefühl, 45 Jahre „für nichts“ gearbeitet zu haben. Nachbarn des Ehepaars haben eine Spendenaktion gestartet (dazu Kasten). „Ihr Schicksal macht mich sehr traurig. Sie haben alles verloren“, sagt Nachbarin Diana Faßbender. „Irgendwie muss man ihnen doch helfen!“ (Veronika Schade)

Bei einem weiteren Wohnhausbrand in Bieber bei Offenbach entstand ein immenser Sachschaden. Die Ermittler vermuten Brandstiftung.

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