Ort und Datum unpassend?

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Probleme mit Offenbach: Mark Medlock.

Offenbach - Mark Medlock, via RTL von Deutschland gesuchter Superstar des Jahres 2007, hat’s nicht leicht mit seiner Heimatstadt. Sein für den Herbst geplanter Auftritt erregt bereits jetzt Gemüter. Von Thomas Kirstein

Allerdings nicht mehr wegen seiner legendären Offenbach-Schmähung („Ghetto“, „trauriges Städtchen“) vor laufender TV-Kamera. Was nun aufstößt, sind vielmehr Ort und Datum: Die örtliche Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit gibt sich entsetzt, dass Medlock ausgerechnet am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, die Bühne des Capitols, der ehemaligen, am 9. November 1938 geschändeten Synagoge, betreten soll. In einem offenen Brief wendet sich der Vorstand an Stadt, Stadtverordnete und die zuständige Stadthallen-GmbH. Zur gleichen Zeit werde im jüdischen Gemeindezentrum der Nazi-Ausschreitungen gedacht, schreibt Vorstandsmitglied Jochen Lehmann: „Ich appelliere und bitte, dass die Stadt bzw. ihre Tochtergesellschaften das Capitol an diesem Gedenktag für diese Veranstaltung nicht zur Verfügung stellt.“

Wie Winfried Männche, Chef der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach, wurde auch Capitol-Geschäftsführerin Birgit von Hellborn von der Kritik überrascht. „Wir wissen um die Bedeutung des Tags“, beteuert sie, „aber seit elf Jahren gibt es bei uns am 9. November Veranstaltungen. Voriges Jahr war Badesalz da, davor Philipp Boa, der Gottschalk hat an einem 9. November aufgezeichnet.“

Dagegen rührte sich keinerlei Widerstand - wie schon zuvor nicht, als das Ex-Theater an der Goethestraße nach der Pleite des Musicals Tommy kurzzeitig ganz profanen Discoveranstaltungen diente.

Das besondere Verhältnis Medlock/Offenbach scheint aber sensibilisiert zu haben. Im Gespräch beklagt Architekt Lehmann: „Es kann nicht sein, dass an einem solchen Tag unernste Spektakel stattfinden. Wenn ich mir vorstelle, wie der Medlock im Capitol in seiner Fäkalsprache rumschreit...

Einschränkungen für den Pogrom-Gedenktag gibt es nicht. „Wenn es gewollt ist, muss man ihn generell sperren“, meint Birgit von Hellborn. „Ich möchte aber nicht diejenige sein, die im Einzelfall entscheidet, was stattfinden darf.“ Termine im Capitol werden von den Konzertagenturen frei gebucht, ohne dass man beim Capitol weiß, was genau kommt. „Es gibt aber Sachen, die lassen wir auf keinen Fall rein - Hardcore-Rap oder Gruppen, bei denen es verfassungsrechtliche Bedenken gibt“, sagt GBO-Chef Männche. Bei Mark Medlock ist beides zweifelsfrei nicht der Fall. Birgit von Hellborn hat aber „gleich mal gegoogelt, ob er was Falsches gesagt hat.“ Er hat nicht.

Die jüdische Gemeinde Offenbachs hält sich zurück. „Wir können zwar nachvollziehen, wenn es in unserem christlichen Umfeld Bedenken gibt, aber für uns ist das Haus in der Goethestraße schon lange kein Gebetsraum mehr“, sagt der zweite Vorsitzende Mark Dainow diplomatisch.

Wenn jetzt mehr Offenbacher als bislang erwartet zu ihrem Superstar stehen, erledigt sich die Debatte ohnehin automatisch: Dann zieht Mark Medlock nämlich in die größere Stadthalle um.

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