Bahn-Schranke für die Stadt

Ärger um Dauerbaustelle an der Bahnüberführung

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Seit Oktober 2012 sind Bagger und Bauzäune ständige Begleiter für Fußgänger und Fahrradfahrer an der Bahnüberführung Wilhelmstraße. Die ursprüngliche angedachte Fertigstellung für Dezember 2013 wird sich mindestens bis März 2015 hinauszögern. Grund sind Probleme mit den Versorgungsleitungen.

Offenbach - „Tu, was du willst“ steht auf der Rückseite des „Auryns“, dem Symbol der Kindlichen Kaiserin in Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“. Das Amulett bevollmächtigt seinen Träger, als Stellvertreter der Kaiserin in ihrem Namen zu handeln. Von Steffen Müller 

Der Inhaber genießt sozusagen Narrenfreiheit. Eine ähnliche Ausnahmestellung besitzt die Deutsche Bahn bei der Dauerbaustelle an der Bahnüberführung in der Offenbacher Wilhelmstraße. Und das nicht nur zur Karnevalszeit. Doch der Reihe nach: Die unendliche Geschichte nahm im Oktober 2012 ihren Anfang, als die Bahn mit der Sanierung der maroden Überführung begann. Das Gleisbett wurde auf drei Schienen reduziert, die Überführung schmaler, die gewölbte Brücke ist einem Rahmenbauwerk gewichen. Die Züge fahren seit geraumer Zeit wieder planmäßig, nur die Fertigstellung des Durchgangs lässt weiter auf sich warten. Statt einer asphaltierten Straße säumen Sand und Schotter den Weg.

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Planung und Bau mangelhaft

Die ursprüngliche Planung sah eine Fertigstellung des 2,5 Millionen Euro teuren Projekts im Dezember 2013 vor. Bereits früh war abzusehen, dass sich dieser Termin nicht realisieren lassen würde. Im April 2014 sprach die Bahn von einem Bauende im Juli 2014. Doch im vergangenen Sommer prägten immer noch Bagger und Bauschutt das Bild an der Kreuzung Wilhelmstraße/Feldstraße. Die Begründung der Bahn, die damals noch hoffte, die Maßnahmen kurzfristig abschließen zu können, lautete, dass es Probleme mit dem Verlauf der vorhandenen Versorgungsleitungen gab. Und genau an diesen Versorgungsleitungen drückt nach wie vor der Schuh. Beziehungsweise das Wasser.

„Bei den Arbeiten an den Entwässerungs- und Anschlussleitungen für die Straßenabläufe kam es zu massiven Behinderungen, da die Leitungen undicht waren und unter Wasser standen“, erklärt die Bahn. Die Baufirma war gezwungen, Verzug anzumelden, und liegt deshalb hinter dem vorgelegten Zeitplan. Vor der Herstellung der Anschlüsse an die städtische Netz können die Straßenbauarbeiten nicht abgeschlossen werden. Aufgrund der unvorhersehbaren Witterungsverhältnissen in den Wintermonaten möchte sich die Bahn nicht auf einen Termin für die Fertigstellung festlegen. Es heißt lediglich, dass vor März 2015 nicht mit einer Freigabe der öffentlichen Verkehrsflächen gerechnet werden kann. Dies wäre 15 Monate nach dem ursprünglich angedachten Abschluss.

„Was soll man dazu sagen? Es ist eine Katastrophe“, sagt ein Offenbacher Bürger, der sich mit seinem Fahrrad durch den schmalen Durchgang zwischen den Bauzäunen schlängelt und anonym bleiben möchte. Nicht nur Anwohnern und Passanten ist die Dauerbaustelle ein Dorn im Auge. Auch die Stadt zeigt sich mit der Entwicklung unzufrieden. Allerdings sind dem Bauamt die Hände gebunden. „Es handelt sich um einen bahninternen und keinen städtischen Kanal“, erklärt Markus Eichberger, Leiter des Amts für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement.

Die Bahn verfügt über eigene Versorgungskanäle. Erst wenn diese an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden, kann die Stadt handeln. Bis es zum Anschluss kommt, baut die Bahn in Eigenregie. Dies macht es für Eichberger und seine Kollegen schwierig, die Fertigstellung zu beschleunigen. „Es ist nicht einfach, bei der Bahn Druck zu machen. Wir stehen in Kontakt und haken nach, warum es hängt. Allerdings haben wir kaum Einflussmöglichkeiten“, bedauert Eichberger die unendliche Bauposse.

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