Regelunterricht

Offenbach: Unterricht an Grundschulen läuft noch nicht rund 

In Offenbach läuft der Unterricht an Grundschulen wieder an
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In Offenbach läuft der Unterricht an Grundschulen wieder an

Es gibt wohl nur wenige Bereiche, in denen Verwirrung wegen Corona größer war als an den Schulen. Seit Anfang der Woche ist eine neue Variante hinzugekommen: An den Grundschulen soll nun – für knapp zwei Wochen – wieder so etwas wie regulärer Unterricht laufen. 

Offenbach - Dabei werden Maskenpflicht und Abstandsregelungen in den Klassenräumen aufgehoben. Lehrer fühlen sich als Versuchskaninchen und protestieren (wir berichteten), Eltern dürfen ihre Kinder von der Schulpflicht befreien. Wie sieht der Unterricht also aus? Die von uns befragten Grundschulen sind sich in einem Punkt einig: Es wäre besser gewesen, wenn vor den Sommerferien keine Umstellung stattgefunden hätte.

Caroline Epheser, die Schulleiterin der Bürgeler Uhlandschule, beschreibt den ersten Tag des Regelunterrichts als chaotisch. Die Kinder seien verwirrt und überfordert mit dem neuen Stundenplan. Sie kämen entweder zu früh oder zu spät zum Unterricht. Die Unsicherheit bei den Kindern bemerkt Caroline Epheser in verschiedenen Situationen: Etwa wenn sie ihre Maske vergessen haben oder wenn sie merken, dass ihre Eltern sich uneinig sind, ob das Kind in die Schule gehen soll und ob es dort sicher ist.

Die Schulleiterin ist mit der Betreuung der Kinder und der ständigen Überprüfung des neuen Unterrichtkonzepts beschäftigt und kann deshalb nicht selbst unterrichten. Außerdem fehlen drei weitere Lehrkräfte. Vertretungslehrer würden ihr absagen, weil sie ohne Abstandsregelung nicht unterrichten wollten. „Die alte Regelung hatte sich eingespielt. Sie beizubehalten, wäre besser gewesen, besonders für die Kinder“, bilanziert Caroline Epheser.

An der Friedrich-Ebert-Schule hätten am ersten Tag des Regelunterrichts rund 20 Prozent der Schüler gefehlt, schätzt Schulleiterin Sabine Mann. Es sei schwierig gewesen, ein Konzept zu erstellen, damit alle Klassen betreut werden könnten. „Es fehlen die Lehrer, die mit ärztlichem Attest zu Hause bleiben dürfen“, so die Schulleiterin. Die Kinder müssten in ihren Klassenverbänden zusammenbleiben, es dürfe auch in den Pausen keine Vermischung geben. Dazu gelte im Klassenraum keine Abstandsregelung mehr, in den Pausen allerdings schon. Und draußen müssten die Kinder auch wieder Masken tragen. Sabine Mann hätte angesichts dieser Situation lieber weiter mit kleinen Gruppen und Abstand unterrichtet. Nun herrsche ein dauerhaftes Gefühl der Unsicherheit, ob man sich möglicherweise angesteckt habe. Der Schulleiterin drängt sich das Bild des Versuchskaninchens auf. Hinzu komme das ungute Gefühl, weil auch Kinder beteiligt seien. Kinder, die sich jetzt anstecken könnten, und dann in den Sommerurlaub fahren. „Das erscheint mir nicht gut durchdacht“, sagt Sabine Mann.

Von mehr als 400 Schülern der Humboldtschule blieben am ersten Tag über 50 zu Hause, und Sekretärin Tamara Demmert erwartet eine steigende Tendenz für die nächsten Tage. „Die Eltern sind verunsichert. Zumal die Kinder jetzt alle wieder zusammensitzen. Nach den Berichten der Kinder werden vermutlich noch mehr Eltern ihre Kinder vom Unterricht befreien“, sagt die Sekretärin.

Trotzdem muss für jede Klasse eine Lehrkraft zur Verfügung stehen. Das geht momentan nur mit der Unterstützung von Vertretungslehrern. Unterrichtet wird bei geöffneten Fenstern und Türen, Oberflächen und die Hände werden regelmäßig desinfiziert und die Lehrer tragen weiterhin Mund-Nasen-Bedeckungen. Viel mehr könne die Schule nicht machen, sagt Tamara Demmert. Sobald ein Schüler seinen Klassenraum verlässt, gilt auch für ihn wieder: Maske auf, Abstand halten. „Das Risiko ist jetzt viel zu groß. Es sind einfach zu viele Kinder an einem Ort“, resümiert Tamara Demmert.

Ein Vorteil der Waldschule Tempelsee ist ihr großer Schulhof. Dort hat jede Klasse ihren eigenen Bereich für ihre Pausenzeit abgesteckt bekommen, sodass keine Durchmischung stattfindet und die Kinder keine Masken tragen müssen. Zusätzlich sei hier ein „relativ entspannter Unterricht mit Abstand“ möglich, wie Schulleiterin Hannelore Grebe sagt, weil circa 40 Prozent der Schüler, das sind über 100 Kinder, abgemeldet wurden. Viele Eltern hätten sofort gesagt, dass sie ihr Kind unter diesen Bedingungen nicht in die Schule schicken würden. Das habe die Planung erleichtert. Allerdings fehlen auch in der Waldschule jene Lehrkräfte, die mittels Attest vom Unterricht befreit sind. Und wer noch unterrichtet, muss sich weiterhin auch um die Kinder kümmern, die zu Hause bleiben. „Die Kinder haben sich gerade mit den Corona-Regeln zurechtgefunden. Es wäre schöner gewesen, damit weiterzumachen, dann gäbe es jetzt nicht so ein Durcheinander“, sagt Hannelore Grebe.

(Theresa Ricke)

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