Kripo ermittelt verdeckt

Drogenumschlagplatz in Offenbach: „Unterirdisch geht es ab“ – Dealer-Passage mit Gewölbe

Passanten durchqueren eine Passage nahe des Offenbacher Stadthofs
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Am Tag eine unspektakuläre Passage, bei Nacht ein Drogenumschlagplatz.

Nahe des Offenbacher Stadthofs werden in einer Passage Gras und Koks gehandelt. Vieles passiert dort unterirdisch. Nun ermittelt die Kripo verdeckt.

Offenbach - Die einen kennen sie als Pornokino-Passage, die anderen als Offenbachs Drogen-Umschlagplatz Nummer eins. Seit Jahren ist in einschlägigen Kreisen klar: Wer Drogen kaufen will, wird dort bedient. Und zwar nicht nur die Endverbraucher. Auch Kleindealer holen dort offenbar bei größeren Dealern Nachschub. „Vor allem geht es dabei um Marihuana, Kokain und manchmal vielleicht um Ecstasy“, heißt es aus Polizeikreisen über die Passage. „Der Heroinhandel hat sich schon lange ins Frankfurter Bahnhofsviertel verlagert.“

Rein optisch würde die Passage jedenfalls gut dorthin passen. Fleckige Waschbetonplatten verbreiten 80er-Jahre-Charme, in den Ecken Kippen, alles sieht etwas schäbig aus. Neben Sportwettbüro und Kiosk reihen sich ein Thai-Restaurant, diverse Kneipen und ein riesiges Pornokino ein.

Drogenhandel in Passage in Offenbach: Polizei verfolgt zwei junge Dealer

Dass man in der Passage nicht lange suchen muss, um Drogengeschäfte zu bemerken, zeigt ein Einsatz der Stadtpolizei, bei dem die Redaktion dabei war. Im Rahmen einer Reportage störten zwei Stadtpolizisten erst vor wenigen Wochen zufällig eine offenkundige Drogenübergabe. Was folgte, war eine Verfolgungsjagd mit den zwei jungen Dealern, die am Ende jedoch entkommen konnten.

Stadtpolizeichef Lothar Haack erklärt: „Eigentlich liegen solche Einsätze nicht in unserer Zuständigkeit. Aber im vorliegenden Fall waren meine Leute dazu verpflichtet, eine Straftat, die sich vor ihren Augen abgespielt hat, zu verfolgen.“ Dabei liegt die Drogen-Passage nur wenige hundert Meter neben der Wache der Stadtpolizei.

In manchen Teilen der Passage und darunter herrscht richtig Rotation

B., ehemaliger Drogen-Dealer

Doch deren allgemeine Zurückhaltung hat offenbar einen ermittlungstaktischen Grund. Bei der Landespolizei heißt es nämlich, man habe die Kollegen ausdrücklich gebeten, sich aus der Sache weitestgehend rauszuhalten, offenbar weil das Fachkommissariat verdeckt ermittelt und nicht gestört werden will.

Drogenszene in Offenbach: „Unterirdisch geht es ab“

Der Offenbacher B. kennt die überschaubare Drogenszene der Stadt genau, hat selbst bis 2016 gedealt. „In manchen Teilen der Passage und darunter herrscht richtig Rotation. Das allermeiste ist ja nicht mal oben zu sehen“, sagt B., der mittlerweile ein geregeltes Leben führt. „Unterirdisch geht es ab. Das ist dort alles unterkellert und diese Gewölbe sind miteinander verbunden und es gibt jede Menge Fluchtwege.“ Dort werde nicht nur gedealt, sondern auch konsumiert, behauptet er. „Damals haben die Jungs aus der Offenbacher Szene die Dealer verprügelt, wenn sie hartes Zeug angeboten haben.“ Doch mit der Öffnung der Grenzen nach Osteuropa hätten „Dealer vom Balkan übernommen und auch härteres Zeug im Angebot.“

Bei der Polizei will man über die Ermittlungen nicht viel preisgeben. Fest steht, dass seit 2016 allein 48 Fälle von Drogenhandel verzeichnet worden sind. Wobei die Tendenz, laut dem ersten Kriminalhauptkommissar Torsten Kliem vom zuständigen K34, im Lauf der Jahre fallend ist. Er räumt die Ermittlungen ein. Solche würden „temporär durch das K34 aber auch durch die Schutzpolizei offen oder verdeckt durchgeführt.“ Erst im April seien nach einer Schlägerei etwa 26 Gramm Kokain und 200 Gramm Marihuana zufällig im Treppenbereich der Geschäfte gefunden worden. Die dazugehörigen Dealer wurden bisher nicht gefasst. (Christian Reinartz)

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