Prozess gegen Dealer

Vor Schulen Drogen verkauft

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Offenbach - Er könnte aus einem Albtraum von Eltern schulpflichtiger Kinder stammen: Vor Offenbacher Schulen verkaufte er bereits als Jugendlicher Haschisch und Marihuana; Gymnasiastinnen erlagen so weit seinem Charme, dass sie für ihn als Dealerinnen arbeiteten.

Der Polizei war es nach zahlreichen Beschwerden von Eltern gelungen, dem heute 28-jährigen Deutschen das Handwerk zu legen. Er landete für viele Jahre im Gefängnis, weil er schon zu einem „Großen“ in der Dealerszene geworden war. Jetzt schickte ihn das Offenbacher Schöffengericht für weitere zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter, weil er trotz Bewährung mit Amphetaminen gehandelt hatte.

Nach seiner Haftentlassung lernte der Angeklagte eine Studentin kennen, der er nach und nach ein wenig von seiner Vergangenheit erzählte. Er selbst hatte eine Lehre in Frankfurt fortgesetzt, die er in der Haftanstalt begonnen hatte. Als dann die Polizei bei dem Pärchen anklopfte, war die Studentin mehr als verwundert, denn ihr Freund wurde wegen des Handels mit den „Speed“ genannten Aufputschmitteln festgenommen.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck offenbarte sich keine schwere, sondern eine bei aller Tragik offenbar zu leichte Kindheit: Der Junge war schon früh Vollwaise geworden und wuchs bei seiner Oma auf, die ihn verwöhnte und ihm kaum Grenzen setzte. Den Anforderungen der Schule war er – obwohl intelligent – so nicht gewachsen und flüchtete sich in eine Scheinwelt: Haschisch, Marihuana und Kokain wurden seine Helfer. Richter Beck erkennt: „Die zweite Welt der Drogen wurde die Heimat des Angeklagten und für ihn war es nichts Schlimmes, Mädchen aus bürgerlichen Verhältnissen damit bekannt zu machen.“ Als ihn der Richter als „Mädchenverbraucher“ bezeichnet, widerspricht er nicht. Dass die Mädchen von Liebe geträumt hätten und er ihnen nur Sex und Drogen habe geben können, sah er zwar ein. Doch sei es die freie Entscheidung der jungen Frauen gewesen, für ihn Rauschgift zu verkaufen. Tatsächlich hat der Angeklagte wohl niemals ein Mädchen bedroht.

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Er sei damals süchtig gewesen und habe nicht gewusst, was er Schlimmes tue, meinte der 28-Jährige. In der Haft habe er begriffen, dass er drogenfrei lebe müsse, wobei ihm seine Freundin sehr geholfen habe. Als aber deren Oma gestorben sei, habe er Vater und Mutter nochmals sterben sehen – und sei dann aus tiefer Verzweiflung zu den Drogen zurückgekehrt. Und weil er die sich auf Dauer nicht habe leisten können, sei er wieder zum Dealer geworden.

(tk)

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