Debatte um Kaiserlei-Umbau

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Die Tage des Kreisels sind gezählt. Verkehrsplaner rechnen mit weniger Staus, wenn Stadt- und Autobahnverkehr getrennt sind: Im Süden (unten im Bild) wird die Berliner Straße zur Kaiserleipromenade verlängert. Der nördliche Kreiselteil wird beampelte Kreuzung für die Auf- und Abfahrten der Autobahn 661.

Offenbach - Die Reaktion der Opposition im Offenbacher Rathaus ließ nicht lange auf sich warten. Empört zeigt sich die CDU-Fraktion über den medialen Auftritt Horst Schneiders. Von Fabian El Cheikh

Der Oberbürgermeister hatte in seiner Funktion als Baudezernent am Montag die Absichtserklärung zwischen Offenbach und Frankfurt über den Umbau des Kaiserleikreisels unterzeichnete. Bei dem ungewöhnlichen Deal der beiden Städte seien der Offenbacher Magistrat und die Stadtverordneten übergangen worden, lautete der Vorwurf des CDU-Fraktionsvorsitzenden Roland Walter. Dass der OB nicht genügend informiert habe, weist die SPD indes zurück. „In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planen, Bauen am Donnerstag vergangener Woche hat Horst Schneider ausführlich über die geplante Vereinbarung berichtet und detailliert sowohl über die betroffenen Flächen als auch über die vereinbarten Summen Auskunft gegeben“, betont Fraktionsvorsitzender Andreas Schneider.

Auch Kritik, die Normenkontrollklage gegen die Honsellbrücke sei mangels Magistratsbeschluss nicht legitimiert, weist die SPD zurück. „Die Union sucht nach formellen Fehlern, wo keine zu finden sind“, so Andreas Schneider. „Nach der Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung im Dezember 2011 war Schneider als Oberbürgermeister autorisiert, Rechtsmittel gegen den Bau der Brücke einzulegen.“ Es habe sich somit nicht um einen Alleingang des OBs gehandelt.

Darüber hinaus sei die von Roland Walter als „Wahnsinnsprojekt“ bezeichnete Multifunktionshalle am Kaiserlei eine große Chance für beide Städte: „Von einer Konkurrenz etwa zur ESO-Sportfabrik kann keine Rede sein – wir reden von einer ganz anderen Größenordnung“, betont Andreas Schneider. Wichtig sei allerdings, dass für die Halle keine Steuergelder in Anspruch genommen würden – ein privater Investor sei aber gern gesehen.

Autofahrer bezweifeln Sinn des Projekts

Allen Beteiligten noch unklar ist eine ganz wichtige Frage, die unter anderem der Rechtsanwalt und Notar Ernst Gesser gegenüber unserer Zeitung formuliert: „Wer zahlt, wenn das Projekt teurer wird?“ Eine konkrete Antwort darauf gibt OB Schneider nicht. Er zeigt sich jedoch optimistisch, dass es zu keinen Kostensteigerungen kommt.

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Während sich die Lokalpolitiker also über die rechtlichen und finanziellen Details streiten, trauert so mancher Autofahrer bereits dem Kreisel hinterher. Ein Kommentator auf op-online.de wundert sich: „Irgendwie erschließt sich mir nicht, wie zwei Ampelkreuzungen einen höheren Verkehrsdurchsatz haben sollen als der Kreisel – üblicherweise ersetzen mit genau diesem Argument nämlich die Kreisel die Ampelkreuzungen...“ Ein anderer bemerkt: „Wo man in Europa auch hinkommt, überall werden Verkehrskreisel errichtet. In Offenbach soll jetzt aber die neue Errungenschaft eines beseitigten Kreisels gefeiert werden.“

Hans-Joachim Bier-Kruse vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement betonte gestern auf Anfrage, dass der Kreisel in seiner jetzigen Dimension – das hätten verschiedene Untersuchungen von Verkehrsplanern gezeigt – nicht effektiv genug sei: „Der Kreisel ist zu groß, und es werden zu hohe Geschwindigkeiten gefahren.“ In kleineren Rondells, in denen höchstens 30 Kilometer pro Stunde möglich sind, könnten sich Fahrzeuge schneller einfädeln. „Zudem ist die Situation mit zwei Fahrspuren im Kreisel für Autofahrer schwer abzuschätzen.“

Zusätzliche Gewerbefläche im Kreiselinneren

Bier-Kruse erinnert daran, dass es in den frühen Planungsstadien der 90er Jahre mehrere Varianten des Umbaus gegeben hatte, zum Teil mit einer Untertunnelung des Stadtteils ohne Kreisel und Kreuzungen. „Hand in Hand gingen dann aber das städtebauliche und das Verkehrskonzept.“ So habe die Stadt Gewerbefläche (im Kreiselinneren) gewinnen und gleichzeitig die Berliner Straße mit der angrenzenden Wohnbebauung vom Verkehr entlasten wollen.

Die nun geplante Wegeführung stammt aus der Feder des Städtebauarchitekten Dietrich-Wilhelm Dreysse aus Frankfurt. Er hatte 1994 eine Ausschreibung der Städte Frankfurt und Offenbach mit seinem Entwurf zweier Kreuzungen als städtebauliche Aufwertung und leistungsfähigste Lösung zur Bewältigung des Verkehrs gewonnen. Dieser bald 20 Jahre alte Rahmenplan ist Grundlage für die beschlossene Umsetzung der Vorschläge.

Dreysse stellte gestern noch einmal klar, dass es sich eigentlich nur um eine beampelte Kreuzung für die Auf- und Abfahrten zur Autobahn an der Strahlenbergerstraße handelt. „Eine südliche Kreuzung in diesem Sinne gibt es nicht, sondern nur die Berliner Straße, die geradewegs zur Kaiserleipromenade führt und von der Autobahn auf zweiter Ebene gekreuzt wird.“ Dreysse gibt allerdings zu: „Der springende Punkt der Ausschreibung war, Gewerbeflächen für eine Bebauung freizubekommen.“

Dass die neue Wegeführung leistungsfähiger ist als der Kreisel, bestätigte vor drei Jahren noch einmal das Planungsbüro PTV in Karlsruhe. Die immer wieder genannte Zahl von 20 Prozent höherer Kapazität ziehen unabhängige Experten allerdings in Zweifel: Die Stadt werde um eine aktuelle Verkehrszählung nicht umhin kommen.

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