Rektoren widersprechen Politiker

Debatte um Salafisten an Schulen

Offenbach - Wie ernst nehmen Schulen in Stadt und Kreis Offenbach mögliche Gefahren durch den Einfluss radikaler Salafisten auf Schüler? Nach einer Konferenz aller Schulleiter zum Thema relativiert nun deren Sprecher genannte Vorfälle an Grund- und weiterführenden Schulen. Von Fabian El Cheikh

In einem offenen Brief an den Heusenstammer Landtagsabgeordneten Ismail Tipi (CDU), der vor wachsendem Einfluss der muslimischen Extremreligiösen auch auf Schüler in Stadt und Kreis warnt, zieht Michael Weis die bislang genannten Vorfälle in Zweifel. Der Stadt- und Kreisvorsitzende des Interessensverbandes Hessischer Schulleiter sieht „keine Anzeichen für die von Ihnen (Ismail Tipi, d. Red.) dargestellte Entwicklung“, heißt es darin. Gleichwohl sei es „unstrittig“, schreibt er, dass es „salafistische Umtriebe“ im unmittelbaren Umfeld der Schulen gebe. Weis, Direktor der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen, lehne es jedoch ab, „muslimische Schüler quasi unter einen Generalverdacht stellen zu lassen“.

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Salafisten die Stirn bieten

Tipi sprach zuletzt von 19 „salafistischen Vorkomnissen“ an Grund-, Förder-, Berufs- und weiterführenden Schulen. Auf Anfrage wollte der Politiker gestern zwar nicht seine Quellen offenlegen, berief sich jedoch unter anderem auf Anrufe besorgter Eltern, „die ich mittlerweile fast täglich erhalte“. Er betonte, Schüler keineswegs unter Generalverdacht zu stellen. Nicht sie seien das Problem, sondern Salafisten, die zunehmend vor und auf Schulhöfen, aber auch andernorts in Kommunen wie Offenbach oder Dietzenbach Kinder und Jugendliche belästigten, Korane verteilten und sie mit Einladungen in Gebetsräume für ihre Gesinnung gewinnen wollten.

„Meines Wissens nach reagieren darauf angesprochene Lehrer stets sofort und verweisen diese Leute vom Pausenhof und aus der unmittelbaren Nähe der Schule“, lobt Tipi. „Vor diesem Hintergrund verwundert es mich, dass die Vertretung der Schulleiter es nun so darstellt, als gäbe es dieses Problem gar nicht.“ Zumal das Staatliche Schulamt erst Ende März in einer Konferenz mit den Schulleitern über mögliche Beeinflussungen und Konsequenzen diskutiert hatte. Auch Rückmeldungen aus den Schulen, die unserer Zeitung vorliegen, belegen radikales Gedankengut – bislang zweifelsohne nur Einzelfälle. So gab es vier „missionarische Aktivitäten“ auf Schulhöfen. Grundschüler gaben nach eigenen Aussagen Zitate ihrer Imame wider, in denen es hieß: „Christen sind Schweine“ oder „Ungläubige sollen sterben“.

Großes Polizei-Aufgebot bei Salafisten-Versammlung

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Einige Kinder seien von städtischer Hausaufgabenhilfe abgemeldet worden, um in anderen Instituten zu lernen, womöglich Koranschulen. Schüler würden einschlägige Bekenntnisse auf Facebook posten, Mädchen zum Kopftuchtragen „erpresst“, Einzelne sympathisierten mit dem Hassprediger Pierre Vogel und „immer mehr“ muslimische Schüler dürften nicht mehr an Klassenfahrten teilnehmen. Gerade Berufsschüler zeigten teilweise „äußerliche Auffälligkeiten“ und „aggressive Argumentationen“.

Rubriklistenbild: © dpa

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