Der Deckel bleibt drauf

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Richtfest am Buchhügel: „Wo früher der Dachstuhl des Zimmermanns Stolz, ist beim Erweiterungsbau nur Beton statt Holz.“

Offenbach - Die Stadt hat es geschafft. Gerade noch. Sozusagen in letzter Minute. Dabei prägen Baumängel und Raumnot seit Jahren den Alltag an Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schule. Von Martin Kuhn

„Endlich“, das betonen die Redner unisono, erhalten die Schulen am Fuß des Buchhügels einen Neubau mit 9429 Quadratmeter Fläche.

FDP-Stadtrat Paul-Gerhard Weiß erinnert daran, dass nach dem politischen Marathon der städtische Schlussspurt punktgenau erfolge: Geht am Frankfurter Flughafen die Nordwestbahn in Betrieb, wird in Offenbach eine Siedlungsbeschränkung gelten. Und die unterbindet unter anderem den Bau neuer Kindergärten und Schulen. Der Ort für seine Worte könnte kaum passender gewählt sein. Weiß’ Botschaft übertönt nur dank Verstärkeranlage die Jets im Landeanflug.

„Wichtiger Baustein für die Zukunft junger Menschen“

Als Schuldezernent blickt er auch aus einem anderen Grund auf den Kalender. Der Erweiterungsbau ist von entscheidender Rolle im Gesamtpaket der lokalen Schulbausanierung. Derzeit sind Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schüler in zehn Dependancen im Stadtgebiet untergebracht – unter anderem an Grundschulen. „Dort können wir erst weitermachen, wenn diese Schüler endlich am Buchhügel vereint sind. Diesen Druck kriegen wir nahezu jeden Tag mit. Daher symbolisiert das Richtfest einen gewaltigen Fortschritt.“

Das sieht Horst Schneider genauso. Für den Oberbürgermeister sind die Berufsschulen ein „wichtiger Baustein für die Zukunft junger Menschen, die einmal unsere Pensionen und Renten erwirtschaften sollen“. Wohl ahnend, was die nachfolgenden Redner vorbringen, erteilt er weiteren Wünschen beider Schulen bereits eine Absage: „Wir machen den Deckel sicher nicht noch einmal auf.“

„Nachbesserungen oder Nachrüstungen?“

Der Finanztopf ist ohnehin gewaltig für eine Kommune, deren Haushalt eine tiefrote Färbung aufweist. In öffentlich-privater Partnerschaft errichtet das Unternehmen Hochtief Solutions am Buchhügel den Erweiterungsbau für 21,8 Millionen Euro, baut eine Dreifeldsporthalle für 4,9 Millionen Euro und saniert die Theodor-Heuss-Schule für 12,2 Millionen Euro. Hinzu kommt die Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule, die die Stadt über ihre Holding-Tochter EEG abwickelt. „Da läuft alles nach Plan“, bekundet Paul-Gerhard Weiß. Hoffentlich sehen das die Betroffenen genauso. Im März hatten Personalrat und Schülervertretung öffentlich gewünscht: „Bereitstellung der notwendigen Ressourcen, die wir für unsere tägliche Arbeit dringend benötigen.“

Heinrich Kößler, Leiter der Theodor-Heuss-Schule, wählt teils kritische Worte: „Nachbesserungen oder Nachrüstungen? Da heißt’s stets: Geht nicht.“ Hätte man sich rechtzeitig zusammen gesetzt, wäre für das selbe Geld sicher mehr möglich gewesen.“ Immerhin: „Der Neubau kann uns nicht mehr genommen werden.“ Er empfindet es als wichtig, dass die Stadt ein Zeichen gesetzt habe für Jugendliche, die nicht gleich aufs Gymnasium gehen. „Hier ist der Ort, an dem sie ihre Potenziale entfalten können. Politiker (an der Spitze der stellvertretende Parlamentschef Gerhard Länder) bekommen mit auf den Weg: „Denken Sie an eine zeitgemäße Ausstattung. Sie muss ins 21. Jahrhundert passen.“

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