Deckelaktion gegen Fluglärm

Protest mit Küchenzubehör

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Nur noch 380 000 Flugbewegungen im Jahr – das ist das Ziel der Bürgerinitiative Luftverkehr und des Offenbacher Bündnisses Menschenkette.

Offenbach - Wenn es im Topf laut brodelt, hilft ein Deckel obendrauf. So einfach ist die Lösung in Bezug auf Fluglärm zwar nicht. Aber das Bild, das ist treffend – dachte sich das Offenbacher Bündnis Menschenkette und rief am Samstag zur Deckelaktion im Dreieichpark auf. Von Veronika Szeherova

Die Protestler sollten Deckel aller Formen, Farben und Materialien mitbringen, um sie dem Flugverkehr über ihren Köpfen symbolisch überzustülpen.

Laut Polizei kamen etwa 200, laut den Veranstaltern bis zu 400 Aktivisten. Weitaus weniger als erhofft und kein Vergleich zur Menschenkette im vergangenen Jahr ebenfalls im Dreieichpark. Hermann Gaffga von der örtlichen Arbeitsgemeinschaft Flughafen begründete dies mit der Ferienzeit: „Wir konnten uns nicht aussuchen, dass der Jahrestag der Eröffnung der neuen Landebahn gerade mitten in die Herbstferien fällt. Viele sind jetzt verreist.“ Zudem war gestern noch zu einer Großdemo direkt am Frankfurter Flughafen aufgerufen.

Deckelaktion gegen Fluglärm

Den Flugverkehr deckeln, dem Lärm einen Deckel überstülpen: Das war die Idee hinter der Deckelaktion, zu der das Bündnis Menschenkette geladen hat. Doch es kamen nur etwa 200 in den Dreieichpark.

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Nur ein Teil der Protestler hatte Deckel dabei, bunte Farben waren kaum vorhanden. Die meisten waren Edelstahl-Topfdeckel, einige Plastikdeckel von Eispackungen waren zu entdecken. Bürgermeister Peter Schneider hatte einen grellgrünen Plastiktonnendeckel dabei. OB Horst Schneider und seine Frau Konstanze brachten kleine graue Deckelchen von Spielzeugtöpfen mit. „Sonst haben alle unsere Töpfe Glasdeckel“, erklärten sie lächelnd.

Trotz des ernsten Themas: Spaß gehört zum Protestieren dazu.

Die Deckelaktion begann mit einem Marsch vom Treffpunkt am Deutschen Wetterdienst zum Dreieichpark. Mit Kochlöffeln schlugen die Lärmgegner auf die Deckel ein und bliesen kräftig in ihre Trillerpfeifen. Die Flugzeuge waren so wirklich nicht mehr zu hören. Anders im Dreieichpark, als Peter Schneider seine Rede hielt. Da gab es schon mal die passende akustische Untermalung vom Himmel, die jedoch deutlich übertönt wurde, immer wenn die Protestler dem Bürgermeister lautstark zustimmten. Etwa bei diesen Sätzen: „Seit einem Jahr müssen wir zusätzliche Verlärmung ertragen in einer ohnehin vom Fluglärm betroffenen Stadt. Damit wird uns viel mehr zugemutet, als man Bürgern zumuten darf!“ Er sprach vom „Unwort der Nachtrandstunden“, vom „Recht auf körperliche Unversehrtheit vor kommerziellen Interessen“ und einem „erbärmlichen Versagen der Politik“, die seit Jahrzehnten Versprechungen mache, sie aber nicht halte. Auch an den beschlossenen 19 Punkten zum Schallschutz ließ er kein gutes Haar – wie dem seit vergangenem Mittwoch erhöhtem Anflugverfahren: „Ich habe ganz genau hingehört, und ich habe keinen Unterschied gemerkt!“ Zustimmendes Kopfnicken, viel Getöse.

„Flugzeuge sind laaaaut!“

Dies wurde bei ihrer Rede auch Ingrid Wagner zuteil, Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL). „Kranke Menschen, Kinder, alle Bürger sind ständig unter einer Lärmglocke. Unser Ziel ist unsere Gesundheit und dass unsere Stadt bewohnbar bleibt!“ Fraport verhalte sich respektlos, finde immer Ausnahmen zum ohnehin zu kurzen Nachtflugverbot, habe nur Profit vor Augen statt der Bedürfnisse der Region. „Wenn von den jetzigen 480.000 Flugbewegungen im Jahr die Inlands- und Kurzstrecken auf die Schiene verlagert würden, blieben nur 380.000 übrig“, so Wagner. Diese sind das Ziel der BIL. „Stattdessen will Fraport künftig 900.000 Flugbewegungen abwickeln. Das wollen wir nicht akzeptieren, da muss ein Deckel drauf!“

Ein Deckel, beziehungsweise eine bunte Plane, wurde sogleich über ein aus Steinen ausgelegtes Flugzeug auf dem Boden des Dreieichparks gelegt. Dieses erinnerte eher an ein Pentagramm, die Bedeckung fast an ein Ritual: „Flugzeuge sind laaaaut!“, rief die Grünen-Politikerin Lucia Gerharz in ihr Megafon und kreiste um das zugedeckte Steinbild, während die Menge dazu möglichst viel Krach machte. Überschaubare zwei Deckelchen legten die Protestler zusätzlich über die Plane, und auch eine Schnur, die mit Deckeln behangen und gen Himmel gezogen werden sollte, blieb fast leer. Doch der Kampfgeist ist lange nicht erloschen. „Jetzt fängt es erst an“, sagt Rudolf Fritz, ein engagierter Fluglärm-Gegner, der sich kaum eine Protestaktion entgehen lässt. „Jede Aktion ist wichtig. Unser Protest ist langfristig angelegt.“

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