Weihnachtsmarkt in Bürgel

Deftiges am Dalles

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Alle Jahre wieder: Dicht gedrängt erleben die Bürgeler ihren kleinen, aber feinen Weihnachtsmarkt am Dalles.

Bürgel - Bei der CDU verzehren die Leute ein Stück Tradition. Das ahnt kaum jemand. Es sei denn, Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller klärt auf über den Brotbelag. Schmalz und Mettwurst stammen von Metzger Manfred Lorenz. Von Stefan Mangold

Dick eingepackt lässt’s sich noch etwas länger aushalten.

„Leider kann man die nicht zur Erinnerung aufheben“, bedauert Nöller, „denn heute öffnete Lorenz letztmals. “ Damit verschwinde wieder ein familiengeführtes Geschäft, ein Ort, an dem Leute ins Gespräch kommen. Der politische Mitbewerber bietet am anderen Ende des Platzes Rotwein und Chili con Carne an. Die große Entfernung zwischen Unionschristen und Sozialdemokraten sei Zufall, sagt Nöller, „wir sind schließlich alle Bürgeler“. Der Weihnachtsmarkt am Dalles entwickelt sich zum großen Treffpunkt. Voll wird es stets mit Einbruch der Dunkelheit, wenn der Musikverein St. Pankratius aufspielt.

Darauf vertrauen auch Klaus-Ulrich Göbel und seine Jungs von der Reservistenkameradschaft Offenbach. Die verkaufen erstmals Erbsensuppe mit Rindswurst. Deftiges, das nicht nur gern bei Truppenmanövern auf dem Speiseplan steht. Vom Erlös decken die Männer in Tarngrün zumindest teilweise die Miete ihres Vereinsheims in Heusenstamm. Der Vorsitzende Göbel beendete seine Wehrdienstzeit in den 60er Jahren. Geblieben wäre er gern. „Aber ich hatte schon Frau und Kind“, erinnert sich der Major der Reserve. Als Soldat müsse man ständig mit Versetzungen rechnen. Die Scheidungsrate sei enorm. Göbels einstiger Entschluss stellte sich als richtig heraus. „Ich bin immer noch verheiratet“, betont der 73-jährige Großvater freudig.

27 Veranstalter am Dalles

Insgesamt meldeten sich 27 Vereine, Kleingewerbetreibende und Privatpersonen beim Veranstalter Pro Bürgel an. „Vier mehr als 2013“, zählt Julia Ohlig, die von einem halben Jahr Vorbereitung spricht. Und von den 25 Helfern, die am Abend zuvor die Einzelteile der Hütten aus Heusenstamm zusammen schraubten. Die Betreiber beteiligen sich unterschiedlich an den Kosten. „Wer alkoholische Getränke verkauft, zahlt mehr als etwa der Handarbeitsstand“, sagt Elke Kromm, Jugendleiterin der Bürgeler Ranzengarde. Die Karnevalisten setzen ebenfalls auf Deftiges: Pommes, Pils, heißer Apfelwein.

Zum zweiten Mal treten die Brüder Rupert und Hermann Gehrlein zusammen mit Hermanns Gattin Alexandra durch selbstgemachte Kartoffelpuffer in Erscheinung. „Es läuft gut, weil wir ein Monopol haben“, kann sie über Mangel an Bestellungen nicht klagen. Bei Franz Röckert von der Tanzabteilung der TSG Bürgel dreht sich das Glücksrad. Neben Süßigkeiten steht Literatur zur Gewinnauswahl. „Arbeiter im Weinberg des Herrn“ von Ex-Papst Benedikt liegt noch aus.

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Um ein finsteres Thema geht es bei der DJK Sparta Bürgel. Der Sportverein teilt sich mit „Hundeherzen Apariv e.V.“ einen Stand, an dem Kaffee und Kuchen über die Theke gehen. Sparta-Vorsitzende Brigitte Fenn und Maribel Beltrán kennen sich von der Hunderennbahn am Mainbogen. Beltrán kümmert sich um Tiere in Spanien, die ein lausiges Dasein fristen, das nicht selten qualvoll endet. „Nach der Jagd werden die Hunde oft erhängt“, weiß die spanische Muttersprachlerin. Wenn die Tiere Glück haben, bricht es ihnen gleich das Genick.

Mit der Tierärztin Dr. Marion Fenn, Tochter von Brigitte, fährt Maribel Beltrán regelmäßig nach Spanien, um Hunde zu kastrieren und mit den Betreibern der Jagdfarmen über Alternativen zu sprechen: „Es dauert lange, bis sich ein Bewusstsein wandelt.“

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