Insolventes Fernbusunternehmens aus Offenbach

DeinBus will nicht aufgeben

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Offenbach - „Es wird viel falsch berichtet“, beklagt Mitgründer Christian Janisch. Vor einer Woche gab der Offenbacher Fernbusanbieter DeinBus seinen Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren bekannt.

Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Khang Nguyen spricht Janisch über die derzeitige Stimmung bei DeinBus, Fehler in der Vergangenheit und die Zukunft des Unternehmens.

Herr Janisch, wie ist die Stimmung zurzeit?

Angesichts unserer Situation ist die Stimmung gerade wirklich gut. Natürlich sind alle betroffen, aber wir sind auch sehr stark als Team zusammengerückt – sowohl die Firma als auch unsere Buspartner. Zurzeit wird aber viel falsch berichtet: Zum Beispiel soll das Insolvenzverfahren bereits eröffnet sein. Es ist aber nur ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Wir kämpfen darum, dass es weitergeht. Unterstützung bekommen wir dabei durch unseren vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Feketija. Wir sind immer noch sehr optimistisch, dass es mit DeinBus weitergeht. Insofern sehen wir eher Chancen und bleiben, wie in den letzten sechs Jahren als Pioniere des Marktes, Berufsoptimisten.

Was bedeutet das konkret?

Zunächst mussten wir den Betrieb stabilisieren, sodass die Busse weiterrollen. Das können wir im Moment garantieren. Jetzt haben wir uns angesehen, wie es im Gesamtnetz ausschaut und müssen jetzt noch mehr auf Profitabilität achten. Voraussichtlich werden die beiden Linien Marburg - Münster und Frankfurt - Saarbrücken eingestellt. Der sonstige Betrieb ändert sich nicht und läuft bisher sehr gut.

Gab es bisher sonstige Umstrukturierungen oder Mitarbeiterentlassungen?

Wir waren schon immer sehr kostenbewusst. Unserem vorläufigen Insolvenzverwalter verdanken wir es, dass die Bundesagentur für Arbeit die Löhne mit einem Insolvenzgeld sichert. Wir brauchen das Team und wir gehen davon aus, dass es weitergeht. Wir kämpfen gerade sehr für eine gemeinsame Zukunft.

Wie soll es nun mit DeinBus weitergehen?

Die wichtigste Botschaft ist, dass wir erstmal weitermachen. Wir wollen, dass das hier Teil der Geschichte wird, und wir nicht schon zum Teil der Geschichte zählen. Dafür sind wir immer noch sehr motiviert und brennen für diese Art zu Reisen.

Vor einem Monat hat der Fernbusanbieter city2city dem Konkurrenzdruck nachgegeben. War das der erste Anstoß?

Auch hier wird viel falsch geschrieben. city2city sind nicht pleite gegangen, sondern haben sich aus dem Markt zurückgezogen. Hier wird zurzeit viel durcheinandergeworfen. Hinter city2city steht National Express, einer der größten Fernbusbetreiber Europas. Aber selbst die haben gesehen, dass der deutsche Fernbusmarkt sehr hart umkämpft ist.

Gab es Fehlentscheidungen bei DeinBus?

Wo gibt es diese nicht? Es ist ein schwieriger Markt, von dem sich andere bereits zurückgezogen haben. Im Großen und Ganzen können wir aber sehr stolz auf uns sein. Wir haben den Verkehrsmarkt in Deutschland nachhaltig verändert. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass die Deutsche Bahn die Preise der 2. Klasse im Fernverkehr nicht anhebt. Zudem gibt es mehr Rabatte bei BahnCards und Spar-Angebote. Da haben wir schon unheimlich viel bewirkt.

Nun ist es ja nicht so, dass Sie nie auf der Suche nach Investoren waren. Vor zwei Jahren waren gab es einen Versuch zur gemeinschaftlichen Finanzierung.

Wir haben schon häufiger nach Investorenlösungen gesucht, allerdings war das aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit nicht erfolgreich gewesen. Wir glauben, dass in der jetzigen Phase Chancen bestehen. Ein möglicher Investor bekommt durchaus eine ganz interessante Möglichkeit, eine Firma zu übernehmen, die weitestgehend unbelastet ist und in einem spannenden Markt agiert.

DeinBus hat aber in jüngster Vergangenheit bereits mehrere Gespräche mit anderen Fernbusanbietern geführt. Wie sind diese ausgegangen?

Wir haben durchaus auch schon länger gesehen, dass es für die kleineren Anbieter auf dem Markt schwierig wird und früh intensive Gespräche mit Mitbewerbern über einen Zusammenschluss oder eine Übernahme geführt. Letztendlich hat sich das aber nicht realisiert.

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