Dekoratives und Skurriles

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Aus Sandstein formt Steven Beier Kunstwerke – beim Rundgang zu sehen im Innenhof des Rumpenheimer Schlosses.

Offenbach - Einst als Teil der „Offenbacher Kunstansichten“ entstanden, haben sich die „Rumpenheimer Kunsttage“ zum eigenständigen Künstler- und Musikerfest rund ums Schloss entwickelt. Von Reinhold Gries

Das war beim Rundgang durch offene Ateliers, Ausstellungen in Schloss und Innenhof sowie in Privathäusern zu sehen. Da ist Vielfalt angesagt, auch was Niveau-Unterschiede zwischen professioneller und Freizeitkunst betrifft. Das ist von Initiator Robert Elbe und Team so gewollt.

Elbe konnte wegen eines Unfalls am Festival nicht teilnehmen, hatte aber mit Helfern wie Glasfusingkünstler Chris Reinelt, Bildhauer Wilhelm Hardt und Schriftkünstlerin Hannelore Andree die Weichen zeitig gestellt. Für den musikalischen Teil sorgte der musikerfahrene Ingenieur Horst Kriszio, zu hören bei der „Ouvertüre“ in der Schlosskirche, in welcher der Offenbacher Konzertgitarrist Talib Richard Vogl kurzweilige und skurrile Betrachtungen darbot.

Die damit eröffnete Gemeinschaftsausstellung, die jeden Künstler mit einem Exponat vorstellt, ist in der Kirche bis zum 25. September zu sehen (Montag bis Freitag 9 bis 14 Uhr, Samstag ab 18 Uhr, Sonntag ab 15 Uhr). Dort bringt die Finissage weitere Höhepunkte: Am Samstag, 24. September, 20 Uhr, führt Susanne Neumeyer-Kohnen die Lichtbildkunst-Performance „Gegenüber dem Himmel“ auf, samt Tanz, Oboen- und Saxofonklängen. Am Sonntag, 25. September, folgt das Klezmer-Ensemble „Hejbt on“ (16.30 Uhr).

Bildende Kunst

Aber zurück zum Rundgang: Durch den Kunstgarten von Grete Steiner an der Fischergasse, in welchem Bildhauer und Schmied Peter Jakubowsky Skulpturen ausstellte, ging es in die geschmackvolle Wohnhalle. Dort vereinten sich grandios gemalte Maltafeln Margot Hochheimers mit modernen musikalischen Kompositionen zum Gesamtkunstwerk. Bei der Interpretation von Stücken Hindemiths, Dvoraks und Henzes boten Gabriele Scholz am Flügel und Heilpraktiker Joachim Wingenfeld an der Geige professionelle Spielkunst, gefolgt von E-Gitarrenläufen Thomas Müllers.

Im Innenhof des Schlosses, bereichert um Mathias Blocks temporäre Biertisch-Installation „Festzelt“, Manfred Funkes kinetische Plastiken und Detlef Kleinens dekorative Rheinkiesel-Reliefs, verwandelte Multiinstrumentalist Gert Zimanowski Sprache in „Talktone“-Musik – mit exotischen Instrumenten wie Hang, Sansula oder Darabuka.

Bildende Kunst spielte die Hauptrolle, als es vom „Casino“ des Schloss-Westflügels mit Andrea Plefkas fein aquarellierten Figuren und Lucie Heirichs virtuos fotografierten Treppen- und Architekturbildern treppauf zur sogenannten Wohnung empor ging. Dort boten Simplicissimus-Federzeichnungen des renommierten Mühlheimer Karikaturisten Klaus Puth Illustration der Spitzenklasse, gefolgt von Monika Schilms Linoldrucken, Holzschnitten und Malereien, die auch zu den Höhepunkten der Kunsttage zählten. Treppab ging es in massiv überwölbte Tiefkeller des Schlosses, in denen Wilhelm Hardt starkfarbige Buntfenster und filigrane „Lebenslinien“-Materialbilder neben Wolfgang Erbs Farbspielen zu finden waren, oder auch Kornelia Dahlhausens Gemälde, Skulpturen und Keramiken.

Offenbach hat immer Zukunft

In der Bogenhalle des Mausoleums stand ein gedeckter Tisch, an dem niemand sitzen durfte. Kunstvoll bestickte Servietten von Sabine Perez, kürzlich mit dem Hessischen Staatspreis des deutschen Handwerks prämiert, bildeten mit klassischem Gedeck, Plastikstühlen und aus Boxen klingenden Single-Auskoppelungen ihres Ehegatten Daniel Perez eine stille, widersprüchliche Installation, die nachdenklich machte. Wenige Meter weiter, im pittoresken Atelier Wolfgang Uhls an der Schlossgasse, drängten sich Besucher um neue Halsketten, Armreifen und Ringe aus Bernstein, verquarztem Mammutbaumholz und Ostseekieseln. Gut besucht war die Landgraf-Friedrich-Straße, wo nicht nur die BIR erstmals ihre Räume für Kunsttage-Ausstellungen und Erzählcafé geöffnet hatte.

Im „Gelben Haus“ zogen Birgit Palts Porzellanleuchten, Geschirre und Spitzenmuster-Schüsseln ebenso an wie Mocki Plaths und Karin Happels fantasievolle Kreationen. Ausgefallene Hut-Stirnbänder ließen sich auch als Schal oder – bei passender Taille – als Gürtel tragen. Der Rumpenheimer Ideenreichtum setzte sich bis zur Kunstfabrik am Kleinen Gässchen fort, wo die Schreibwerkstatt Klingspor ebenso frequentiert war wie Chris Reinelts Studio mit ofengeformtem Glas. Dazwischen saß Barbara Meyer im Kunstmobil „JuKuMo“ der Jugendkunstschule. Künstlerisch, das war nicht nur dort zu sehen, hat Offenbach immer Zukunft!

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