Wie das Testzentrum in Offenbach-Bürgel auf die Arbeit als Corona-Tester vorbereitet

„Dem Virus etwas entgegensetzen“

Für Louise Oppenländers ersten Abstrich stellt sich Holger Gabel-Thiedig, Leiter des Bürgeler Testzentrums, zur Verfügung.
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Für Louise Oppenländers ersten Abstrich stellt sich Holger Gabel-Thiedig, Leiter des Bürgeler Testzentrums, zur Verfügung.

Seit wenigen Wochen ist das Testzentrum in den Räumen der TSG in Bürgel am Start – und es gibt viel zu tun: Am gestrigen Donnerstag konnten sich etwa die Stadtverordneten vor ihrer Sitzung testen lassen.

Offenbach - Auch in Hinblick darauf, dass bei Öffnungen von Einzelhandel, Gastronomie und anderen Bereichen mittelfristig negative Coronabefunde vorzulegen sind, wird der Bedarf an breiten Testungen auf Covid-19 in der nächsten Zeit steigen, weiß Zahnarzt Moritz Breitenbach. Der Inhaber des Zahnforums Bürgel hat das Testzentrum zusammen mit seinem Partner Hamid Parsanejad in Kooperation mit Paschalis Papadopoulos, Inhaber der Schloss- und der Viktoria-Apotheke in Bürgel, aufgebaut.

Louise Oppenländer ist Schauspielerin und Regisseurin: Die Corona-Pandemie hat die Kulturbranche größtenteils völlig lahmgelegt, die Arbeit in Louises eigentlichem Beruf am Theater liegt seit mehr als einem Jahr auf Eis. Da der Lebensunterhalt weiter verdient werden muss, schlagen Louise und ihr Ehemann Christian Kerkhoff, ebenfalls Schauspieler, sich mit verschiedenen Jobs durch – seit Neuestem auch als Corona-Tester. Über einen Kollegen haben sie von der Möglichkeit gehört, hier im Testzentrum zu arbeiten: „Entweder sitze ich die Zeit ab, bis sich alles wieder normalisiert und drehe durch vor lauter Frust oder aber ich kehre meine Existenzängste und Sorgen um und tue etwas Sinnvolles, um dem Virus etwas entgegenzusetzen“, erklärt Louise Oppenländer.

Doch erfordert die Arbeit im Testzentrum natürlich auch gründliche Vorbereitung: An einem Samstagnachmittag Anfang April versammeln sich die beiden Künstler in einem großzügigen Raum mit etwa anderen 25 Interessenten, die sich vorstellen können, sich im Testzentrum zu engagieren: In einer zweistündigen Schulung erklärt Paschalis Papadopoulos den Bewerbern, was auf sie zukommt, wenn sie in einer der Teststationen tätig werden. In den Zentren für die breite Massentestung gehe es vor allem darum, asymptomatische Corona-Infizierte zu finden, die für die Verbreitung des Virus besonders gefährlich sind, schildert der Apotheker. So können Infektionsketten unterbrochen und größere Ausbrüche verhindert werden. Papadopoulos erklärt den Teilnehmern, welche Schutzausrüstung sie als Tester anlegen müssen - dabei gilt die FFP2-Maske als „das A und O“. Die Ansteckungsgefahr sei durch die Schutzkleidung und die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen recht gering, versichert er glaubhaft.

Dann geht es an den praktischen Teil unter der Aufsicht von Arzt Dr. Hamid Parsanejad: Louise meldet sich freiwillig, um vor der ganzen Gruppe das wattierte Teststäbchen tief in die Nasenhöhle geschoben zu bekommen. Dabei werden detailliert Winkel und Richtung erklärt, in denen das Stäbchen bei dem - für manche nicht ganz angenehmen - Prozedere in den Naseneingang eingeführt wird. Anschließend wird erläutert, wie der Abstrich in der Testflüssigkeit des Antigentests aufgelöst wird und diese Mixtur schließlich auf die Testkassette geträufelt wird, auf der das Ergebnis zu sehen sein wird. Die meisten Ergebnisse im Testzentrum werden negativ sein, aber vereinzelt muss auch mit positiven Tests gerechnet werden: Dann wird die Schutzausrüstung sofort gewechselt und der Testplatz sorgfältig desinfiziert.

Wenige Tage darauf wird es bereits ernst: Louise und Christian finden sich im Testcenter in Bürgel zum „Praktikum“ ein. Ein paar Stunden lang begleiten sie das erfahrene Testteam an den verschiedenen Stationen: Am Empfang werden die Probanden, die in der Regel angemeldet sind, aufgenommen, bei der Auswertung werden die Testergebnisse an die Besucher verschickt. Den zentralen Arbeitsschritt macht der eigentliche Test aus. Es sind nur die ersten Tests, bei denen man noch sehr zaghaft den Weg mit dem Teststäbchen in die Nase sucht: Schnell hat man den Dreh raus und entwickelt ein Gefühl dafür, wie man den Abstrich souverän und möglichst schonend für den Probanden nehmen kann.

„Mit den Praktikanten läuft das eigentlich immer ganz gut“, beschreibt Holger Gabel-Thiedig, Leiter des Testzentrums in Bürgel, die Erfahrungen der letzten Wochen. „Bei der Testung gibt es manchmal Hemmungen, das ist ganz klar, dass sich manche das nicht gleich zu Anfang trauen. Aber die üben das unter Anleitung und testen sich auch gegenseitig.“ Praktikant Christian bestätigt das: „Für mich war es etwas beängstigend, aber die Ärzte haben mich beruhigt und ich freue mich darauf, noch vielen Menschen ein „negatives“ Ergebnis zu präsentieren.“

Nach nur wenigen Stunden sind Louise und Christian soweit und können nach einigen Tagen bereits ihre erste reguläre Schicht im Coronazentrum antreten. Für das Künstlerpaar ist der Job ein befriedigender Ausgleich, denn die viele unfreiwillige Freizeit kann sinnvoll genutzt werden und darüber hinaus werden auch die Einkünfte aufgestockt. Angesichts des steigenden Bedarfs an Testungen ist das Team des Zahnforums noch immer auf der Suche nach weiteren Helfer, die in einem der vier Testzentren in Bürgel, Mühlheim oder Obertshausen arbeiten möchten.

Bewerbung an

bewerbung@medizintestzentrum.de

Von Jan Schuba

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