Rechte bei Gegendemo

Zeigten „Fans“ den Hitlergruß?

+
Nicht alle Demonstranten protestierten so kreativ gegen den Salafismus, auch einige Rechtsradikale sollen sich unter die Gegendemonstranten gemischt haben.

Offenbach - „Deaf, dumb and blind.“ Das Schicksal des jungen Tommy Walker brachte die Musicalfassung der Rockoper von The Who ins heutige Capitol-Theater. Das sorgte für bundesweite Resonanz.

Eine solche gab es wieder am Wochenende nach dem Auftritt des konvertierten Pierre Vogel. Die Textzeile der britischen Rocker wird gestern erneut bemüht. Die Stadt sei „taub, stumm und blind“, lautet der Vorwurf in einem offenen Brief an die Stadt – und zwar gegen Rechtsradikale, welche die Gegendemo als Bühne nutzten. Es ist eine Behauptung, die Widerspruch erfährt. „Nein“, entrüstet sich Bürgermeister Peter Schneider, das sei ein abwegiger Vorwurf. Vielmehr betont der Grünen-Politiker: „Wir wenden uns gegen alle, die unsere pluralistische Gesellschaft angreifen.“ Da mache es keinen Unterschied, ob das politisch oder religiös motiviert sei. Offenbar hatten „40 bis 50 Rechtsextreme“ den Marsch der Gegendemo vom Aliceplatz genutzt, um sich einzureihen und „durch die Polizeisperre an der Kaiserstraße zu kommen“, heißt es in dem offenen Brief.

Für die Verfasserin Rebecca Pini war es ebenso wie für die Linken-Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz leicht, „die Nazis zu erkennen“. Zum einen, „weil sie den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckten, zum anderen weil einige von ihnen Kleidungsstücke der Marke Thor Steinar trugen, die unter anderem der brandenburgische Verfassungsschutz als Erkennungsmerkmal der rechtsextremen und neonazistischen Szene einstuft“. Das hat der Bürgermeister so nicht erkannt. Gleichwohl sei ihm nicht entgangen, dass sich Anhänger rechten Gedankenguts unter Fußballfans mischten. Mit SPD-Landtagsvizepräsidentin Heike Habermann und dem Polizei-Kontaktbeamten Hugo Abe versuchte er, in dieser Situation zu deeskalieren, um einen Konflikt unter den Demonstranten zu verhindern. Laut offenem Brief ist’s zu wenig.

Protest gegen Salafisten in Offenbach

Protest gegen Salafisten

„Dass Nazis so offen demonstrieren können und die Stadt dies nicht einmal als Zwischenfall erkennt und benennt, besorgt mich zutiefst“, so Pini. Schneider betont auch im Namen des erkrankten Stadtrats Felix Schwenke: „Uns ist es außerordentlich wichtig, dass Jugendliche nicht Rattenfängern hinterherlaufen, egal ob es sich bei diesen um Rechtsextreme oder Salafisten handelt. Wir lehnen beide Extreme entschieden ab.“ Dass Schwenke (Pini: „Die drei Affen lassen grüßen“) nicht eingeschritten ist, wird in einer städtischen Mitteilung so erklärt: „Schwenke hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht bei der Gegendemonstration aufgehalten. Er befand sich mit dem Ordnungsamt in unmittelbarer Nähe der Salafisten-Kundgebung, um permanent die Äußerungen daraufhin zu überprüfen, ob ein Abbruch der Veranstaltung möglich ist.“ Daher habe er die Vorfälle nicht mitbekommen.

Die beobachteten unerwünschten Personen seien bekannt. Diese Angelegenheit soll beim Fan-Projekt der Kickers zum Thema gemacht werden. Darüber hinaus riefen sie Augenzeugen auf, die den Hitlergruß beobachteten oder fotografierten, Strafanzeige zu stellen.

Offenbacher Protest gegen Salafistenprediger Pierre Vogel

(mk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion