„Den trägt keiner mehr weg“

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Die Offiziellen spendierten zum Richtfest schöne Worte, die Kinder revanchierten sich mit Gesang und relativer Aufmerksamkeit.

Offenbach - Kein längst vergessener Löschteich aus Beton. Kein Blindgänger aus dem Weltkrieg. Von Marcus Reinsch

Nichts, was Kosten oder Schlimmeres hätte explodieren lassen können: Im Vergleich mit den bösen Überraschungen, die aus dem Erdreich anderer zur Erweiterung bestimmten Offenbacher Schulareale aufgetaucht sind, waren die Funde unter der Waldschule regelrecht langweilig. Gerade mal ein oller Öltank musste aus dem vorderen Bereich des Geländes am Brunnenweg gebuddelt und verschrottet werden; die zwei- oder dreitausend Euro dafür fallen mit Blick auf die Gesamtinvestition nicht ins Gewicht.

Entsprechend gut gelaunt war Bernd Monath - bei der treuhänderisch fürs Bauamt wirkenden Stadttochter EEG (Entwicklung, Erschließung, Gebäudemanagement) Prokurist und Projektleiter - gestern. Da feierten die Offiziellen mit der Schulgemeinde ein kleines Richtfest für den Neubau, den die Waldschule zur Sanierung ihrer Bestandimmobilien spendiert bekommt. Und da versicherte Monath, „dass wir die bewilligten 9,5 Millionen Euro garantiert nicht überschreiten werden“, bevor er sicherheitshalber ein „nach heutigem Erkenntnisstand“ nachschob.

Kommunalpolitik streitet heftig über die Schuldfrage

So eine Botschaft, die der gesunde Menschenverstand als Selbstverständlichkeit werten will, muss mit Blick auf die Kostenentwicklung des Offenbacher Schulbauprogramms schon fast als Glücksfall verkauft werden. Das auf zehn Jahre angelegte Programm war ursprünglich 250 Millionen Euro schwer. Mittlerweile ist schon von 334 Millionen Euro die Rede. Teuerungsrate, Umplanungen, Klassenstärkenreduzierung - so kurz vor der Oberbürgermeisterwahl streitet die Kommunalpolitik heftig über die Schuldfrage.

An der Waldschule muss das niemandem mehr die Freude schmälern oder gar Furcht einflößen vor dem Regierungspräsidium Darmstadt, das als Wächter über Offenbachs dramatischen Schuldenstand ja beispielsweise die Pläne für eine Turnhalle in Bieber-Waldhof auf seine Streichliste gesetzt hat. „Einen Rohbau“, versicherte Oberbürgermeister Horst Schneider gestern, „trägt keiner mehr weg.“ Und Stadtkämmerer Michael Beseler erinnerte daran, dass seit Juli 2010 „die volle Summe“ genehmigt sei.

Für das Geld gibt es in einem ersten Bauabschnitt den Neubau. Der ist nötig, weil die mittlerweile von 260 Schülern in zwölf Klassen besuchte Grundschule fit für den Ganztagsbetrieb gemacht werden muss. Das zusätzliche Gebäude hat im hinteren Teil des Geländes Platz gefunden. Es ist sozusagen tiefergelegt, sodass die Kinder von allen Räumen aus den später neu zu gestaltenden Schulhof erreichen können. Der dank eines Aufzugs barrierefreie Bau wird in Passivhausbauweise errichtet, verbraucht also kaum noch Heizenergie. Er wird eine Caféteria mit Ausgabeküche, Begegnungs- und Betreuungsräume und sanitäre Anlagen sowie in der oberen Etage Computerräume, die Biblio- und Mediothek, Lehrerarbeitsplätze und die Hausaufgabenbetreuung aufnehmen. Direkt nach seiner für Februar nächsten Jahres angepeilten Fertigstellung müssen einige Räume allerdings erstmal Exil-Klassenzimmer werden. Denn dann folgt in den Bauabschnitten zwei und drei die grundlegende Sanierung des eigentlichen Schulgebäudes (Einweihung 1952) und des seitlichen Erweiterungstraktes (1962).

Waldschule war immer schon „architektonisch toll“

Vor allem ersteres gilt dank seiner einzigartigen Glasfassade als architektonisches Kleinod aus einer Zeit, als der Wiederaufbau des im Krieg ziemlich verbeulten Offenbach ansonsten bereits viele hässliche Klötze hervorgebracht hatte. Die Waldschule allerdings war immer schon „architektonisch toll“, verwies Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß auf das Erbe des damaligen Stadtbaurats Adolf Bayer, der mehr als diese eine tröstliche Spur im Stadtbild hinterlassen hat.

Der Gebäudebestand soll also bewahrt werden. Dass der Passivhausstandard des Neubaus hier nicht zu erreichen ist, erklärt sich von selbst. Aber eine energetische Aufmöbelung kann den Energieverbrauch zumindest auf ein Drittel des bisherigen drücken. Außerdem werden Wasser- und Stromleitungen, Beleuchtung, Böden und Dachkonstruktion neu gemacht oder heutigen Ansprüchen angepasst. Und noch etwas ist zwar noch nicht geplant, für OB Schneider aber leicht denkbar: Dass die Stadt der Waldschule ein Stück des angrenzenden Waldes spendiert, damit der Schulhof wieder so groß werden kann wie vorher.

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