Historisch sensibel saniert

Denkmalschutzpreis für Kaiserstraßen-Villa

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1865 wurde die Villa an der Kaiserstraße 102 erbaut und erstrahlt nun im früheren Glanz. 

Offenbach -  In ihrem früheren Glanz erstrahlt die kubische, neoklassizistische Villa an der Kaiserstraße 102, Ecke Goethestraße. Die neuen Eigentümer haben seit 2015 an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude historische Bausubstanz freigelegt und gesichert.

Fenster wurden denkmalgerecht in Anlehnung an die aus der Bauzeit bekannten Abbildungen ersetzt. Dafür zeichnet der Denkmalbeirat der Stadt Offenbach die Eigentümer Jacqueline und Peter R. Luh jetzt mit dem Denkmalschutzpreis 2018 aus.

Die Villa wurde um 1865 vom Bauunternehmen Casimir Hasenbach erbaut. 1890 wurde sie durch einen kleinen, rückseitigen Anbau mit Freisitz erweitert. Charakteristisch ist die gut gestaltete, vierachsige Putzfassade an der Kaiserstraße mit Fenstergewänden in Werkstein sowie die Betonung der Ecken durch leicht vorspringende Risalite. Rechteckige Fenstergewände mit seitlichen Wandpfeilern, ionischen Kapitellen und Eierstabkapitellen, weit vorkragenden Fensterverdachungen und -brüstungen, teilweise mit Balustrade, zeichnen die Fassade aus. Entlang der Goethestraße verfügen die mittleren Fenster über seitliche, heute leere Figurennischen. Als oberer Abschluss ist ein ausladendes Kranzgesims ausgeführt. Erhalten sind ebenfalls die historischen Einfassungsmauern des Grundstückes. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

Das Gebäude befand sich lange Zeit in städtischem Besitz beziehungsweise im Eigentum der GBO und wurde 2015 an die jetzigen Eigentümer veräußert, die in dem Haus drei Mietwohnungen errichteten. Zunächst wurden umfängliche Freilegungsarbeiten durchgeführt, um historische Substanz zu erkennen und zu sichern. Im Inneren waren, zum Teil unter mehreren nicht bauzeitlichen Überarbeitungen, noch bauzeitliche Ausstattungselemente, wie Holzböden, Teile der Lamperie oder Kassettentüren vorhanden.

Zur Legalisierung der Wohnräume im Dachgeschoss wurde ein entsprechendes Genehmigungsverfahren durchlaufen und das Dach neu gedeckt. Sämtliche vorhandenen, nicht denkmalgerechten Fenster wurden mit hohem Anspruch gegen denkmalgerechte Fenster in Anlehnung an die aus der Bauzeit bekannten Abbildungen ausgetauscht. Die Fassade wurde überarbeitet. Vorhandene denkmalgeschützte Substanz, wie die teilweise vorhandene Lamperie oder die Parkettböden, wurden denkmalgerecht saniert oder ergänzt. Neue Materialien wurden sensibel an den Bestand angepasst. Die vollständig erneuerten sanitären Einrichtungen wurden in moderner Form, aber dennoch dem Denkmal gerecht, hergestellt. Ganz aktuell wurde noch die historische Einfriedung restauriert.

Die Arbeiten erfolgten, teilweise in Eigenleistung, in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Ein wichtiges Kriterium des Denkmalbeirats bei seiner Entscheidung für die Preisvergabe zugunsten dieser Liegenschaft war das weit über das übliche Maß hinausgehende private Engagement. Besonders in Hinblick auf den Ausgangszustand und den vorbildlichen Umgang mit der Substanz und das erreichte Ergebnis könne dieses Objekt für andere Eigentümer von Baudenkmälern ein Vorbild sein, sich in vergleichbarer Weise für den Denkmalschutz einzusetzen. Hohes Engagement für die Ziele des Denkmalschutzes und die Schaffung zeitgemäßen (Miet-)Wohnraums trügen zum Erhalt eines im Stadtbild präsenten Baudenkmals bei. Die Preisverleihung ist am Freitag, 19. Oktober, um 17 Uhr im Stadtverordneten-Sitzungssaal im Rathaus, Berliner Straße 100. (pso)

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