Der ewige Waldemar

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Mit einer Gala honoriert die Stadt Offenbach die Leistungen ihrer Athleten.

Offenbach ‐  Ein ergreifender Moment. Als Waldemar Klein, Ehrenpräsident des OFC, für sein beeindruckendes, meist im Stillen vollzogenes Lebenswerk ausgezeichnet wird, erhebt sich das Capitol. Die Gäste der Sportgala zollen Waldemar Klein ihren Respekt. Von Martin Kuhn und Bernd Georg (Fotos)

Es ist kein frenetischer Jubel, der losbricht, sondern langanhaltender, beinahe bedächtiger Applaus. Staatstragend, ist man geneigt zu sagen, obwohl es lediglich um einen Sportfunktionär im besten Sinne geht. Klein, inzwischen 90 Jahre alt und nicht mehr bei bester Gesundheit, bedankt sich, wie es seine feine, wohltuende Art ist: Er verneigt sich vor dem Publikum. Es ist am Hessischen Innenminister Volker Bouffier, die Laudatio zu halten.

Der CDU-Politiker verrät etwas spitzbübisch einen Dialog, der viel über die Person Waldemar Klein verrät. Der 90-jährige gestand dem Minister kurz zuvor, dass ihn der Abend sehr anstrenge, er könne nicht mehr so lange sitzen. „Dann steh’ doch auf“, habe er Klein geraten, mit dem er offenbar schon lange das „Du“ pflegt. Die knappe Antwort des 90-Jährigen: „Das gehört sich nicht.“ Und auch am Mikrofon ist Kleinsche Art zu vernehmen, als er sich ans gut gefüllte Auditorium richtet: „Bitte setzen Sie sich.“ Und dann gesteht er: „Ich bin tief gerührt.“

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Gala für die Offenbacher Welt des Sports

Natürlich geht es um seinen Verein, die Offenbacher Kickers und den geplanten Stadionneubau am Bieberer Berg: „Wir haben endlich eine Perspektive; dafür bin ich dankbar.“ Bekanntlich hatte Klein intensiv für das Projekt geworben – unter anderem in den Wiesbadener Ministerien sowie in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung. Dann holt der Mann, der in Hainstadt wohnt, endgültig den Saal auf seine Seite, als er kurze Lebensstationen aufzählt: „Überall sagt man nur: Der Offenbacher kommt – und darauf bin ich stolz.“

Einen ähnlichen Lokalpatriotismus entwickeln zwei weitere Profis, die in und für Offenbach sportlichen Ruhm sammelten: Schwimmer Dr. Michael Groß, Kicker William „Jimmy“ Hartwig. Im munteren Plausch lernte selbst unser Sportchef Jochen Koch etwas hinzu: „Herr Groß – ihre Karriere begann auf der Rosenhöhe...“ „Nein“, unterbricht ihn der dreifache Olympiasieger, „am Bieberer Berg. Da gab’s das Tambourbad – die Älteren wissen das sicher.“ Den Weg nach Offenbach ebnete dem Sachsenhäuser seinerzeit übrigens ein „aufgeweckter Sportlehrer“. Der schickt den jungen Michael zum EOSC. Und dort fühlt sich der heutige Germanist und Medienwissenschaftler immer noch wohl. „Es ist urig, man kam immer nach Hause. Hier konnte ich stets Michael sein – mehr nicht.“ Was alle anwesenden Athleten interessiert: Wie sah’s mit der Trainingsintensität aus? „Ich bin etwa 38 000 Kilometer geschwommen. Davon 95 Prozent in Offenbach. Da kennt man jede Kachel.“

Früher Kicker, heute Schauspieler

Eine ganz andere Kante ist William Hartwig, den alle nur als Jimmy kennen. Als der Journalist dem „Offenbacher Bub“, der als Jugendlicher seine Fußballkarriere am Berg startete, das Mikrofon überreicht, sagt der: „Das ist gefährlich. Wenn ich’s einmal in der Hand habe, geb’ ich’s nicht mehr her.“ So bricht der einstige Nationalspieler das Eis. Hartwig, der mittlerweile als Theaterschauspieler (Büchners Woyzeck) erfolgreich ist, taucht tief ein in die Lokalhistorie. „Nur der Dieter Müller hat sich damals getraut, mich mit dem Auto nach Hause zu fahren.“ Passend einordnen können das diejenigen, die die Kirschenallee noch als Adresse kennen, um die man in den 70er-Jahren einen weiten Bogen machte. Als Marioth verrufen, als Lohwald gefürchtet, ist das Areal nun als „An den Eichen“ erste Adresse für Häuslebauer. Jimmy Hartwig schmunzelt: „Dort kostet der Quadratmeter angeblich 400 Euro; früher hat man ihn geschenkt bekommen.“

Es lässt erahnen, warum Hartwig mitunter als unangenehmer Mensch erachtet wird, wie er eingesteht: „Ich bin halt ehrlich und sag’ meine Meinung. Ich bin halt kein Akademiker, ich bin ein Offenbacher Fußballer.“ Und er äußert den Wunsch, mal im Capitol mit seinem Stück „Eine Legende auf der Couch“ aufzutreten. „Mache mer, Jimmy!“, ruft ihm der Kulturdezernent, OB Horst Schneider, aus dem Publikum zu. Schauspieler Jimmy hat auch andere Angebote - „als Othello“, sagt er, „das Theater will sich die Farbe sparen.“

Im Mittelpunkt: die 256 erfolgreichen Sportler 2009

Ähnlich kurzweilig ist der komplette Abend, der lediglich im Ehrungsmarathon Längen aufweist. Silvia Stenger (Radio FFH) moderiert professionell, Supertalent-Teilnehmerin Barbara Buchholz lässt ihr Theremin (ein ohne direkte Berührung gesteuertes Elektronikinstrument) erklingen, der Kinder und Jugendzirkus Chicana aus Dietzenbach begeistert mit Akrobatik und Jonglage, die Firedancer heizen anmutig ein, Nicolai Friedrich zaubert nicht nur, er verzaubert das Publikum. Mit verschiedenen Tricks verblüfft er den staunenden Saal; mitunter bleibt nicht mal Zeit für ein kurzes „Aaahh“. M. Schneider-Chefin Anita Ebeling wird sich am Morgen danach noch fragen, wie sie so schnell das finale Puzzleteil der Mona Lisa aus einer zweiten, original verschweißten Packung gefischt hat. Ohnehin im Mittelpunkt: die 256 erfolgreichen Sportler des Jahres 2009.

Daneben gibt’s noch – stellvertretend – eine Auszeichnung für einen der vielen Ehrenamtlichen, die diese sportlichen Höchstleistungen erst ermöglichen. In diesem Fall Karlo Schmiedel. Oberbürgermeister Horst Schneider verleiht ihm die Sportplakette der Stadt. Schmiedel hat sich in um den Segelsport in Offenbach und in Hessen verdient gemacht. Von 1978 bis 1999 war er 21 Jahre im Vorstand des Segelclub Undine, als Jugendwart, Kassenwart und drei Jahre als Vorsitzender. In den Jahren 2000 bis 2006 war er Vizepräsident beim Hessischen Seglerverband und in dieser Funktion für den Geschäftsbereich Leistungs- und Wettsegeln tätig. Seit 2006 ist Karlo Schmiedel Referent für Wettfahrtleiter- und Schiedsrichterausbildung beim Hessischen Seglerverband.

Für Stärkung sorgt Offenbacher Klinik Management

„In all den Jahren“, so Schneider, „leistete Karlo Schmiedel hervorragende ehrenamtliche Arbeit.“ Schmiedel erfülle nach den Vorgaben der Offenbacher Sportförderrichtlinien mit einer über dreißigjährigen, ehrenamtlichen Tätigkeit die Voraussetzungen für die Verleihung der Sportplakette in „beeindruckender Weise“. Der Verwaltungschef vergisst nicht zu erwähnen, dass die Kommune ihren Anteil leistet am Sportgeschehen. Aktuell entwickelt Offenbach das Sportzentrum am Wiener Ring (ehemaliges Tambourbad) weiter, der Baubeginn fürs Sportzentrum Bürgel unter der Regie der dortigen TSG stehe bevor: „Wir entwickeln die Infrastruktur weiter.“

Das und vieles mehr wird munter im Foyer diskutiert, bewertet und entwickelt – sozusagen in der dritten Halbzeit. Für die passende Pausen-Stärkung sorgt das Offenbacher Klinik Management. Die Mitarbeiter reichen Salatteller mit Räucherlachsstreifen, Spießbratenscheiben mit Kartoffelsalat, mediterrane Nudelpfanne. Das ist mindestens so abwechslungsreich wie das Show-Programm...

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