Der Gute unter den Gangster-Rappern

Der Offenbacher Rapper Asik über Kurzerfolge und sein kompliziertes Verhältnis zur Musik

Michail Kolesidis sitzt vor einem Studio Computer und schaut in die Kamera.
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Die Zukunft fest im Blick: Michail Kolesidis alias Asik bei einer Studio Session.

Michail Kolesidis alias Asik hatte zwar einen ähnlichen Werdegang wie manch anderer Offenbacher Rapper, hebt sich textlich aber von vielen Kollegen ab. Im Porträt klärt er auf über Kurzerfolge, sein kompliziertes Verhältnis zur Musik und die Unterschiede zwischen Straßen- und Gangster-Rap.

Offenbach – Wenn einem Michail Kolesidis alias Asik so gegenübersitzt, dann fallen durchaus optische Ähnlichkeiten mit einem anderen Offenbacher Rapper auf. Mit Aykut Anhan nämlich, auch bekannt als Haftbefehl. Wie letzterer ist Asik groß, trägt ebenfalls gerne dunkle Klamotten, rasierter Schädel.

Die Liste der Parallelen lässt sich fortsetzen. Beide sind gebürtige Offenbacher, beide Jahrgang 1985, die Eltern des Einen sind aus Griechenland nach Deutschland gekommen, des Anderen aus der Türkei eingewandert. Tatsächlich spielten Kolesidis und Anhan als Jugendliche in einer Mannschaft Basketball, beim EOSC. Später dann, als sie schon damit beschäftigt waren, ihre Musikkarriere voranzubringen, nahmen sie sogar im gleichen Studiogebäude am Kaiserlei ihre Tracks auf.

Allerdings gibt es dann doch den einen, wichtigen Unterschied: Haftbefehl startete in der Szene durch, platzierte mehrere Alben weit oben in den Charts. Journalisten diskutierten seine Musik, mittlerweile bewirbt er sogar eine eigene Mode- und auch Eistee-Marke. Asik hatte, wie er im Gespräch sagt, seine musikalisch erfolgreichste Zeit zwischen 2007 und 2010. Er spielte auf großen Bühnen, trat bei RTL Hessen auf, absolvierte eine deutschlandweite Promo-Tour für sein Debüt-Album. „Ich habe gedacht, es ist nur eine Frage der Zeit bis zum Durchbruch“, sagt Asik heute. Dann aber sei der ganz große Erfolg einfach ausgeblieben. An seinem Engagement lag es vermutlich nicht, aus Leidenschaft blieb er dem Rap verbunden, feilte kontinuierlich an seinen Texten.

Ein anderer Grund ist da naheliegend und hat mit Asiks Stil zu tun. Während Haftbefehl mit Gangster-Rap genau den Puls der Zeit zu treffen schien, macht Asik, so nennt er’s, „Straßen-Rap.“ Durchaus ein Gegensatz. Denn seine Texte arbeiten zwar auch mit harter, unzensierter Sprache und drehen sich oft um Kriminalitätserfahrungen. Gleichzeitig will er vermeiden, diese zu glorifizieren. Im Gegenteil. Er möchte Menschen davon überzeugen, auch unter Druck standfest zu bleiben, will seinen Hörern zeigen, wohin Kriminalität allzu oft führt: ins Nichts. „Die meisten Jungs, die ich vom Marktplatz kannte, sind im Knast oder wurden abgeschoben“, sagt er.

In Haftbefehls Songs sind häufig strukturelle Faktoren wie Rassismus und Perspektivlosigkeit Auslöser für ein Leben, in dem sich der Protagonist nur mit illegalen Mitteln über Wasser halten kann. Auch Asik erkennt einen Systemfehler, wenn Menschen in Vollzeit arbeiten und trotzdem nicht über die Runden kommen. Er versteht den Antrieb, diesen Teufelskreis mit allen Mitteln verlassen zu wollen.

Seine Musik soll dennoch davor warnen, auf die schiefen Bahn zu geraten. Und trotz allem glaubt er auch an die Verantwortung des Einzelnen für sein Schicksal, will nicht immer nur die Begleitumstände sehen.

So stand er mit Anfang 20 selbst an einer Weggabelung, die Schillerschule hatte er längst abgebrochen, erledigte Aushilfsjobs, bekam Ärger mit der Polizei. Für seine Mutter, zu der er schon immer ein enges Verhältnis hatte, habe er sich dann aber entschieden aufzuhören mit den „dreckigen Sachen.“

Als Zuhörer muss man nicht alles richtig finden, was Asik erzählt. Im Gespräch fällt aber trotzdem auf, dass er authentisch auftritt, sich nicht verstellt. Er hinterlässt den Eindruck, offen für Diskussionen und andere Perspektiven zu sein. Bleibt dennoch eine letzte Frage: Sieht er, der vor Jahren seine letzte EP veröffentlicht hat und jetzt für eine Sicherheitsfirma arbeitet, die Musik mittlerweile nur noch als Hobby? Asik zuckt zusammen. Wenn Musik etwas für ihn sei, dann bestimmt nicht das. Für sie habe er schließlich Schule und Ausbildung geschmissen. „Mein Herz schlägt dafür, das ist alles, was ich will.“

Am 28. Oktober erscheint Asiks neue Single „Uff“ als Youtube-Video, dann auf Spotify. In der nächsten Zeit will er regelmäßig Songs veröffentlichen. Auf Instagram ist er als ASIK OFFICIAL (@asikrap) zu finden. (Julius Fastnacht)

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