„Der Mensch ist das Problem“

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Immer weniger Aufträge gehen an die Abschleppzentrale.

Offenbach - Transparenz scheint beim Verein Verkehrssicherheit Hessen-Thüringen keine allzu große Rolle zu spielen.

Eine eigene Webseite betreibt der VSHT nicht, Hinweise auf ihn findet man nur auf den Seiten des Verbands der Bergungs- und Abschleppunternehmen in Deutschland (VBA). Gegründet wurde der Verein Ende der 90er Jahre auf Betreiben des thüringischen Wirtschafts- und Innenministeriums, um „schnell Unfälle von den Straßen runter zu bekommen“, wie Dietmar Hoffmann vom Landesverbands des Kfz-Gewerbes in Thüringen sagt. Mitglied sind unter anderem alle deutschen Automobilclubs, Präsident des VSHT ist der Vizepräsident des ADAC Hessen-Thüringen, Siegfried Wetterau.

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Im Auftrag der Ministerien betreibt der Verein die sogenannte Abschleppzentrale. Hierfür bedient er sich eines Dienstleisters, der Erfurter Firma WSI GmbH. Die zuvor beauftragte Firma war vor gut zwölf Jahren in Bestechungsvorwürfe gegen die hessische und thüringische Polizei bei der Auftragsvergabe verwickelt. Ziel des Betreiberwechsels war es, künftig eine Vorteilsnahme im Amt frühzeitig im Keim zu ersticken. „Hierzu wurde eine unabhängige Zentrale geschaffen und ein Raster, innerhalb dessen möglichst alle Unternehmen berücksichtigt werden, ohne dass es zu langen Wartezeiten kommt“, erklärt Hoffmann und ergänzt: „Dieses System versucht so gerecht zu sein wie möglich.“ „Wie gut das funktioniert, kann ich aber nicht beurteilen“, gibt Hoffmann zu. „Den menschlichen Faktor können wir nicht ausschalten.“

Offiziell äußert man sich zu Vorwürfen gegen einzelne Polizeidienststellen zwar nicht, doch unter vorgehaltener Hand kritisieren auch Mitglieder im VSHT die Auftragserteilung seitens der Behörden. Verwunderlich sei insbesondere die geringe Vermittlungszahl: „An einem Wochenende passieren mehr Unfälle, als im ganzen Monat an uns gemeldet werden.“ Generell sei die Auftragsübermittlung in den vergangenen zehn Jahren um knapp 30 Prozent in Hessen, in Thüringen gar um die Hälfte zurückgegangen.

Für die Region nennt das Offenbacher Polizeipräsidium folgende Zahlen: Demnach wurden im Jahr 2012 insgesamt 2 270 Abschleppvorgänge im Präsidiumsbezirk, im vergangenen Jahr 2 160 Abschleppungen (davon 389 im Stadtgebiet Offenbach) registriert. Welches Unternehmen in der Folge tatsächlich einen Auftrag ausgeführt hat, könne jedoch „nicht in allen Fällen“ recherchiert werden. Experten weisen allerdings darauf hin, dass viele Autofahrer Mitglied in einem Automobilclub sind oder über einen Schutzbrief verfügen. Damit werden clubeigene oder die sogenannten Silbernen Engel (die Assistance-Dienste der Versicherungen) direkt beauftragt – zulasten freier Unternehmer. 

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