„Wald&Wiese“

Traditionslokal kämpft ums Überleben - Betreiber will durchhalten

Neue Theke und modernes Ambiente: Stefano Motta hat die Vereinsgaststätte der SG Rosenhöhe umgebaut, auf der Speisekarte stehen aber nach wie vor hessische und deutsche Gerichte zu bezahlbaren Preisen.
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Neue Theke und modernes Ambiente: Stefano Motta hat die Vereinsgaststätte der SG Rosenhöhe umgebaut, auf der Speisekarte stehen aber nach wie vor hessische und deutsche Gerichte zu bezahlbaren Preisen.

Das Lokal der SG Rosenhöhe ist eine Institution in Offenbach. Für den Betreiber ist es vor allem ein brutaler Kampf gegen die Corona-Folgen - und gegen die Sehnsucht seiner Stammgäste.

Offenbach – Stefano Motta ist in große Fußstapfen getreten: Er hat im Juli 2020 das Traditionslokal der SG Rosenhöhe übernommen. Es war der Start in einer Pandemie, deren Dauer damals noch nicht absehbar war. Mittlerweile gehört er zu den Kollateralschäden einer in Sachen Corona-Bekämpfung irrlichternden Politik. Doch Aufgeben ist für Motta keine Option.

„Hoffentlich macht ihr bald auf.“ Die Senioren stehen an diesem sonnigen Dienstagmorgen am Rolltor des Restaurants „Wald & Wiese“ auf der Rosenhöhe. Sie blicken neugierig auf die Eisdiele und die vielen Tische der Außengastronomie, ein ebenfalls neugieriger Rennradler auf Zwischenstopp gesellt sich hinzu: Er würde jetzt gern mal ein Bier trinken, sagt er.

Lokal der SG Rosenhöhe zuvor 48 Jahre im Familienbetrieb

Stefano Motta, der derzeit täglich solche Begegnungen mit Zaungästen hat, kann zumindest teilweise die Hoffnung erfüllen: „Die Eisdiele ist täglich von 13 bis 19 Uhr offen, kommt doch später noch mal vorbei“, schlägt der gebürtige Offenbacher mit sizilianischen Wurzeln vor.

Am 1. Juli des vergangenen Jahres hat Stefano Motta die Vereinsgaststätte der SG Rosenhöhe übernommen. Sie war zuvor 48 Jahre ein Familienbetrieb; die Schuhmanns hatten das Restaurant neben der Sportanlage der SGR zu einer gastronomischen Institution geformt.

Lokal Wald&Wiese: Stefano Motta nimmt den Kampf gegen Corona an

Er habe nicht gezögert, als ihm im Sommer 2019 zu Ohren kam, die Schuhmanns wollten sich als Pächter zurückziehen, erzählt der heute 36-jährige Motta, der seit 2007 in der Gastronomie arbeitet und als Jugendtrainer bei der SGR tätig ist. Er habe natürlich in der Pandemie angefangen, räumt Stefano Motta ein. Doch es habe die Hoffnung gegeben, dass nach drei, vier Monaten alles vorbei sein werde. Statt der Öffnung kam im November aber der Lockdown inklusive Kurzarbeit für seine Beschäftigten. Mittlerweile fühle es sich schwieriger an durchzuhalten, bekennt Motta, der mit Blick zurück feststellt: „Wir haben bald Einjähriges.“

Trotz der Situation – in das ganz große Klagen seiner Branche will er nicht einstimmen. „Ich habe so viel Kraft, Liebe und nicht zuletzt Geld investiert, ich nehme den Kampf an“, sagt der Gastronom. Tatsächlich hat er die Vereinsgaststätte innen total umgekrempelt. „Kein Wasser- und Stromkabel hat überlebt, nur die Decke ist geblieben, wie sie war“, berichtet er. Die rustikale Atmosphäre ist einem „zeitlos modernen Ambiente“ gewichen, wie Motta formuliert. Zum umgestalteten Gastraum gesellen sich im hinteren Bereich eine Lounge samt Tischkicker, ein Tagungsraum sowie komplett renovierte Toiletten.

Waldgaststätte fällt bei Corona-Hilfen durch jedes Raster

Die Befürchtungen früherer Stammgäste des Vereinslokals, es gebe künftig nur noch Pizza und Pasta auf der Rosenhöhe, kann Stefano Motta entkräften. Kulinarisch folgt er im „Wald & Wiese“ seinen deutsch-italienischen Wurzeln. Der Fokus der Speisekarte liegt auf hessischer und deutscher Küche aus regionalen Zutaten, ergänzt durch mediterran inspirierte Gerichte. „Und es bleibt bei bezahlbaren Preisen“, versichert er.

Bei den Corona-Hilfen für seine Branche ist Motta durch fast jedes Raster gefallen. So hat er 2020 noch keine Umsätze gehabt, die als Basis für Nothilfen hätten dienen können. Und auch bei der Beantragung eines Existenzgründerzuschusses habe es zunächst Schwierigkeiten gegeben. Mittlerweile sei der gewährt worden. Die SGR, betont Motta, komme ihm bei der Pacht entgegen, „ansonsten halte ich mich mit Rücklagen und mit der Unterstützung meiner Familie über Wasser.“ Zudem habe er sein Auto verkauft. Jetzt fährt er Fahrrad.

Traditionslokal der SG Rosenhöhe hat Platz für 300 Gäste

Stefano Motta erzählt das alles in ruhigem Ton, sein Frust über die geltenden Corona-Regelungen kommt nur selten hoch. „Ich habe hier im Außenbereich Platz für maximal 300 Gäste. Es wäre also ohne weiteres möglich, 50 Besucher corona-konform im Biergarten zu bedienen. Beim Frisör ist der Kontakt bestimmt enger“, ärgert sich Motta über nicht nachvollziehbare Beschränkungen. Zumal er schon etliche Anfragen für Feiern oder Hochzeiten gehabt habe, die dann bestimmt zum Teil unkontrolliert im privaten Räumen veranstaltet worden seien.

Wenigstens das läuft: In seiner Eisdiele „Mamma Lucia“ bietet Stefano Motta täglich selbst gemachte Leckereien an (links). „Wald & Wiese“ hat er die am 1. Juli 2020 übernommene Vereinsgaststätte getauft.

Ein Lichtblick ist für ihn „Mamma Lucia“. Die am 1. April eröffnete Eisdiele am Rande des großen Biergartens sei von Beginn an im Konzept vorgesehen gewesen. „Allein um den Kindern etwas zu bieten“, so Motta. Der gelernte Gelatieri zaubert selbst gemachte Eiskreationen, was mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Jeden Tag steht er um 6 Uhr auf, um frisch zu produzieren. „Salziges Karamell-Eis war in den letzten Tagen der Renner“, sagt Eismacher Motta.

Vergangenes Wochenende standen sie erstmals Schlange bei „Mamma Lucia“, zuvor hatte er wegen des Wetters praktisch keine Einnahmen aus dem Eisverkauf. Optimistisch blickt Stefano Motta auf die wärmeren Tage. Wie gesagt: Geöffnet ist die Eisdiele täglich von 13 bis 19 Uhr. (Von Matthias Dahmer)

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