„Der Supergau für die Region“

Offenbach - Der Frust stand den Frauen und Männern, die gestern Mittag zu Hunderten zur Betriebsversammlung von „manroland“ kamen, bereits ins Gesicht geschrieben, als sie durchs Tor gingen. Kein Wunder, die miese Nachricht hatte sich herumgesprochen. Von Marc Kuhn

Einsilbig waren die meisten. Von schlechten Gefühlen war die Rede. Die Gespräche über die Zukunft des angeschlagenen Druckmaschinenherstellers seien wohl gescheitert, vermutete Giuseppe Ferro, seit 28 Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt. Die vergangenen drei Jahre seien sehr anstrengend gewesen, sagte Jörg Dietzel. Jedem sei viel abverlangt worden, fügte der 52-jährige Ingenieur hinzu. Mehrarbeit, Verzicht auf Gehalt - am Ende hat es nicht gereicht. Über die Insolvenz von „manroland“ informierte Finanzvorstand Ingo Koch die Belegschaft bei der Versammlung - beantragt um 10. 20 Uhr in Augsburg. Dort, wie auch am Standort des Druckmaschinenbauers in Plauen wurde die Belegschaft parallel zur Veranstaltung in Offenbach informiert.

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Schon nach zehn Minuten verließen die ersten frustriert die Betriebsversammlung. „Die Stimmung ist beschissen“, erklärte einer. „Ein schönes Weihnachtsgeschenk“, meinte ein anderer. „Eine Schweinerei.“ Nach der Veranstaltung entlud sich die ganze Wut der Frauen und Männer, die seit Jahren mit Einbußen und Ergänzungstarifverträgen für ihre Firma gekämpft hatten. Spontan blockierten etwa 300 Mitarbeiter von „manroland“ die Mühlheimer Straße. „Wir Roländer kämpfen um unseren Standort und unsere Arbeitsplätze in Offenbach“ stand auf dem Transparent, das sie vor sich trugen. „Wir fordern ein Fortführungskonzept für ,manroland’. Wir fordern den Erhalt unserer Arbeitsplätze“, erklärte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, unter den Pfiffen aus Trillerpfeifen der Mitarbeiter. Die Anteilseigner Allianz Capital Partners (ACP) und MAN sollten ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden.

Bilder von den Protesten der „manroland“-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

„Wir sind verzweifelt“, sagte die Offenbacher Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel. „Wir sagen aber, dieses Unternehmen kann fortgeführt werden.“ Sie forderte vernünftige Konzepte, die mit dem Insolvenzverwalter erarbeitet werden sollten. „Wer die Region in Offenbach kennt, weiß, wie wichtig das ist. Wir hoffen auf die Landesregierung, mit der es bisher schwierig war, in Kontakt zu treten. Wir hoffen auch auf die Unterstützung von ACP und MAN, dass sie den Arbeitnehmern in dieser Stunde beistehen.“ Es bleibe nur die Hoffnung, erklärte Roßel. Spontan setzte sich dann ein Protestzug der Mitarbeiter von „manroland“ in Bewegung. Bis zum Werk von GKN Driveline marschierten sie und zurück. Derweil staute sich der Verkehr bis nach Mühlheim, und auch in Richtung Offenbach standen die Autos.

„Mir tun die Kollegen leid“, sagte ein Mann, der seit den 80er-Jahren bei „manroland“ arbeitet und nicht namentlich genannt werden will. „Die Manager haben nicht zusammengearbeitet“, lautet sein Vorwurf. Sie hätten die Werke in Offenbach, Augsburg und Plauen gegeneinander ausgespielt. Dann weist er auf die Autos auf dem großen Parkplatz an der Mühlheimer Straße. „Die stehen da bald nicht mehr drauf.“

„Das ist der Supergau für die Kollegen und die Region“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Roßel. „Ich glaube, keiner hat damit gerechnet, dass es so schlimm kommt.“ IG-Metall-Chefin Weber zeigte sich „sehr geschockt“ und fügte hinzu: „Das ist eine Riesenkatastrophe für die Betroffenen und ihre Familien.“ Für November würden sie bereits Insolvenzausfallgeld bekommen, ebenso für Dezember und Januar. Weber mahnte zu Ruhe und Besonnenheit. Die Zeit sollte genutzt werden, um sich Gedanken über die langfristige Fortführung von „manroland“ zu machen.

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