„Der Unsinn macht Spaß“

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Aus Presseleuten werden kleine Kinder - manche Teilnehmer wollten gar nicht mehr aufhören.

Offenbach - Lägen Triumphzüge von Feldherren heute noch im Trend, käme für Kriegsführer der Neuzeit eventuell ein Segway in Betracht. Denn ein Merkmal des antiken Ritus nach gewonnenem Händel liegt im Zusammenspiel von Statik und Bewegung. Von Stefan Mangold

Der Feldherr steht auf einem fahrenden Wagen und blickt mit starren Zügen in die jubelnden Massen. Zumindest kommt die Szene in jedem anständigen Römerfilm vor. Doch Obacht! Bevor der Imperator einen Segway dem Pferdewagen vorzieht, sollte er üben. Ansonsten gäbe er eher ein wackliges, denn ein heroisches Bild ab.

So wie ich beim Selbstversuch vor dem OF-Infocenter am Salzgässchen. Die Mühlheimer Firma Hammerschick hatte Presseleute eingeladen. Maik Hammerschick bietet seit vier Jahren in Frankfurt und im Taunus Rundfahrten auf den elektrisch betriebenen Stehrollern an und weitet sein Geschäftsfeld auf Offenbach aus.

An sich interessieren mich Fahrzeuge wie chinesische Reissäcke. Einmal fragte ich jemanden, wann die S-Bahn in Offenbach gebaut worden sei. Der begründete seine Unkenntnis mit dem Hinweis: „Ich bin Autofahrer.“ Auf dem Weg zum Termin überlege ich im Bus, ob es auch solche gibt, die inbrünstig betonen: „Ich bin ein Segwayfahrer“ und während der Touren tatsächlich ein bisschen so gucken wie Cäsar beim Triumphzug nach dem Sieg über die Piraten in einem der Asterixbände.

Hammerschick weist jeden einzeln ein. Das ist nötig. Simpel aufsteigen und losfahren ginge nicht. Wer voran will, beugt sich vor, wer halten möchte, leicht zurück. Doch nicht zu viel, sonst geht die Fahrt nach hinten los. Hammerschick warnt vor dem Abstieg. Wer den Lenker nicht gerade halte, laufe Gefahr, sich mit dem Gefährt am Fuß um die eigene Achse zu drehen. „So blöd werde ich nicht sein“, denke ich.

Bei der historisch ersten Zugfahrt von Nürnberg nach Fürth bekamen die Teilnehmer bei 30 Stundenkilometer einen Geschwindigkeitsrausch. Das Segway soll bis 20 Kilometer schnell sein. Mit dem Auto fahre ich selten über 120. Jetzt gebe ich Vollgas. Einen Rausch bekomme ich nicht, einen Geschwindigkeitsschwips schon. „Der Unsinn macht Spaß“, notiere ich innerlich.

Dann fahren wir hintereinander auf dem Radweg der Berliner Straße über die Herrnstraße in den Hof des Büsingpalais. Volker Hohmann, ein Mitarbeiter des Verleihers, hält dort einen kulturhistorischen Vortrag. Eine Kollegin der schreibenden Zunft hört tatsächlich zu. Der Rest rast rum. Ich will absteigen, um meine Kamera aus dem Rucksack zu holen. Anscheinend habe ich den Lenker doch nicht so gerade gehalten, wie es gut gewesen wäre. Jedenfalls tritt ein, vor dem Hammerschick gewarnt hatte. Das Ding dreht sich und ich auf einem Fuß mit. Nach der dritten Runde schaffe ich es, zu stoppen.

Am Sheraton treibt ein anderer Tester Unfug. Er brummt durch die Drehtür und bleibt mehrmals stecken. Die Gruppe überlegt, ihn seinem Schicksal zu überlassen, falls er sich nicht befreien kann. Eine Kollegin fährt bedächtig den kleinen Hügel vom Hotel herab. Die meisten schweren Unfälle verursachen Männer, geht es mir bei dem Anblick durch den Kopf.

Zurück im Salzgässchen kurvt eine Stadtverordnete im einsetzenden Regen so lange hin und her, bis Hammerschick ihr den Segway abnimmt.

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