„Der wirtschaftliche Druck steigt“

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Viele Städte klagen, aber Offenbach trifft es besonders hart. Wie sehr die Finanzlast des Klinikums der überschuldeten Stadt Sorgen bereitet, macht Kämmerer Michael Beseler deutlich.

Offenbach ‐ Von Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider kommt ein überraschend klares Bekenntnis zum „Klinikum in städtischer Hand“. Von Peter Schulte-Holtey

Trotzdem bringen die vielen negativen Meldungen zum Rettungsplan Nr. 1, einer baldigen Fusion mit den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden, Beobachter und Beschäftigte des Klinikums ins Grübeln. So stößt die Arbeit der Verhandlungsgruppen Offenbach/Wiesbaden weiter auf heftige Kritik. „Es kommt nicht voran. In den politischen Gremien wird anscheinend auf Zeit gespielt - bei den Verhandlungen treten wir auf der Stelle“, hieß es gestern bei einer Pressekonferenz der Gewerkschaft Verdi, die vehement für eine Verbundlösung in kommunaler Trägerschaft kämpft.

Und es gibt weitere Rückschläge: „Dass die Regierungskoalition in Wiesbaden inzwischen geplatzt ist, lässt ahnen, dass es zu weiteren Verzögerungen bei den Gesprächen zwischen Verantwortlichen in den beiden Städten kommen wird“, warnen Experten. „Wenn man keinen Ansprechpartner hat, dann kann man auch nicht verhandeln.“

„Privatisierung die schlechteste Lösung“

Dass man in beiden Kliniken längst über die Folgen einer möglichen Privatisierung intensiv diskutiert hat, wird von Gewerkschaftsvertretern nicht verschwiegen. Von den HSK wird berichtet, dass die Ärzteschaft dort mehrheitlich nicht abgeneigt sei, sich sogar Vorteile von einem Verkauf an Konzerne wie Asklepios, Rhön-Kliniken oder Helios verspricht. Holger Renke, Betriebsratsvorsitzender in Offenbach, kann das fürs Klinikum nicht bestätigen: „Ich habe den Eindruck, dass bei uns die Ärzteschaft und die Mitarbeiter in der Pflege bei einem Verkauf an einen privaten Klinikbetreiber eher mit Nachteilen rechnen. Viele können sich vorstellen, dass dann auf den Stationen u. U. die examinierten Pflegekräfte in der Minderheit sind.“ Nach seinen Angaben schauen die Beschäftigten in Offenbach inzwischen auch mehr als früher auf die Arbeitsbedingungen, weniger aufs Geld.

Experten der Gewerkschaft Verdi gehen fest davon aus, dass eine Privatisierung die schlechteste Lösung für beide Kliniken wäre. Sie befürchten Nachteile für die Versorgung der Patienten, weil teure, aber medizinisch wichtige Bereiche dem privaten Gewinnstreben zum Opfer fallen könnten. Private wollen Gewinne machen zu Lasten der flächendeckenden ärztlichen Versorgung - so lautet immer wieder das Hauptargument gegen eine Krankenhausprivatisierung. Trotz aller Bedenken, die Klinikkonzerne sind weiter am Drücker. Und die zunehmenden Finanzprobleme der Kommunen kommen ihnen gerade recht.

Maximalversorgung und Notaufnahme rund um die Uhr

Viele Städte klagen, aber Offenbach trifft es besonders hart. Wie sehr die Finanzlast des Klinikums der überschuldeten Stadt Sorgen bereitet, macht Kämmerer Michael Beseler deutlich: „Sicherlich steigt der wirtschaftliche Druck, das gilt bundesweit für alle Kliniken. In Berlin werden ständig neue Gesundheitsreform-Ideen entwickelt, die den Kostendruck maßgeblich zu Lasten der Krankenhäuser und der Versicherten verteilen.

In den Krankenhäusern wiederum wird qualifiziertes Personal und eine gute Ausstattung benötigt. Die Maximalversorgung und eine Notaufnahme rund um die Uhr verursachen mehr Kosten als ein spezialisierter Praxisbetrieb. Die Erstattungen für die Leistungen sind aber teilweise nicht kostendeckend.“

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