Eigenes Lastenfahrrad entworfen

Design für alle Gelegenheiten

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Schick, schnell, schadstofffrei: Helena Reinsch und ihr praktisches Lastenrad.

Offenbach - Radfahren verbindet Sportlichkeit mit umweltfreundlichem Fortbewegen. Dass sich Nutzen und Design nicht ausschließen, beweist Helena Reinsch, Studentin an der Hochschule für Gestaltung. Sie hat ihr eigenes Lastenrad entworfen und gebaut. Von Eva-Maria Lill

Der weiße Flitzer ist ein echter Hingucker. Wenn Helena Reinsch mit ihrem Lastenrad um die Ecke biegt, drehen sich Köpfe, es wird gestaunt. Das Besondere dabei: Das schicke Gefährt ist Marke Eigenbau und bisher ein Unikat. Seit zwei Jahren studiert die 22-Jährige Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung. Die Idee, ein Rad zu entwerfen, geistert ihr allerdings schon länger im Kopf herum. Bereits 2011 absolviert sie ein Praktikum bei der renommierten Rad-Manufaktur Patria in Bielefeld. Dort knüpft sie gute Kontakte zum Chef Jochen Kleinebenne. „Er hat mir gesagt, dass ich gern wiederkommen kann, wenn ich etwas bauen möchte“, erzählt Helena Reinsch. Einige Jahre später greift sie auf das Angebot zurück:

„Ich muss für Projekte an der HfG häufig große Gegenstände transportieren. An einem Nachmittag habe ich eine Gasflasche auf meinem Rennrad-Lenker durch die Straßen balanciert. Das war der Punkt, an dem ich dachte: Jetzt ist Schluss. Ich brauche ein Lastenrad.“ Ein Auto ist für die umweltbewusste Studentin keine Alternative. Auch die auf dem Markt etablierten Lastenräder von Bullitt oder Bakfiets kommen für sie nicht in Frage: „Die Rahmen sind eher für Männerkörper gemacht, oder es wird mit dem Transport kleiner Kinder geworben. Wieso gibt es nichts dazwischen?“ Rasch ist die Entscheidung getroffen, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen: „Ich bin gern ein unabhängiger Mensch und habe das Gefühl, mich im Design entfalten zu können“, verrät die gebürtige Berlinerin.

Nicht nur praktisch, sondern schick

Etwa einen Monat lang verbessert sie mit Hilfe von Kleinebenne ihren Entwurf: „Mir ging es vor allem darum, ein Unisex-Rad zu entwerfen, das für alle Personengruppen nützlich ist.“ Dabei entscheidet sie sich bewusst für das Material Stahl: „Patria ist eine Manufaktur, welche alle Rahmen per Hand baut. Das Gestell wird klassisch aus vermufften Stahlrohren zusammen gelötet. Zwar sind Aluminium und Carbon sehr leicht, aber die Verarbeitung ist wesentlich schadstoffreicher als die von Stahl.“ Auf Umweltschutz kommt es Helena Reinsch besonders an: Sie sieht das 1,70 Meter lange Rad als echte Alternative zum Auto „Die Ausrede, schwere Einkäufe nicht auf den Gepäckträger zu bekommen, zählt nicht mehr.“ Das Rad ist nicht nur praktisch, sondern auch schnell und schick. Helenas komplette Wohngemeinschaft leiht es gern, um Partyeinkäufe, Freunde oder Möbelstücke hin und her zufahren.

„Nächstes Jahr im Sommer möchte ich mit dem Rad verreisen. Am liebsten nach Holland, da sind die Menschen alle so radverrückt wie ich“, schmunzelt die Designerin. Bereits in ihrer Kindheit hat die Studentin ihre Leidenschaft fürs Radeln entdeckt: „Stundenlang habe ich zusammen mit meinem Vater die Tour de France geschaut. Mein Held war Marco Pantani“, erzählt sie. Gerade ist Helena Reinsch dabei, ihr eigenes Label zu gründen: Binko Bike. Darüber soll ab nächstem Sommer eine Kleinserie von etwa 15 Exemplaren ihres Lastenrads verkauft werden. Auch bei Pedalinski an der Kaiserstraße 92 wird das Rad im Laden stehen. Das genaue Startdatum und der Preis stehen allerdings noch nicht fest.

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