Sebastian Herkner schöpft seine Ideen aus Handwerkskunst

Design mit allen Sinnen

Er ist ein Superstar in der Design-Szene, deshalb durfte Sebastian Herkner „Das Haus“ für die Internationale Möbelmesse in Köln Anfang des Jahres entwerfen. Ein Teil des Konzepts stammte aus der Nachbarschaft des Produktgestalters.

Offenbach - Weber in Kolumbien, Flechter in Simbabwe, Glasbläser im Bayerischen Wald. Für seine Produkte ist der in weltweiten Fachkreisen gefeierte Designer Sebastian Herkner immer auf der Suche nach den besten Manufakturen des Planeten. Nun hat der Offenbacher HfG-Absolvent zum ersten Mal mit einer Firma aus Offenbach gearbeitet. Von Sarah Neder

Manchmal, wenn der Wind von Osten pfeift, weht eine Brise Lavendel und ein Hauch von Rosen ins Westend. Dann macht Sebastian Herkner in seinem Studio alle Fenster auf, schließt die Augen und atmet tief durch die Nase. Wenn Kappus seine Seifen macht, riecht Offenbach wie die Provence. Sebastian Herkner, 35, ist momentan einer der gefragtesten Produktdesigner. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wir treffen ihn in seinem Atelier an der Geleitsstraße: Er trägt einen grauen Pullover, Jeans und Turnschuhe. Die Regale in seinem Büro wirken weniger minimalistisch als sein Outfit. Bis unter die Decke stehen getöpferte Vasen, asiatische Handbesen, kugelförmige Leuchten, flache Kartons.

„Das Haus“ auf der internationalen Möbelmesse sollte mit allen Sinnen wahrnehmbar sein, deshalb ließ Herkner das Bad mit Seifenstücken von Kappus fliesen.

Ein Teil der Gegenstände sind eigene Kreationen, manche halbfertig, andere Prototypen, angelehnt an Handwerkskunst aus aller Welt. Sebastian Herkner hat schon mit Webereien in Kolumbien zusammengearbeitet oder Körbe mit Frauen in Simbabwe hergestellt. „Solche Fertigkeiten inspirieren mich sehr“, sagt Herkner. Eine andere Ideenquelle sind Souvenirs. „Ich bringe viel von meinen Reisen mit“, sagt Herkner. In manchen Wochen fliegt er bis zu fünf Mal ins Ausland, bleibt für eine Nacht in Tokio, hält einen Vortrag über seine Arbeit vor Studenten in Florenz.

2006 hat sich Herkner selbständig gemacht, noch vor dem Diplom an der Hochschule für Gestaltung (HfG). 2012 zündet seine Raketenkarriere mit dem „Bell Table“, einem Beistelltisch mit einer Platte aus Messing und einem Fuß aus Rauchglas, der in einer urigen Bläserei im Bayerischen Wald gefertigt wird. Dort beherrsche man das Handwerk mit Bunt-Glas am besten, meint Herkner. Die Sonne scheint, also raus in den Innenhof. Kurzer Geruchstest: Heute gibt’s keinen Wind, also auch keinen Seifenduft.

Herkner, der fürs Studium aus seiner Heimat Bad Mergentheim nach Offenbach gezogen ist, erzählt von einem seiner bisher größten Projekte: Für die internationale Möbelmesse in Köln hat er „Das Haus“ entworfen. Wände, Böden, Stoffe, Möbel, Dekoration – alles hat der gebürtige Württemberger selbst gestaltet und weltweit produzieren lassen. Ein Produkt aus Offenbach, sagte er sich, müsse unbedingt auf der Kölner Möbelmesse einziehen: Kappus-Seifen. „Das Haus sollte alle Sinne ansprechen, also nicht nur optisch und haptisch wahrnehmbar sein, sondern auch über den Geruch“, erläutert Herkner, „Ich wollte Seife neu denken!“

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Sein Plan: die Badezimmerwände mit dem Offenbacher Produkt fliesen. „Ich habe Herrn Kappus angerufen und ihm erzählt, was ich machen möchte. Er war sofort begeistert“, erinnert sich Herkner. Auf Kosten der Kölner Möbelmesse und nach der Vorstellung des Designers hat die Firma Kappus dann eine längliche Form bauen lassen, in der die Seifen-Bausteine gegossen wurden. „In jedes Stück war das Logo des Hauses eingeprägt“, schildert Herkner. Auch den Duft hat er bestimmt: Die Seife sollte nach Rose und Lavendel riechen – wie das Westend bei Ostwind.

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