Design aus dem Hinterhof

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Ulrike Pohlenz gehört zum kreativen Nachwuchs der Stadt. Ihr neuster Coup heißt Parlando und ist ein Schmuckstück für Knöpfe.

Offenbach ‐ Ulrike Pohlenz hat einen Traum. Schritt für Schritt arbeitet sie daran, ihn zu verwirklichen. Dabei schaut sie aufmerksam nach rechts und links und vor allem in die Hinterhöfe Offenbachs. Von Katharina Platt

Ulrike Pohlenz ist Grafikerin und weiß, dass sie nicht die einzige ist, die zum kreativen Potential ihrer Heimatstadt gehört. Immer wieder stößt sie auf Kollegen, die in kleinen Büros, zugigen Ateliers oder im heimischen Wohnzimmer über Designideen brüten. Die 25-Jährige wünscht sich die Vernetzung all dieser Talente. Sie weiß, wo es hakt: Viele haben keine Plattform sich zu präsentieren, kein Forum, in dem sie sich austauschen oder zusammentun können. Zur Zeit arbeitet Ulrike Pohlenz an einem „Blog“, einem Internet-Tagebuch, der dies alles erleichtern soll. Wenn er fertig ist, hofft sie auf möglichst viele Gleichgesinnte, um dem kreativen Potential der Stadt ein Gesicht zu geben.

Wunsch nach kleinen Läden in der Innenstadt

Die junge Frau macht sich beim Blick auf Offenbachs Innenstadt Sorgen. Anstelle der vielen Wettbüros und Teleshops wünscht sie sich kleine Läden, die hochwertige Handarbeiten und kreative Designartikel verkaufen. „Das würde Offenbach bereichern.“ Ihr Lieblingsort dafür wäre das Viertel hinter dem Wilhelmsplatz. „In der Karl- und Wilhelmstraße entwickelt sich gerade eine spannende Szene“, meint sie. Die Grafikerin schätzt das Ambiente auf dem Wochenmarkt. „Dort nimmt man sich immer Zeit für ein Schwätzchen,“ sagt sie. Schon einige kreative Köpfe habe sie zwischen Obst und Gemüse kennen gelernt und außerdem die besten Rezepte zugesteckt bekommen.

Ihr Atelier in der Ludwigstraße 12 würde sie nie gegen ein schickes Loft in Frankfurt eintauschen wollen. Ihre Eltern haben aus einer alten Gerberei zwei großzügige Häuser für Design- und Medienagenturen geschaffen. Roter Backstein, Stahl und Glas fügen sich zu einer modernen Architektur. Schon wieder: ein Schmuckstück im Hinterhof.

Am Main muss man sich künstlerischen Erfolg erarbeiten

Neun Monate lebte und arbeitete Ulrike Pohlenz in Berlin. Außer guter Ideen hatte sie bei ihrer Heimkehr die traurige Einsicht im Gepäck, dass es Kreative in Berlin leichter haben, als in Offenbach. „In Berlin malt einer einen Strich und ist ein Künstler“, sagt sie. Am Main müsse man sich seinen künstlerischen Erfolg erst erarbeiten. Hindernis auf dem Weg zum etablierten Kreativen seien auch die hohen Mietpreise, meint sie. Und dennoch sprüht die 25-Jährige vor Ideen. In ihrem Atelier warten unzählige ihrer Arbeiten auf Nachfrage. Für Frankfurt hat sie ein Geschenkpapier entworfen, das die Wahrzeichen der Stadt zeigt. Den Römer, ein Geripptes, ein Bembel, der Fernsehturm. Für eine Offenbacher Variante sind die Entwürfe bereits fertig, nur der Mangel an Abnehmern verhindert die Produktion. „Ich muss in einer hohen Auflage produzieren, damit das Papier nicht zu teuer wird“, erklärt sie. Denn erschwinglich sollen ihre Kreationen auf jeden Fall bleiben. Auch wenn hochwertige Handarbeit und unzählige Arbeitsstunden dahinter stehen.

Erst graviert und dann vergoldet

Bei der jungen Frau steckt Liebe im Detail. Vielen Elementen, die sie in ihren grafischen Arbeiten aufgreift, ist sie in ihrem Privatleben begegnet. Mit offenen Augen und Spürsinn läuft sie durch die Stadt. Auch wenn sie auf Papeterie spezialisiert ist, ist „Parlando“, ein von ihr entwickeltes Schmuckstück, zu ihrem Markenzeichen geworden. Zärtlich streicht sie mit ihren Fingern über das kleine goldene Gehäuse, das man über einen handelsüblichen Knopf stecken und seinem Outfit so eine individuelle Note verleihen kann. Ein Feinmechaniker aus Preungesheim setzt ihr Konzept um. Ob als Kette oder als Knopf-Veredler, Parlando macht neugierig. „Deswegen auch der Name“, erläutert die junge Offenbacherin. „Parlando kommt vom italienischen Begriff „parlare“ (Sprechen) - man kommt schnell ins Gespräch.“ Parlando wird erst graviert und dann vergoldet oder versilbert. Denn nur so platze die Galvanisierung nicht ab und auch das Initial wird mit veredelt. Wer ein Exemplar auf der Internetseite der Diplom-Kommunikationsdesignerin bestellt, erhält es liebevoll verpackt.

Informationen gibt es auf der Internetseite von Ulrike Pohlenz.

Studiert hat die junge Frau an der Academy of Visual Arts in Frankfurt. Auch als Dozentin war sie dort schon tätig. Ihrer Diplomarbeit hat sie einem selten gewordenen Kleidungsstück gewidmet. „Das Aussterben der Kittelschürze“ heißt nun ein Buch, das sie gerne verlegen würde. Das literarische Kleinod beweist, dass die alten Formen und Muster heute aktueller sind denn je. „Allerdings hat sich das Frauenbild verändert“, sagt Ulrike Pohlenz. Und dennoch seien die Menschen auf der Suche nach Nostalgie-Milieu, das sich in trendigen Designs findet.

Weil sie noch nicht von ihrer Kunst leben kann, betreut sie internationale Messeauftritte junger Designer. Doch schon bald, so hofft sie, werden die jungen Kreativen aus ihren Hinterhöfen kommen und die Stadt nicht mehr nur im Stillen mit ihren Ideen bereichern.

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