Kreativ im Hinterhof

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In den Räumen der IHK präsentieren die Gewinner noch bis 9. Oktober ihre Werke. Während sich Simone Lippold die Exponate anschaut, interessiert sich Töchterchen Ella-Sophie doch mehr für das, was der Fotograf gerade macht. Der Wettbewerb „Made in Offenbach“ war von der städtischen Wirtschaftsförderung und unserer Zeitung ins Leben gerufen worden.

Etwas war anders an diesem Donnerstagabend in den dezent gediegenen Räumen der IHK: Wo sonst die Welt mittels Bilanzen, Umsatzzahlen und Beschäftigungsquoten erklärt wird, wurden Visionen gehandelt. Von Matthias Dahmer

Aussichten auf ein Offenbach, das auf dem Wege ist, zum kreativen Zentrum der Rhein-Main-Region zu werden; Hoffnungen auf ein neues Hafenviertel, in dessen Mittelpunkt die Hochschule für Gestaltung, deren Strahlkraft mindestens bis ins Nordend reicht. Anlass des kollektiv gefühlten Neuanfangs für die einstige Lederstadt war die Eröffnung der Ausstellung „Design made in Offenbach“, die noch bis zum 9. Oktober bei der IHK in der Frankfurter Straße 90 zu sehen ist.

13 Finalisten eines im Sommer 2008 von der städtischen Wirtschaftsförderung und unserer Zeitung initiierten Wettbewerbs präsentieren dort ihre Werke. Die Exponate geben einen Einblick in die Vielfalt unternehmerischer Ideen in der Stadt. Insgesamt waren 400 Firmen der Kreativwirtschaft angeschrieben worden, 70 hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Unter den Finalisten ist der Architekt, der mit energetischer Fassadensanierung überzeugen konnte, ebenso zu finden wie der Unternehmensberater, der personalisierte Siegelringe entwirft, oder auch die junge Firma, die Tapeten nach Kundenwunsch fertigt.

Offenbach die Stadt für kreative Menschen

Unsere Zeitung widmete in einer Serie allen Preisträgern und ihren Produkten ausführliche Porträts, die in einer demnächst erscheinenden Broschüre zusammengefasst sind. Mit der Ausstellung finde der Wettbewerb seinen Höhepunkt, formulierte Helma Fischer, Vize-Präsidentin der IHK, in ihrer Rede zur Begrüßung der mehr als 100 Gäste. Nach ihrer Ansicht bietet Offenbach beste Voraussetzungen für kreative Menschen.

Der IHK, so Fischer, falle dabei die Aufgabe zu, die Ideen in wirtschaftliche Konzepte umzusetzen. Dass es an denen schon jetzt nicht mangelt, skizzierte Oberbürgermeister Horst Schneider. Offenbach als „zweite Kernstadt der Metropolenregion Rhein-Main“ mache sich auf, neue Märkte zu erschließen, geriet Schneider ins Schwärmen angesichts der beeindruckenden Vielfalt dessen, was in der Stadt produziert und erdacht werde.

Dem konnte und wollte sich auch Frank Pröse, Chefredakteur unserer Zeitung, nicht verschließen. Man sei gerne Medienpartner des Projekts, weil in der Kreativwirtschaft die Zukunft der Stadt liege. Selbst Frankfurt, so Pröse, erkenne mittlerweile neidlos an, dass die kreative Subkultur in Offenbach zu Hause sei.

Ob und wie sich die oftmals in Hinterhöfen geborenen und hochgelobten Ideen tatsächlich auf Offenbach auswirken, hat eine Studie der Uni Trier 2007 untersucht. Jürgen Amberger, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, zitiert gerne daraus: Rund 1.000 Unternehmen mit 4.500 Arbeitsplätzen sind in der Kreativwirtschaft entstanden. Die Ausstellung in der IHK bilde dabei nur ein Feld ab, werfe Schlaglichter auf einen nur schwer fassbaren Wirtschaftszweig.

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