Vom Designer zum Schaf-Papa

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Der Offenbacher Marek Blaha will mit seinen Cartoons groß rauskommen.

Offenbach - Die frisch renovierte, mit Biene Maja-Motiven bemalte Kinderzimmerwand musste dran glauben. Ein schwarzer Filzstift in den Händen des dreijährigen Jungen sorgte für eine begeisterte kindliche Malorgie und eine verzweifelte Mutter. Von Veronika Szeherova

Jetzt, 24 Jahre später, ist Marek Blaha immer noch am Zeichnen. Statt der Wand malt er inzwischen ein Computerdisplay an, denn der Offenbacher ist Mediengestalter mit Schwerpunkt Design. Doch seine Leidenschaft ist das Zeichnen von Cartoons. „Mit einem einzigen Bild, einem Satz, den Betrachter zum Lachen zu bringen, das ist das Reizvolle“, schwärmt Blaha. Zeichnerisches Talent, Humor und Kreativität besitzt er. Den Durchbruch hat der junge Künstler noch nicht geschaft.

Obwohl vor zwei Jahren sein Talent offiziell bestätigt wurde: Mit Blahas Nominierung für den deutschen Cartoonpreis. Mit dem Bild „Ausziehen“ schaffte er es bis in die Finalrunde, war bei der Frankfurter Buchmesse dabei. „Das brachte mehr Klicks auf meine Homepage“, schmun     zelt der Cartoonist.

Seine Lieblingsfigur ist das Schaf „Shepherd“, dessen Bilder zuhauf die Wände der Wohnung von ihm und seiner Freundin zieren.

Geboren wurde Marek Blaha im tschechischen Sokolov in der Nähe von Karlsbad. Als er in der ersten Klasse war, zog es seine Mutter der Liebe wegen nach Offenbach. „Ich konnte damals natürlich kein Wort Deutsch“, erinnert er sich. Auch wenn die Sprache bald kein Problem mehr war: „Ein guter Schüler bin ich nie gewesen“, gibt er zu. „Nur Kunst und Sport hatte ich richtig gern.“ Nach dem Hauptschulabschluss machte Blaha zunächst eine Ausbildung zum Sozialassistenten. „Doch ich merkte, dass ich damit nicht wirklich das tun kann, was mir Spaß macht“, sagt er. Eigentlich habe er sich als Schüler nie Gedanken gemacht, was er beruflich machen wolle. Lieber verzierte er seine Schulhefte mit Krakeleien, malte sogar mal ein Bild, anstatt eine Matheklausur zu schreiben. „Mit Zahlen und Formeln hatte ich es nie“, sagt Blaha. Kinofilme waren sein Ding.

Acht Jahre lang jobbte er im Kino. „Bis heute sind Filme meine wichtigste Inspirationsquelle“, verrät er. Ein Kollege aus dem Kino war es auch, der Blaha von der Gutenbergschule in Frankfurt berichtete, einer Berufsschule für angehende Druck- und Medientechniker. Blaha schaffte die Aufnahmeprüfung auf Anhieb.

„Im theoretischen Teil war ich furchtbar, im praktischen Teil klappte es aber umso besser“, erinnert er sich lächelnd. Nach drei Jahren Pauken gab es das Fachabi. Seine Gestaltungslehrerin empfahl ihn danach der August-Bebel-Schule Offenbach (Zweigstelle Steinheim). Dort wurde er schließlich zum Mediengestalter für digitale Printmedien, Schwerpunkt Design, ausgebildet. Den betrieblichen Teil machte er bei der Firma Schwindt-Design in Mainhausen. Dort arbeitet er heute noch. Als Verpackungsdesigner. Cartoons zu zeichnen ist für ihn deshalb der perfekte Ausgleich zur Arbeit. Richtig gelernt hat er diese Kunstform nie. „An der Gutenbergschule lernten wir verschiedene Techniken, das war sehr hilfreich bei meinem bis dahin eher unprofessionellen Vorgehen“, sagt der 27-Jährige bescheiden. So entwickelte er allmählich seinen eigenen Stil, den er selbst „Comic-Cartooniker-Stil“ nennt.

Seine Lieblingsfigur ist das Schaf „Shepherd“, dessen Bilder zuhauf die Wände der Wohnung von ihm und seiner Freundin zieren. Blaha: „Ich habe es ursprünglich für meine Mama gezeichnet, denn sie liebt Schafe. Dann fielen mir immer mehr Pointen ein, die ich mit dieser Figur verbinden konnte.“

Außer bei Filmen entwickelt er die meisten Ideen bei Treffen mit Freunden. „Wenn wir einfach nur Mist reden, entstehen die witzigsten Sachen“, verrät er. Aber oft brauche er auch nur Momente der Ruhe, um die Kreativität wieder anzukurbeln. „Am besten kann ich die Gedanken frei machen, wenn ich ziellos durch den Wald gehe oder nur dasitze und die Tapete anstarre“, verrät der Offenbacher. Und auch die Werke und Lebensläufe von Cartoongrößen wie Joscha Sauer („Nicht lustig“), Ralf Ruthe („Shit happens!“), Bill Waterson („Calvin and Hobbes“) schaut er sich immer genau an. „Besonders Waterson ist ein phänomenaler Geschichtenerzähler“, kommt Blaha ins Schwärmen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite von Marek Blaha.

In Zukunft möchte er weiter an seiner Homepage arbeiten, regelmäßiger und mehr Werke einstellen. Gelegenheitsaufträge, wie zuletzt eine Kinowerbung oder Flyer für eine Anti-Fluglärm-Aktion, bringen zwar Abwechslung in seinen Mediengestalter-Alltag. Sein größter Wunsch ist es aber, Illustrator zu werden. Ob Fantasy, Science-Fiction oder Lustiges, er würde alles zeichnen. „Außer vielleicht ein Mechaniker-Handbuch.“

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