Designobjekte aus Offenbach auf Ambiente

+
Die Besteckkollektion VELA hat der Offenbacher Designer André Stocker für den Traditionshersteller WMF gestaltet.

Frankfurt - Die U- und S-Bahnen sind gerammelt voll, Staus rund um den Messeturm. Es ist wieder Messezeit in Frankfurt. Handelt es sich zwar nicht um die Aushängeschilder Internationale Automobilausstellung oder Buchmesse, so zieht doch auch die Konsumgütermesse Ambiente das Fachpublikum in ihren Bann. Von Axel Wölk

In diesem Jahr werden bis Dienstag etwa 145.000 Besucher auf dem Gelände an der Festhalle erwartet.

Das Publikum und die 4543 Aussteller kommen aus aller Herren Länder. Da überrascht der Auftritt eines ugandischen Unternehmens oder die schiere Masse an chinesischen Ständen. Selbst das krisengeschüttelte Griechenland schickt mehr Aussteller nach Frankfurt als im Vorjahr. Und unter den weitgereisten Herstellern aus fünf Kontinenten blitzen immer wieder auch Vertreter aus dem Kreis Offenbach auf.

Einer von ihnen ist André Stocker. Der Designer aus der Lederstadt hat in diesem Jahr die Besteckkollektion VELA für den Traditionshersteller WMF gestaltet. Seine Produkte verblüffen durch Einfallsreichtum für im Prinzip doch ziemlich simples Esswerkzeug. Stocker widerspricht denn auch: „Essen kann man zelebrieren.“ Und mit seinen Häppchenlöffeln können Hausherr und Hausdame ihre Gäste schon zum Staunen bringen. Auf den großen, geschwungenen Löffeln wird ein Appetitanreger serviert und nach dem Verzehr werden diese gleich wieder abgeräumt. Stolz ist Stocker auch auf seinen mit Löchern perforierten Salatlöffel. Mit ihm lässt sich beim Schöpfen das Essen gleichzeitig abtropfen. Eine Vertreterin des Besteckproduzenten WMF versichert: „Das gibt es so noch nicht auf dem Markt.“

Nüchterne Formen liegen im Trend

Aroma_ID aus Offenbach zeigt auf der Ambiente ein Vogelhaus.

Zwei Aussteller weiter prangen auf dem Auerhahn-Stand die Vogelhäuser eines weiteren Offenbachers. Carsten Küber von aroma_ID bringt mit seinen beiden Varianten des Garten- und Balkonutensils den Minimalismus ins verlängerte Wohnzimmer. Nicht viel mehr als ein schwarzes Dreieck sowie ein durchsichtiger Futterspender bleiben von den einst detailliert ausverzierten Vogelhäusern übrig. Nichts wirkt mehr vertraut, konservativ und anheimelig. Das Dach über dem Kopf für Piepmätze wird ganz auf seine Funktionen reduziert. „Die nüchterne Form, durchaus mit viel Technik, befindet sich ganz im Trend“, sagt Küber. Bei Auerhahn sieht der Leiter des Produktmanagements Hans-Peter Schuon das ähnlich, bangt aber auch ein wenig: „Das ist Neuland für uns.“ Zu den funktionellen Besonderheiten des Vogelhauses zählt ein Abfluss in der Mitte der Futterablage, damit die Körner und Sonnenblumenkerne nicht mehr nass werden. Ob das eine 70-jährige Rentnerin überzeugt? Schuon winkt ab: „Wir zielen eher auf junge, moderne Haushalte.“

Beide Publikumsgruppen bedient Starkoch Johann Lafer. Er wird am Montag auf dem Ambiente-Stand der De’Longhi-Schwestermarke Kenwood kochen und seine neue Stabmixer-Kollektion vorstellen. De’Longhi stammt ebenfalls aus einem Ort im Kreis Offenbach: Seligenstadt. Der Stabmixer mit seinen drei Schneiden und seinem extrasicheren Spiralkabel ist eines der Vorzeigeprodukte von Kenwood. Aber eigentlicher Hingucker soll die Küchenmaschine aus der Prospero-Reihe sein. Sie gewann den Kücheninnovationspreis.

Eisbergerprobte Schwimmkerze aus Hamburg

Während die Offenbacher bei den etablierten Größen in Halle 3 ausstellen, überrascht die kleine Hamburger Firma donkeyproducts in Halle 11 bei den Neuheiten mit pfiffigen Ideen. Geschäftsführer Florian Berger und sein Team entwickelten zum hundertsten Jahrestag eine Titanic als Schwimmkerze. „Die sinkt wirklich nicht“, versichert der Jungunternehmer. 100 Prozent eisbergerprobt. Für leichtere Touren haben die Hanseaten eine Fahrradtasche auf Lager, die sich über die Querstange spannen lässt. Mögliches Zielpublikum: Junge Leute, die ihr Ausflugsbier lieber vor als hinter sich sehen.

All diese Besonderheiten dürften auch ein breites Publikum interessieren. Bei der Messe Frankfurt sperren sich die Verantwortlichen aber gegen eine Öffnung für jedermann. Die Ambiente sei für Fachbesucher - wie etwa Einkäufer, die gleich großes Auftragsvolumen ordern - gedacht. Stocker meint: „Es herrscht vor der Ambiente immer viel Geheimhaltung. An den Messetagen werden die großen Geheimnisse dann gelüftet.“ Gerade das macht die Ambiente so begehrt.

Kommentare