Waldhofstraße: Abschreckende Holperpiste

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An manchen Stellen hat sich der Belag der Waldhofstraße komplett aufgelöst. Radfahrer müssen aufpassen. Ein Schild (unten) warnt, doch es gab schwere Stürze.

Bieber - Der Anblick mutet teilweise an wie eine Mondlandschaft. Bis zu 20 Zentimeter tiefe Krater, Geröll, Unebenheiten. Nur, dass es sich nicht um den Erdtrabanten handelt. Sondern um die Waldhofstraße in Bieber. Von Veronika Schade

Der Zustand der Waldhofstraße ist seit Jahren desolat. Unter der Holperpiste leiden Passanten und Ausflügler. Bei Radfahrern kam es allein in den vergangenen Monaten zu zwei Stürzen mit schweren Folgen. Eine Frau brach sich den Arm, ein sechsjähriges Mädchen zog sich eine Blutvergiftung zu, wie der Vater Stefan Joha am Redaktionstelefon mitteilt. „Es muss dort endlich etwas passieren, die Straße ist gefährlich!“

Auch die ansässigen Vereine leiden unter der Situation. Für die Mitglieder des Kleingartenvereins (KGV) Lehmfeld, der auf seinen Anlagen entlang der Straße über 358 Gärten verfügt, ist die Fahrt zu ihrem Garten ein einziges Ausweichen und Geruckel. Für den Wirt der Vereinsgaststätte „Zur Heumache“ geht es mittlerweile gar um die Existenz. „Er hat eine Mietminderung beantragt, weil sich kaum noch Leute her trauen“, sagt der Vorsitzende Rolf Krämer. Dabei seien die Gäste stets zufrieden gewesen, würden gern weiterhin das Lokal aufsuchen. „Aber die Buckelpiste schreckt sie ab. Ein Rollstuhlfahrer beispielsweise kann gar nicht kommen“, bedauert er.

Für Krämer hängt mit der Straßensituation ein weiteres Problem zusammen, mit dem der KGV jedes Frühjahr zu kämpfen hat – die Überschwemmungen auf dem Vereinsgelände. „Die Wurzeln der Bäume heben die Asphaltdecke an, verstopfen Entwässerungsgräben, das Wasser kann nicht abfließen.“ 15.000 Euro habe der Verein für eine Rinne ausgegeben. Mappen, die sich über Jahre angesammelt haben, zeugen von seiner Korrespondenz mit verschiedenen Ämtern. Eine Lösung des Wasserabfluss-Problems will der Stadtdienstleister ESO mit dem Umweltamt und weiteren Genehmigungsbehörden erarbeiten.

Erste Schritte zur Ausbesserung der Straße wurden ebenfalls getan. „Die schlimmsten Löcher haben sie vor zwei Wochen mit Teer aufgeschüttet“, lobt Krämer, fürchtet aber, dass dies nicht lange hält. Diese Befürchtung untermauert ein ESO-Schreiben vom 5. März, in dem es um mögliche Reparaturen geht: „Leider werden straßenbauliche Maßnahmen in dem Bereich durch fehlende Kanalisation / Oberflächenwasserableitung in Verbindung mit ungünstigen Höhenverhältnissen erschwert. Dadurch ist ein einfaches Verfüllen der vorhandenen Schlaglöcher nicht von langer Haltbarkeit.“

„Flickarbeiten im Rahmen der Möglichkeiten“

ESO-Sprecher Oliver Gaksch bezeichnet die Maßnahme als „Flickarbeiten im Rahmen der Möglichkeiten“ und weiß: „Eigentlich müsste die Straße grundsaniert werden.“ Doch dafür fehle das Geld. Es gebe eine mit der Stadt abgestimmte Prioritätenliste, die sich nach Haupt-, Neben- und Zufahrtsstraßen aufteile. „So hart das für die Betroffenen ist, die Waldhofstraße steht dort, da sie nicht stark frequentiert ist, recht weit unten.“ Entscheidend sei das Gefahrenpotenzial, das von dem Straßenzustand ausgehe. „In Offenbach gibt es viele Straßen, die der Reparatur bedürfen“, so Gaksch. Dass dafür nicht genug Geld zur Verfügung stehe, sei kein rein kommunales, sondern ein landesweites Problem.

Der ESO prüfte, ob eine Reparatur der Waldhofstraße mit dem sogenannten Mastix-Verfahren – mehrschichtigem Einschlämmen von Gussasphalt –, möglich ist. Doch der Untergrund erwies sich als nicht gerade genug. Einen kleinen Trost hat Gaksch: „In den nächsten Tagen kommt dort unser Patcher, ein Spezialfahrzeug für Schlaglöcher, zum Einsatz.“

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