Sofort ein privater Betreiber

Details zum zweiten Erstaufnahmelager in Offenbach 

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Die bestehende und die künftige Flüchtlings-Unterkunft sind im Offenbacher Kaiserlei nicht weit voneinander entfernt. Aus logistischer Sicht ist das für OB Horst Schneider ein großer Vorteil, was die freiwilligen Hilfs- und Betreuungsangebote angeht.

Offenbach - Auf Anweisung des Landes Hessen bereitet sich die Stadt Offenbach darauf vor, im kommenden Jahr noch eine sogenannte Überlaufeinrichtung in Betrieb zu nehmen.

Denn das ehemalige Honeywell-Gebäude an der Kaiserleistraße 39 soll voraussichtlich ab Februar 2016 Obdach für 1000 Menschen sein. Seit Oktober 2015 betreibt das Land Hessen in Offenbach eine Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen. Diese Unterkunft in einer Gewerbehalle hat nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt mit knapp 900 Personen (darunter 156 Frauen, 210 Kinder und 35 unbegleitete Jugendliche) inzwischen ihre maximale Aufnahmekapazität erreicht. Mehr Menschen können dort, so die Einschätzung des Betreibers (Arbeiter-Samariter-Bund), aufgrund der hohen Zahl der Familien und um ein Mindestmaß an Privatsphäre zu gewährleisten, nicht aufgenommen werden. Zwar hat sich zwischenzeitlich die Flüchtlingsbewegung nach Mitteleuropa etwas entspannt. Dennoch erreichen weiter täglich neue Asylsuchende Hessen. Sie müssen innerhalb der Landesgrenzen auf Kommunen und Kreise verteilt werden.

Auf Geheiß aus Wiesbaden muss sich deshalb auch Offenbach darauf vorbereiten, 2016 eine weitere Erstaufnahme-Dependance für bis zu 1000 Asylsuchende anbieten zu können. Wie die Stadt mitteilt, wurde aufgrund festgelegter Kriterien und in Absprache mit dem Land das ehemalige Honeywell-Gebäude an der Kaiserleistraße 39 ausgewählt. Es ist kurzfristig verfügbar, bietet die notwendige Infrastruktur (Einzelräume, Sanitäreinrichtungen) und eine bauliche Übersichtlichkeit, die aus praktischen Gründen für einen solchen Betrieb notwendig ist. Oberbürgermeister Horst Schneider erläutert: „Die Entscheidung, eine zweite Flüchtlingsunterkunft im Kaiserleigebiet einzurichten, liegt allein in den genannten Voraussetzungen begründet, die dieses Gebäude erfüllt.“ Und er macht ganz klar, dass die Stadt damit nicht glücklich ist: „Als Stadt betrachten wir solche Großunterkünfte, die kaum Privat-, geschweige denn Intimsphäre bieten, unabhängig vom Standort als sehr unglückliche Lösung.“

Skepsis gegenüber Großunterkünften

Für die Kommunen gebe es jedoch kaum eine andere Möglichkeit, den vielen tausend Schutzsuchenden kurzfristig ein Dach über dem Kopf und eine gesicherte Versorgung zu bieten. In einem Schreiben an die Unternehmen in der Nachbarschaft wirbt die Stadt um Verständnis und Unterstützung für diese Entscheidung. Um zu verhindern, dass erneut Offenbacher Katastrophenschützer über Wochen Einsatz leisten müssen, soll vom ersten Tag an ein privates Unternehmen den Betrieb an der Kaiserleistraße 39 übernehmen; für die Sicherheit ist Frank Bartensteins BWS zuständig, die bereits den Objektschutz dort inne hat. Im September und Oktober waren die Helfer bei der vom Land verordneten kurzfristigen Einrichtung von Notunterkünften an drei Offenbacher Schulen an ihre Belastungsgrenze gestoßen.

„Mir war es bei der Planung diesmal sehr wichtig, dass wir den Katastrophenschutz entlasten“, versichert Schneider. „Deshalb hilft die Feuerwehr Offenbach nur bei der baulichen Vorbereitung und der Inbetriebnahme der Einrichtung.“ Mit den übergeordneten Behörden ist vereinbart, dass der Betrieb frühestens Ende Januar startet und die Unterkunft perspektivisch als weitere Außenstelle vom Land übernommen wird. Wie bei der bestehenden Unterkunft an der Kaiserleistraße 19 sollen die Flüchtlinge auch im ehemaligen Honeywell-Gebäude nur solange in Offenbach verweilen, bis sie sich registriert und einen Asylantrag gestellt haben. Danach werden sie vom Land entsprechend dem Königsteiner Schlüssel auf andere Gebietskörperschaften verteilt, wo sie sich dauerhaft niederlassen können.

Archivbilder:

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Dessen ungeachtet bereitet sich auch die Stabsstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe auf die Ankunft der weiteren Flüchtlinge vor. Die Bildungs- und Betreuungsangebote, die viele Freiwillige aus Offenbach bereits für die Menschen an der Kaiserleistraße 19 ins Leben gerufen haben, sollen auch für die neuen Asylsuchenden in der Nachbarschaft zugänglich sein. „Dabei profitieren wir aus logistischer Sicht durchaus von der Nähe der beiden Unterkünfte zueinander“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider.

tk/pso

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