Ein deutliches Votum

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In Rumpenheim reicht das Hochwasser bis an die Bebauung. Die Fähre, wie immer am Ufer festgemacht, scheint ab gewissen Pegelständen inmitten des Mains zu liegen. Auch hier ist der bestehende Schutz nicht mehr geeignet, eine Flut aufzuhalten, die rechnerisch lediglich alle 200 Jahre einmal anschwillt.

Rumpenheim ‐ „Des mache mer net...“ Henning Hehner bringt auf den Punkt, was die Rumpenheimer beschäftigt; zumindest diejenigen, die zum Ortstermin erscheinen. Fachleute aus der Verwaltung und Ingenieurbüros vermitteln die Auswirkungen einer Deichertüchtigung für den Stadtteil. Von Martin Kuhn

Anders als in Offenbach herrscht eigentlich Einvernehmen, wie das technische Problem zu lösen ist. Was Hehner an diesem Nachmittag mit den Anwesenden ablehnt, ist eine Variante, die einen fünf Meter breiten und gut 150 Meter langen Kahlschlag im Schlosspark nach sich ziehen würde. Und da ist bei vielen Rumpenheimern eine Diskussion beendet, ehe sie angefangen hat. Jürgen Neubeck, Fachbüro ipr Consult Neustadt, erklärt geduldig Situation und Varianten entlang des Schlossparks. Dort ist klar zu sehen, wo die Zuständigkeiten für den Hochwasserschutz wechseln. Im Abschnitt, für den das Land Hessen als Eigentümer zuständig ist, markiert ein gegossener Betonsockel samt Zaun die finale Bastion gegen ein Mainhochwasser, das rechnerisch alle 200 Jahre ansteigt. „Auf diese Höhe müssen wir kommen“, sagt Neubeck und lenkt die Blicke weiter in Richtung Schloss Rumpenheim. Ein mit Moos überzogenes Mäuerchen bildet den städtischen Schutz: „Das ist alles nicht mehr standsicher.“

Eine Rodung lehnen alle ab

Eine mögliche Ausbau-Variante (Kosten: 1 Million Euro): Sicherung der wasserseitigen, nicht mehr standfesten Mauer sowie Erhöhung und Sanierung der beschriebenen, zurückgesetzten Mauer am Schlosspark, durch Einbau einer Spundwand. Der feine Unterschied liegt nicht allein im Erscheinungsbild: Zur Anlage eines Deichverteidigungsweges in der vorgeschriebenen Breite von fünf Meter entlang der neuen Spundwand im Park könnte eine Rodung notwendig sein. Im Sachstandsbericht ist von etwa 750 Quadratmeter „Waldbestand“ im Rumpenheimer Schlosspark die Rede. Und das lehnen eigentlich alle ab.

Alternativ (Kosten: 800 000 Euro) wird eine Spundwand vor der bestehenden Mauer am Mainraduferweg mit entsprechender Erhöhung eingepresst. Eine Verklinkerung mit Naturstein (ähnlich der Bürgeler Schöffenstraße) würde das Bild abrunden; der Anschluss an den sogenannten Landesdeich würde mit mobilen Elementen erfolgen. Spundwände und Stahlbetonbalken, die die Aluprofile aufnehmen, verschwinden unter einer etwa fünf Zentimeter hohen Splittschicht. Ähnlich erfolgt die Sicherung am Schloss selbst. Das findet allgemeinen Zuspruch.

„Huch, da ist ja der Main!“

Dann marschiert die Gruppe in die Untergasse; rechts in einen Hof, links zwischen zwei Hauswänden durchgequetscht. In einem kleinen Vorgarten beugen sich die Teilnehmer über die brusthohe Mauer: „Huch, da ist ja der Main!“ Was lediglich wie eine Grundstücksmauer wirkt, ist – von der anderen Seite betrachtet – der Hochwasserschutz für den historischen Rumpenheimer Ortskern. Auch hier gibt es zwei Vorschläge: eine Spundwand, die gleich auf die erforderliche Höhe gebracht wird, oder eine Spundwand, die sich an der bestehenden Mauer orientiert und bei ansteigendem Mainpegel mit mobilen Elementen um bis zu 40 Zentimeter erhöht wird. Errechneter Unterschied: etwa 80 000 Euro. Sichtbarer Unterschied: Das Ortsbild bleibt erhalten.

Für Grünen-Fraktionschef Peter Schneider, der unweit der Schutzmauer wohnt, ist die Angelegenheit entschieden. Sein Votum für das mobile System ist deutlich: „So machen wir es...“

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