Deutsche Bank seit 100 Jahren vertreten

„Offenbach macht Spaß“

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An der Ecke Kaiserstraße/Frankfurter Straße war die Zweigstelle der Deutschen Bank zunächst beheimatet. 1955 zog sie in einen Neubau.

Offenbach - Einst ging es um „eiserne Schrankfächer“, heute um Altersvorsorge: Deutsche Bank ist seit 100 Jahren in Offenbach. Von Marc Kuhn

Die Deutsche Bank hat mit ihren Kunden gefeiert: Seit 100 Jahren ist sie mit einer Zweigstelle in Offenbach vertreten. „Die Stadt Offenbach macht Spaß“, sagte Filiallleiter Dirk Hellmuth. „Ein toller und interessanter Standort.“ Thomas Jünemann, Chef des Firmenkundengeschäfts der Bank in Stadt und Kreis, erklärte: „Offenbach ist menschlich und bodenständig, aber auch innovativ.“

An der Ecke Kaiserstraße/Frankfurter Straße war die Zweigstelle der Deutschen Bank zunächst untergebracht. Neun Mitarbeiter befassten sich „mit der Erledigung aller das Bankfach betreffenden Geschäfte“, wie es in einer Anzeige vom Juli 1914 hieß. Das Geldhaus bot „eiserne Schrankfächer“ in nach „neusten Erfahrungen der Technik feuer- und diebessicher hergestellten Stahlkammer-Anlagen“ an. Im Ersten Weltkrieg wurden Carepakete mit Schokolade und Zigaretten zu den Mitarbeitern der Deutschen Bank an der Front geschickt. Mehr als 1000 von ihnen fielen, 7,5 Prozent der Belegschaft.

Kriege, Inflationen und Bankenkrise

Die Anzeige zur Eröffnung der Deutschen Bank in Offenbach.

Bis zu 70 Menschen waren später in der Zweigstelle beschäftigt, die Anfang der 30er Jahre zur Filiale wurde. Sie ist immer weiter ausgebaut worden, eine Wohnung wurde integriert, berichtete Hellmuth aus den Unterlagen der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank. Kriege, Inflation, Bankenkrise - „die Weltgeschichte spiegelt sich in der Bank wider“, erläuterte er weiter. Im Dezember 1943 ist die Filiale stark zerstört worden, nur der Tresorraum blieb unversehrt. Der Bankbetrieb ist allerdings nach zwei Wochen nur wieder aufgenommen worden. Von 1947 bis 1953 hießen die Filialen der Deutschen Bank Hessische Bank, dann Süddeutsche Bank. Ab Mai 1957 durfte der alte Name deutschlandweit verwendet werden

Im Juni 1955 bezog die Deutsche Bank den Neubau an der Ecke Berliner-/Kaiserstraße. Das Institut entwickelte sich. „Vor allem das Geschäft mit den Firmenkunden wuchs kontinuierlich, da sich seit 1970 über 2 000 Firmen im Landkreis Offenbach niedergelassen hatten“, sagte Jünemann. 1979 gehörte die Filiale Offenbach zu den 20 größten eigenständigen Niederlassungen im Bundesgebiet. Bereits 1959 war die Deutsche Bank ins Privatkundegeschäft eingestiegen. Am 2. Mai führte sie den persönlichen Kleinkredit ein - ein Darlehen mit einem Höchstbetrag von 2 000 Mark und zwei Jahren Laufzeit.

Ein starkes Auf und Ab an den Börsen bestimmte die Entwicklung der Filiale in den 70er und 80er Jahren mit, erinnerte sich Jünemann, der seit 28 Jahren für die Deutsche Bank arbeitet. 2006 erfolgte der letzte große Umbau der Niederlassung in Offenbach. Seitdem sorgen technische Umwälzungen wie die Digitalisierung für Veränderungen. Aber auch im Internetzeitalter ist die Filiale kein Auslaufmodell. „Wir beobachten das Gegenteil“, sagte Hellmuth. Beratung sei gefragt. Der Kunde schätze den Kontakt.

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Hellmuth, der seit mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank ist, und Jünemann haben zahlreiche Veränderungen über die Jahre beobachtet. So konnten Kunden in den 90er Jahren noch Geld für bis zu zehn Prozent Zinsen anlegen, heute werden unter ein Prozent geboten, wie Jünemann erklärte. Eine Baufinanzierung kostete damals zehn Prozent, so Hellmuth. Heute ist sie für unter zwei Prozent zu haben. Eine große Rolle spiele heute die Altersvorsorge, egal, ob es sich im Immobilien, Wertpapiere oder Anlagen handele, sagte Hellmuth. 34 Mitarbeiter der Deutschen Bank beraten in Offenbach mehr als 20 000 Kunden. Das Geschäftsvolumen betrug im vergangenen Jahr 515 Millionen Euro. Gute Aussichten, denn: „Die nächsten 100 Jahre wollen wir hier bleiben“, erklärte Jünemann.

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